Fünf Jahre "Wir schaffen das" Michael Hüther: "Das kann noch besser werden"

Gesellschaftliche Integration ist nie vollbracht. Das gilt auch für die in den Jahren seit 2014 nach Deutschland geflüchteten Menschen. Integration signalisiert einen Prozess gesellschaftlicher Erneuerung, indem Menschen unterschiedlicher Herkunft Gemeinsamkeiten für das Miteinander herausbilden, akzeptieren und leben.
Wesentliche Voraussetzung für Sozialisation und Kulturerwerb sind Bildung und Erwerbstätigkeit. Studien zeigen, dass die geflüchteten Kinder und Jugendlichen gut in unser Bildungssystem eingebunden sind. Ebenso zeigt sich, dass die Erwerbstätigkeit der Erwachsenen deutlich besser vorankommt als nach der Fluchtmigration in früheren Jahrzehnten. Dabei hat die Bereitschaft hierzulande geholfen, den Arbeitsmarktzugang zu erleichtern. Deutschland ist ein Einwanderungsland. Dass wir das heute selbstverständlicher anerkennen, ist auch den erfolgreichen Anstrengungen seit 2015 geschuldet. Integration muss von beiden Seiten gewollt sein. Das kann noch besser werden. Gesellschaftliche Konflikte sind ernst zu nehmen, und das Gespräch ist zu suchen. Hier hat die Bundeskanzlerin große Defizite offenbart.
Michael Hüther ist Wirtschaftswissenschaftler und Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).