Fünf Jahre "Wir schaffen das" Ulrich Reinhardt: "Es geht nur gemeinsam und solidarisch"

Der Begriff "geschafft" kann auf unterschiedliche Weise verstanden werden. Für die einen ist er gleichbedeutend mit der Fertigstellung und Beendigung einer Tätigkeit, eines Zustandes oder einer Herausforderung. In diesem Sinne haben wir es nicht geschafft, denn die Integration ist weder abgeschlossen, noch hat sie sich erledigt. Für andere ist es das Schaffen von etwas Neuem, wie etwa eines Prozesses, der begonnen wurde und der Veränderungen und Weiterentwicklung beinhaltet. Dieses haben wir geschafft: Eine engagierte Willkommenskultur, weltweite Anerkennung und hunderttausende Beispiele gelungener Integration, bezeugen dieses.
Merkel sprach ihre Worte "Wir schaffen das" in der Überzeugung, die Zukunft nur gemeinsam und länderübergreifend gestalten zu können. Mit dem Vertrauen in eine Demokratie, die gewachsen ist in dem Bewusstsein, dass gerade Veränderungen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihre Stärke und Lebendigkeit ausmachen. Dieses Demokratieverständnis wird jedoch derzeit von manchen in Frage gestellt und äußert sich unter anderem im Erstarken rechter Parteien, zunehmendem Misstrauen gegenüber Politik, Institutionen und Medien oder in der Zunahme von Verschwörungstheorien, Denunzierungen und Diskriminierungen.
Ich bin dennoch optimistisch, dass wir erkennen, als Teil einer globalisierten Welt, nur gemeinsam und solidarisch den Herausforderungen der Zukunft begegnen zu können. Von der Corona-Pandemie über den Klimawandel und die zunehmende Spaltung bis hin zur Migrationsfrage. Für mich ist dieses "alternativlos", aber dies ist ein anderes Merkel Zitat…
Ulrich Reinhardt ist Professor für Empirische Zukunftsforschung am Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Westküste in Heide und Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen.