Der TagUngarn: Strafe für Händler für Verkauf eines Buches über Regenbogenfamilie
Spätestens seit dem Streit über die Regenbogen-Beleuchtung des EM-Stadions in München schaut die Welt ein wenig genauer nach Ungarn und den dortigen Umgang mit sexuellen Minderheiten. In dem EU-Land wurde nun eine Buchhandlung bestraft, weil sie ein Märchenbuch über eine sogenannte Regenbogenfamilie ohne besondere Kennzeichnung verkauft hat. Dies gab der Leiter des Regierungsamts für den Bezirk Pest, Richard Tarnai, im regierungsnahen Fernsehsender Hir TV bekannt. Das Buch "Was für eine Familie!" von Lawrence Schimel und Elina Braslina hätte demnach gekennzeichnet werden müsse, weil es "keine normalen Familien darstellt". Das Regierungsamt verhängte deshalb eine Strafe in Höhe von 250.000 Forint (rund 700 Euro).
Tarnai bezog sich nicht auf das umstrittene Gesetz zur Einschränkung von Informationen über Homo- und Transsexualität. Das Verfahren gegen die Buchhandlung sei bereits vor der Beschlussfassung des Gesetzes eingeleitet worden. Vielmehr sei das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb zur Anwendung gelangt. Der Regierungskommissar legte dieses so aus, dass eine Kennzeichnungspflicht besteht, wenn ein Produkt nicht den Werten der Verfassung entspricht. Das 2011 von Ministerpräsident Viktor Orban geschaffene ungarische Grundgesetz beinhaltet den Grundsatz, dass eine Familie aus Vater, Mutter und Kind besteht. Der Autor des Buches, Lawrence Schimel, äußerte sich auf Twitter bestürzt und schrieb von "traurigen Neuigkeiten".