Der TagTödlicher Streit um Parklücke: Mann muss jahrelang in Haft
Bei dem Fall, den ich Ihnen jetzt hier schildere, handele es sich um eine "tödliche Melange" aus Egoismus, Rücksichtslosigkeit, dem Fehlen eines Mindestmaßes an Kompromissbereitschaft sowie der wachsenden Neigung vor allem junger Männer, Messer bei sich zu führen. Das sind nicht meine Worte, sondern die des Berliner Richters Thomas Groß. Dieser hat einen 30 Jahre alten Mann wegen Totschlags zu sechs Jahren Haft verurteilt. Das Landgericht sieht es als erwiesen an, dass der Angeklagte einen 37 Jahre alten Mann mit einem Messerstich in den Bauch getötet hatte - wegen einer Parklücke. Der Vorfall ereignete sich im Berliner Stadtteil Wedding. Das Opfer parkte in der zweiten Reihe, um Freunden sein neues Auto zu zeigen. Dabei blockierte er eine Parklücke, was zum Streit zwischen dem Bruder des Angeklagten und dem 37-Jährigen führte. Der Streit mündete in einer handgreiflichen Auseinandersetzung, bei der der Angeklagte dann mit einem Messer zustach.
"Kein Mensch braucht ein solches Messer", sagte Richter Groß und hielt dabei die Tatwaffe mit einer 11,9 Zentimeter langen Klinge in die Höhe. Niemand verstehe, wie so etwas erlaubt sein könne. Er gehe auch nicht davon aus, dass die in Berlin nun eingeführten "winzigen" Messerverbotszonen ausreichend seien. Das Mitführen eines Messers vermittle trügerische Sicherheit und erhöhe die Bereitschaft, Gewalt eskalieren zu lassen, sagte Groß in seiner Begründung weiter. Die Mutter des Getöteten trat als Nebenklägerin auf, ebenso sein vierjähriger Sohn, der durch die Lebensgefährtin des Opfers vertreten wurde. Beide Frauen brachen nach dem Ende der Verhandlung lautstark in Tränen aus.