Infografik

Infografik Coronavirus - RKI-Schätzung der adjustierten 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz für Deutschland und Bundesländer (Gruppenchart)

CoronavirusAdjustierte Hospitalisierungsinzidenz

Bereits seit Juli 2021 gibt das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem täglichen Situationsbericht zur Corona-Lage eine bundesweite Sieben-Tage-Hospitalisierungsinzidenz an. Inzwischen gibt es die Daten auch auf Länderebene (eine Übersichtsgrafik finden Sie hier).

Die Hospitalisierungsinzidenz gibt an, wie viele Covid-19-Fälle in den letzten sieben Tagen beim RKI als hospitalisiert gemeldet wurden - umgerechnet auf 100.000 Einwohner. Die Idee dahinter: Da eine Corona-Impfung nachgewiesenermaßen gut vor einem schweren Krankheitsverlauf schützt, spielt die Gesamtzahl der Infektionen nicht mehr die gleiche Rolle wie zuvor. Stattdessen gilt es nun herauszufinden, wie sich die Lage in den Krankenhäusern entwickelt. Man möchte wissen, wie viele Corona-Infizierte schwer erkranken, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung bereits durch eine Impfung geschützt ist.

Die Idee klingt sinnvoll, funktioniert in der Praxis aber nicht wie erhofft. In der Meldekette vom Krankenhaus bis zum RKI gibt es einen erheblichen Zeitverzug. Hinzu kommt, dass die Fälle nicht nach dem Datum der Krankenhausaufnahme, sondern nach dem Meldedatum der Infektion in die Statistik eingehen. Dadurch fallen in den täglich gemeldeten Wasserstandsmeldungen zur Hospitalisierungsinzidenz zahlreiche Fälle zunächst unter den Tisch. Erst im Rückblick lassen sich die Nachmeldungen hinzufügen und die Tageswerte nachträglich korrigieren. In der laufenden Delta-Welle fallen die Korrekturen gut und gerne mal doppelt so hoch aus, wie ursprünglich gemeldet.

Um die Schwächen des Indikators auszugleichen, hat das RKI ein Nowcasting-Verfahren entwickelt, das bisher in einer ähnlichen Form auch schon bei der Berechnung des R-Werts zum Einsatz kam. Das Rechenmodell wird zunächst mit den verfügbaren Daten gefüttert und darauf trainiert, daraus die wahrscheinliche Zukunft abzuleiten. Vereinfacht gesagt: Der Computer "lernt" aus der Vergangenheit und sagt dann voraus, mit wie vielen Nachmeldungen noch gerechnet werden muss. Daraus lässt sich dann die sogenannte "adjustierte Hospitalisierungsinzidenz" ableiten - ein Schätzwert, der laut dem RKI tatsächlich meistens sehr viel näher an die Realität herankommt als der gemeldete Tageswert.

Die mitgelieferten Angaben zur Schwankungsbreite, das sogenannte Konfidenzintervall, machen deutlich, dass es sich bei dem RKI-Schätzwert um keine exakte Prognose handelt, sondern um eine Wahrscheinlichkeitsrechnung. Konfidenzintervall bedeutet in der Statistik: Laut den Berechnungen liegt der tatsächliche Wert für diesen Meldetag mit großer Wahrscheinlichkeit (95%) in diesem Bereich zwischen dem unteren und dem oberen Schätzintervall. Weil für die jeweils letzten vier Tage meistens zu wenige Daten vorliegen und die Unsicherheiten hier zunehmen, klammert das RKI diesen Zeitraum aus. Die Zeitreihe der adjustierten Hospitalisierungsinzidenz endet also stets vier Tage vor dem aktuellen Datum.

Das Nowcasting-Verfahren hat natürlich auch seine Schwächen. Die Genauigkeit der Angaben steht und fällt mit der Qualität der Rohdaten, also mit den Meldedaten. Unvorhersehbare Entwicklungen und Veränderungen im System - etwa durch das Auftreten einer neuen, ansteckenderen oder tödlicheren Virusvariante oder Eingriffe in die Fallentwicklung durch politische Entscheidungen, sei es nun ein "Freedom Day" oder ein kompletter Shutdown - können auch das Nowcasting aus dem Tritt bringen.

Das Nowcasting zur Hospitalisierungsinzidenz wurde erstmals mit dem Wochenbericht vom 14. Oktober veröffentlicht, zunächst allerdings nur auf Bundesebene. Seit dem 2. Dezember stellt das RKI auch tägliche Schätzwerte auf Landesebene online zur Verfügung. Diese Daten nutzt ntv.de für die hier dargestellten Grafiken. Weitere Informationen zur Hospitalisierungsinzidenz finden Sie hier.

Quelle: ntv.de

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