Leben

Das "Eatrenalin" in Rust In acht Gängen um die Welt - und auf den Mond

"Das aufregendste Restaurant der Welt" soll das "Eatrenalin" im Europapark Rust sein. Die neueste Attraktion bei Freiburg ist ein Gourmet-Restaurant mit Hightech-Entertainment, das die Gäste in fremde Welten entführen und alle Sinne kitzeln soll. Wir haben schon mal vorgekostet.

Ein Restaurant, in dem die Gäste auf eine fantastische Reise geschickt werden und jeden Gang in einer anderen Umgebung erleben können - das war das erste, was vor knapp zwei Jahren über das neue "Eatrenalin" im Europapark Rust bekannt wurde. Und dass die Gäste "irgendwie" von einem Raum zum anderen transportiert werden. Doch was das bedeutet - man wusste es nicht. Bis jetzt! Denn kurz vor der offiziellen Eröffnung konnten wir es ausprobieren. Der Bau wirkt von außen sehr schlicht - das Design scheint etwas verstecken zu wollen - nur dort, wo der Eingang sich befindet, wurde der Vorhang ein wenig gelüftet.

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Vorhang auf!

(Foto: dpa)

Die Idee für ein solches Restaurant kam Europapark-Geschäftsführer Thomas Mack 2018 im Urlaub in der Toskana: "Da habe ich mich gefragt, warum der Wein im Urlaub immer besser schmeckt und ob wir ein solches Erlebnis für alle Sinne nicht auch in einem ganz besonderen Restaurant schaffen können." Doch die Umsetzung war für Mack und Mit-Initiator Oliver Altherr nicht so einfach. "Wir haben viele Ideen verworfen, bis schließlich einer der Mitarbeiter von Mack Rides, unserem Hersteller für Achterbahnen und Freizeitparkattraktionen, einen ganz besonderen Stuhl entworfen hat." Und dieser Stuhl beantwortet dann auch die Frage, wie man von einem Raum in den nächsten kommt.

Doch zunächst beginnt das Erlebnis in einer ganz klassischen Lounge. Hier gibt es für die Gäste etwas zu trinken und die ersten kleinen Vorspeisen, wie zum Beispiel Kaviar und Linsensuppe. Dann geht es in einen Raum, durch den in der Mitte ein digitaler Wasserfall fließt. Hier stellt sich die virtuelle Reiseleiterin vor, die die Gäste durch die komplette Attraktion leitet. An den Türen zum nächsten Raum steht dann in großen digitalen Ziffern der Name von jedem der bis zu 16 Gäste, die parallel dabei sein können.

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Auf diesen Stühlen fährt man durch Raum und Zeit.

(Foto: dpa)

Wenn dann alle Gäste an der richtigen Stelle stehen, wird das Geheimnis um die sogenannten Floating Chairs - die schwebenden Stühle - gelüftet: Auf einer kleinen Plattform stehen ein Lounge-Sessel und zwei kleine Tische, mit der sich die Besucherinnen und Besucher auch gleich auf den Weg in den nächsten Raum machen. Diese Stühle sind die wahren Stars dieser Attraktion, sagt auch Mack: "Die sind komplett computergesteuert, elektrisch betrieben, ohne Schienensystem und können sich 360 Grad auf einen Zentimeter bewegen. Quasi schwerelos. Die Sessel sind sicherlich das Highlight des Restaurants." Das merken wir im ersten großen Raum. Auf eine riesige Leinwand ist zunächst eine Unterwasserwelt projiziert, in den nächsten Minuten wird daraus dann ein traumhafter Strand, an dem langsam die Sonne untergeht. In Vierergruppen kreisen die Stühle mit den Gästen durch diese Landschaft, als ob sie auf Booten sitzen würden.

Ein Starkoch aus Spanien

Und plötzlich öffnet sich dann eine Schublade an unserem Tisch und der nächste Gang klappt heraus. Meeresfrüchte mit Plankton. Um uns herum wuselt immer wieder das Servicepersonal, versorgt die Gäste mit Getränken oder bringt noch eine Beilage zu den Speisen. Und im Notfall bringen sie die Besucherinnen und Besucher auch zu den Waschräumen, denn weil sich alles im Raum bewegt (vor allem die Stühle!) wäre es zu gefährlich allein aufzustehen. Für solche und andere Notfälle gibt es auch drei Knöpfe an den Tischen.

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Das Essen kommt aus der Schublade.

(Foto: dpa)

Ein solches Restaurant ist auch eine große Herausforderung für die Küche. Denn wenn das Restaurant ab 4. November in den Normalbetrieb geht, sollen hier jeden Abend bis zu 200 Gäste begrüßt werden. "Normalerweise hat ein Restaurant wie dieses nur 30 oder 40 Gäste pro Tag, aber hier wollen wir bis zu 200 Leute täglich mit einem Menü auf Sterne-Niveau bekochen. Das ist die Herausforderung", so Chefkoch Pablo Montoro, der in Spanien ein Star ist und lange im Nobel-Restaurant "El Bulli" gearbeitet hat. 13 Köche in zwei Räumen beliefern die insgesamt acht Räume möglichst perfekt getimt mit dem Essen.

Wir und unsere Stühle haben nach dem Sonnenuntergang im "Raum Ocean" inzwischen unsere Reise fortgesetzt. Jetzt dreht sich alles um die verschiedenen Geschmacksrichtungen: süß, sauer, bitter und salzig. Jede wird visuell inszeniert und dann werden die kleinen Geschmacksexplosionen gegessen. So sollen die Geschmacksnerven Karussell fahren, genau wie die Gäste mit ihren Stühlen. Nach so vielen digitalen Erlebnissen setzen wir uns mit unseren Stühlen an eine Sushi-Bar "in Asien": Mit einem Gong-Schlag werden die jeweiligen Vorspeisen angekündigt.

Sieht aus wie Weltall, schmeckt aber nach Rinderroulade

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Essen unter Wasser?

(Foto: dpa)

Danach geht es in ein Raumschiff, und hier merkt man, dass die Familie Mack eben auch einen Freizeitpark betreibt. Denn hier geht es nicht ums Essen, sondern ums Erlebnis. Wie in einem Raumschiff-Simulator werden wir mit unseren Stühlen ordentlich durchgeschüttelt, bis wir schließlich auf dem Mond landen. "Mit unserem Space-Ship haben wir es geschafft, die Gäste ins Universum zu katapultieren. Und da können wir natürlich kulinarisch aus dem Vollen schöpfen, weil noch niemand ein Menü auf dem Mond gegessen hat", sagt Erfinder Mack.

Wir verlassen unser Raumschiff, die Stühle gruppieren sich in Vierergruppen um die riesigen Tische. In der Mitte hängt eine riesige Weltkugel, über uns leuchten die Sterne. Das Essen sieht dann sehr "spacy" aus, hat aber einen bekannten Geschmack. "Wir wollten, dass es nach Weltall aussieht, aber bekannte Geschmäcker trifft" erklärt Chefkoch Montoro, bevor wir zum Nachtisch weiterfahren. Für den wird im nächsten Raum, nach einer 360-Grad-Projektion und nachdem unsere virtuelle Reiseführerin zu einer realen Schauspielerin wurde, ein riesiger runder Tisch von der Decke herabgelassen, wo dann der Nachtisch herausklappt. Das ist definitiv keines dieser Gourmet-Menüs, bei dem die Gäste sich fragen, ob sie danach noch schnell zu McDonalds fahren sollten, denn hungrig bleibt im "Eatrenalin" niemand. Zum Abschluss geht es in die Bar, in der die Gäste ihren Besuch ausklingen lassen können.

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Spliff fragten sich 1982 bereits: "An der Bar, an der Bar, warum steh'n die da?" Ist hier anders - hier sitzt man.

(Foto: dpa)

195 Euro pro Person und Erlebnis beziehungsweise Menü kostet "Eatrenalin". Es gibt aber auch teurere Varianten mit Champagner oder Sommelier-Begleitung. Kein billiger Spaß, aber eben ein besonderes Erlebnis, das es im Moment nur im Europapark Rust gibt und sonst nirgendwo auf der Welt.

Aber das soll sich bald ändern, wenn es nach Schöpfer Mack geht: "Wir wollen uns ganz gezielt gute Partner aussuchen, denn wir sehen natürlich schon große Metropolen wie Shanghai oder Las Vegas." Dreimal im Jahr soll das Menü wechseln. Und auch individuellere Erlebnisse sind möglich. "Vielleicht laden wir Single-Frauen und Single-Männer ein, die sich dann immer mal wieder während des Menüs treffen und sich dann in der Bar kennenlernen", ergänzt Mack: "Wir haben noch viel vor."

Quelle: ntv.de

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