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Schöne Ecken, schräge Bars Im Labyrinth von Lemberg

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Lemberg eignet sich für eine abwechslungsreiche Kurzreise.

(Foto: imago images / Ukrinform)

Ein Städtetrip nach Osteuropa ist für viele Reisende noch etwas Besonderes. Die westukrainische Stadt Lemberg begeistert mit ihrer Altstadt, vielen Kneipen, gutem Kaffee und manch Ungewöhnlichem.

Osteuropa-Reisen sind derzeit schwer angesagt: Barcelona, Paris, London oder Rom kennen die meisten schon - anders sieht es mit vielen Städten im Osten Europas aus. Städte wie Krakau, Belgrad und Warschau bieten nicht nur Kultur und Geschichte, sondern auch ein lebendiges Nachtleben, kulinarische Entdeckungen und ein bisschen Abenteuer. Und das alles für wenig Geld und ohne weite Anreise.

Die Ukraine hat allerdings als Reiseland in den letzten Jahren stark gelitten. Die Annexion der Krim durch Russland und der anhaltende Konflikt im Osten des Landes verunsicherten viele Touristen. Doch der Westen der Ukraine, der sich immer schon stärker nach Europa hin orientierte, ist davon nicht so stark betroffen. Vor allem die Stadt Lwiw, auf Deutsch Lemberg, etwa 70 Kilometer von der Grenze zu Polen entfernt, verzeichnet immer mehr Besucher. 2017 kamen 2,6 Millionen Touristen in die Stadt, 50 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Sie fasziniert vor allem die Altstadt, deren Kerngebiet innerhalb der Stadtmauer vor Jahrhunderten mit 600 mal 600 Metern sehr klein war und dann rasch expandierte. Die engen und pittoresken Gassen erinnern sehr an manche Ecken in Prag oder auch Dresden.

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Reges Treiben am Abend.

(Foto: M. Meyer)

Die lange Geschichte der Stadt ist ein einziges Auf und Ab der verschiedenen Mächte und Besatzer und würde für ganze Bücher reichen, nur so viel: Bis 1918 gehörte Lemberg zum österreichisch-ungarischen K.u-K. Reich, dann zu Polen und wurde im Zweiten Weltkrieg von Hitler-Deutschland besetzt. Nach dem Krieg war Lemberg sowjetisch und ist seit 1991 Teil der unabhängigen Ukraine.

Viele Einflüsse sichtbar

Diese verschiedenen Einflüsse finden sich bis heute im Stadtbild: Es gibt unter anderem ein armenisches und ein jüdisches Viertel. Im Verlauf der Jahrhunderte ließen sich Ukrainer, Russen, Deutsche, galizische Juden, Armenier und sogar Schotten in Lemberg nieder. Alle pflegten ihre eigenen Kulturen, Sprachen, und kamen ansonsten meist gut miteinander aus. Das merkt man bis heute: in der Architektur, den Einflüssen in der Küche, in der Mischung der Einwohner.

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Was verbirgt sich wohl hinter dieser Tür?

(Foto: M. Meyer)

Ausgangspunkt einer jeden Stadttour ist der zentrale Platz, der Rynok, an dem jeden Abend rund um den Rathausturm etwas los ist. Von hoch oben hat man, wenn man die 440 Stufen erklimmt, einen hervorragenden Blick über die Stadt. Unten auf dem Platz spielen Musiker, Kaffee und Süßigkeiten werden angeboten, Kunststückchen aufgeführt und in den vielen Kneipen und Bars ist es bis spätabends voll.

Überhaupt: Die Lemberger lieben es, in mancher Kneipe in der Altstadt mit merkwürdigen Überraschungen aufzuwarten. In der bekanntesten, der "Kriyevka", einem Lokal im Militär-Stil, darf man auf eine Scheibe mit Putin-Gesicht schießen und wird bedient von Kellnern im Soldaten-Look. Das ist hart am Rande der Geschmacklosigkeit, das "Kriyevka" ist aber mit einer Million Besuchern pro Jahr eines der meistbesuchten in ganz Europa. Das Restaurant ist 24 Stunden geöffnet, durchgehend die ganze Woche.

Infos und Tipps für Lemberg

Anreise: Mit dem Flugzeug ist es am einfachsten. Reisen per Auto und Bahn sind sehr zeitaufwändig und kompliziert.

Es gibt viele Unterkünfte in der Stadt, eine kostengünstige und sehr zentral gelegene ist das "Apart-Hotel Horowitz" direkt am Rynok. Ab 70 Euro.

Stadtführungen: viele von ihnen gratis auf Spendenbasis, unter https://freewalkingtour.com/lviv/ oder

https://lvivbuddy.com/de/

Ein anderes Highlight für Unerschrockene: die Bar "Masoch". Eine schräge dunkelrote Mischung aus Bar und Restaurant. Die Geschichte dahinter: Der Erfinder des modernen Masochismus, wenn man das so formulieren mag, stammt aus Lemberg. Leopold von Sacher-Masoch wird mit einer Statue vor der Bar geehrt, in die man seine Hand stecken und sich Gott weiß was wünschen kann. Im "Masoch" wird daher ausgiebig dem Sado-Masochismus gefrönt, es gibt Gerichte, die sich darauf beziehen und einige Kellnerinnen sind in Lack und Leder gekleidet, manche haben angeblich sogar eine Peitsche zur Hand. Das ist nur etwas für echte Fans.

Deutlich authentischer und harmloser geht es in einer der vielen Musikbars zu, in denen an mehreren Tagen der Woche Musik gemacht wird. Bei warmem Wetter spielen junge ukrainische Musiker an vielen Ecken in der Straße bis spätabends, es gibt Rock, Pop, Jazz, oft auch etwas melancholische ukrainische Songs zu hören. Wer möchte, kann am Wochenende von einer Kneipe zur anderen ziehen und schauen, was gefällt. In jedem Fall bietet die 700.000 Einwohner-Stadt Lemberg für unterschiedlichste Geschmäcker einiges.

Quelle: n-tv.de

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