Leben

Von Israels Armee lernen Im Sommerkurs zum Personenschützer

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Sicheres Schießen gehört zum Handwerkszeug.

(Foto: Tal Leder)

Die Soldaten der israelischen Armee gelten als besonders gut ausgebildet. Ihre Erfahrungen aus dem Anti-Terrorkampf geben sie auch an Ausländer weiter, beispielsweise in Personenschützer-Kursen. Sogar aus Südkorea reist manch ein Tourist an.

"Angreifen, worauf wartest du? Benutze deine Waffe", brüllt Ausbilder Yaniv Livay einem etwas korpulenten Typen hinterher und gibt weitere Befehle. "Esch", ruft er, das hebräische Wort für Feuer. Yaniv, der mit seinem grimmigen Blick ein wenig an Rambo erinnert, war über 25 Jahre lang Offizier in der israelischen Armee (IDF). Mit dieser langjährigen Kampferfahrung arbeitet er heute als Sicherheitsausbilder.

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Der siebenwöchige Kurs verlangt den Teilnehmern einiges ab.

(Foto: Tal Leder)

Doch in dem Trainingszentrum, das sich in der Nähe von Caesarea befindet, werden keine IDF-Rekruten trainiert. In dem einst von den Römern gegründeten Städtchen befindet sich eine Filiale der International Security Academy (ISA), die sich seit 30 Jahren darauf spezialisiert hat, Menschen aus dem In- und Ausland zu professionellen Sicherheitsmitarbeitern zu schulen.

Unter den 45 Teilnehmern aus 14 verschiedenen Ländern, die im Norden Israels den siebenwöchigen Kurs "VIP-Personenschutz und Terrorismusbekämpfung" absolvieren, ist auch der 37-jährige Tunay Bozkurt aus Karlsruhe. "Ich wollte schon immer im Sicherheitsbereich arbeiten und werde dies auch nach meinem Kurs tun", sagt er stolz.

Programme der IDF

Der Deutsch-Türke aus Baden war letztes Jahr zum ersten Mal in Israel. Während seines zweiwöchigen Urlaubs verbrachte er auch einen Tag in der Antiterror- und Sicherheitsakademie Calibre 3 in der Region Gush Etzion. Diese bietet Touristen spezielle Programme der IDF an. Danach war er überzeugt, einen richtigen Sicherheitskurs zu absolvieren, um später in diesem Bereich zu arbeiten. "Meine Eltern sind türkische Aleviten und kamen in den 70er-Jahren aus Istanbul nach Deutschland. Einige ihrer jüdischen Freunde sind nach Israel ausgewandert", erzählt Tunay. "Der Kontakt zu ihnen ist nie abgebrochen."

Nach der Sicherheitsausbildung will er bei einer Reederei anheuern. Reedereien engagieren oft Wachpersonal, das in Israel ausgebildet wurde. "Der jüdische Staat hat durch seine Geschichte viel Erfahrung in diesem Bereich. Viele schätzen die Marke 'Security Made in Israel', vor allem, um Schiffe an der Küste Somalias gegen Seeräuber zu beschützen."

Israels Sicherheitsoffiziere besitzen durch ihre große Kampferfahrung nicht nur theoretisches, sondern vor allem praktisches Wissen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass es dort einige Institute in dieser Branche gibt, in denen das Sicherheitspersonal vieler Ländern geschult wird. Eines davon ist die ISA.

Für Sicherheitskräfte und Privatpersonen

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Die Angreifer sollen "ausgeschaltet" werden.

(Foto: Tal Leder)

"Wir haben uns mit dem Training nicht nur auf die Sicherheitskräfte einzelner Staaten spezialisiert," sagt der Geschäftsführer des Unternehmens, David Mirza, der die Firma 1987 gründete. "Zu uns kommen auch viele Privatpersonen, die zu den Besten gehören und von den Besten trainiert werden wollen," erzählt der ehemalige Oberst der israelischen Armee. 

Auch wenn in der Sicherheitsakademie auf technologische Aspekte Wert gelegt wird, ist für Mirza der menschliche Faktor entscheidend. "Wichtig ist vor allem, dass die Teilnehmer bei uns nicht nur physisch geschult, sondern auch mental auf die Terroristen eingestellt werden. Sie müssen im Programm verstehen, was ein Terrorist ist, wie sie operieren und wie sie die Intelligenz und die Einsatzmethoden der verschiedenen Gruppen erfassen."

Die ISA-Lehrgänge sind nicht günstig. Zwischen 2000 bis 4000 Euro muss ein zukünftiger Sicherheitsfachmann je nach Kurs bezahlen, möchte er später Diplomaten, Botschaften oder auch Kreuzfahrtgäste bei Reedereien beschützen. "Potenzielle Gefahrensituationen erkennen und ihnen entgegenzuwirken, bevor sie eine Gefahr darstellen, das ist unsere Philosophie," erzählt der ISA-Boss. "Angriff ist die beste Verteidigung. In Israel lernen Leibwächter nicht, als Schutzschilder zu agieren, sondern den Feind auszuschalten." Und so werden im Training echte Szenen mit Selbstmordattentätern oder angreifenden Kampftruppen nachgestellt, wie sie auch in den Kriegen in Afghanistan, Irak oder Gaza der Fall waren.

Nicht alle Teilnehmer bestehen das harte Training des Kurses. Immer wieder gibt es einige, die aufgeben. Der 32-jährige Finn, Major in der norwegischen Marine, und Lee Park, 30-jähriger Bankangestellter aus Südkorea, gehören nicht dazu. Beide wollten Israel hauptsächlich wegen der Sicherheitsakademie besuchen. Sie haben sich während des Kurses angefreundet und wollen ihn nun gemeinsam erfolgreich beenden. "Obwohl die Grundausbildung beim Militär in Norwegen ebenfalls nicht einfach war, ist das hier noch mal was anderes," sagt Finn beeindruckt. "Ich muss wirklich an meine Grenzen gehen."

In Südkorea Promi-Bodyguard werden

Lee Park, der in der südkoreanischen Armee diente und jetzt in Seoul lebt, will die Sicherheitsausbildung unbedingt schaffen. "Das ist hier alles noch eine Stufe anstrengender als in meiner Heimat," erzählt er. "Es ist sehr professionell, doch um als VIP-Bodyguard zu arbeiten, werde ich alle Anforderungen bestehen müssen."

Dies gilt auch für Tunay, der nach der Anfangswoche noch voller Motivation ist. "Das Niveau des Kurses ist sehr hoch und geht bis ans Äußerste", erzählt er, als er während einer Pause neben einem Kollegen sitzt. "Doch ich bin nicht zum Urlaub machen hierher gekommen." Bei seiner letztjährigen Rundreise hat er viel von Israel gesehen. "Dieses Mal nehme ich mit Leib und Seele am Kurs teil, da bleibt nicht viel Zeit für Ausflüge", sagt er. "Nächstes Jahr werde ich mit meiner Frau ein Auto mieten, um Israel noch besser kennenzulernen. Denn 2019 komme ich wieder - zu einem Fortbildungslehrgang für Sicherheitspersonal" , lacht Tunay.

Quelle: ntv.de

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