Fünf Jahre "Wir schaffen das" Matthias Schopf-Emrich: "Was wäre die Alternative gewesen?"

Mit dem bewusst wohl vereinnahmenden und mitnehmenden "wir" des Zitats von Angela Merkel verbinde ich zu allererst eine zivilgesellschaftliche Mehrheit, die aktiv oder zustimmend die Aufnahme der Geflüchteten begleitet. Ich verbinde es mit den staatlichen, kommunalen und nichtstaatliche Einrichtungen und Initiativen, die sich dieser Aufgabe einer ersten Grundversorgung mit Unterkünften, Lebensunterhalt, Sprachkursen und Beratungs- und Kontaktangeboten stellen mussten und gestellt haben. Ich verbinde das "wir" auch mit Vermietern und Arbeitgebern, die sich auf Wohnungssuchende, Auszubildende und Mitarbeiter mit geringeren Deutschkenntnissen und anderen Bildungsvoraussetzungen eingelassen und eingestellt haben.
Was wäre denn die Alternative gewesen? Langjährige Provisorien, Verelendung und Perspektivlosigkeit in süd- und osteuropäischen Lagern, wie wir sie langem auf griechischen Inseln oder anderswo erleben. Nicht auszudenken. Vieles bleibt unerledigt und weiterhin zu tun: eine angemessene Beteiligung der angekommenen Geflüchteten in allen Bereichen unserer Gesellschaft und die gemeinsame Aufgabe, ein nicht mehr herkunftsdifferenzierendes und alltagstaugliches soziales Miteinander zu entwickeln.
Matthias Schopf-Emrich ist Vorstandsmitglied von "Tür an Tür - miteinander wohnen und leben" e.V. in Augsburg und beruflich seit 1991 Flüchtlings- und Integrationsberater für das Diakonische Werk Augsburg.