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"Becoming": Leben ist Werden Was man von Michelle Obama lernen kann

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Michelle Obama hat ihre eigene Lebenserzählung gefunden.

AP

Rechtsanwältin, First Lady, Bestseller-Autorin - Michelle Obama hat es geschafft. Was weiß so eine Frau schon von Geldsorgen, vom Scheitern oder von dem Spagat zwischen Job und Familie? Mehr als man denkt.

Seit Wochen führt Michelle Obama mit "Becoming" die Bestsellerlisten an. Das Buch erschien zeitgleich in mehreren Sprachen, Obama reist zu Präsentationen um die ganze Welt und wird begeistert gefeiert. Der deutsche Verlag bewirbt die Autobiografie als Lebensreise von einem bescheidenen Heim in Iowa bis in den Buckingham-Palast, als Gast der Queen. Doch das Buch ist viel mehr, denn Obama erweist sich auf den mehr als 500 Seiten als gute Erzählerin und als lebenskluge Person, die einige Lektionen selbst schmerzhaft lernen musste. Ihre immer wieder eingestreuten Botschaften macht das noch überzeugender.

"Stütze dich auf Menschen, die an dich glauben."

Michelle Obama erzählt dazu die Geschichte, wie sie sich bei einer Studienberaterin versuchte, über ihre künftige Universität klarzuwerden. Ihr Bruder ist damals bereits in Princeton, dafür interessiert sich auch Michelle. Die Frau habe sie flüchtig und herablassend angelächelt und dann gesagt: "Ich bin mir nicht sicher, ob sie zum Material für Princeton zählen." Mit dieser Bemerkung habe sie in ihr Selbstzweifel gesät, ihr gesagt, sie solle sich nicht so hohe Ziele stecken. Doch Michelle Robinson, wie sie damals noch heißt, entscheidet sich, der Beraterin nicht zu glauben. Sie bewirbt sich in Princeton und auch anderswo. Unterstützung holt sie sich bei einem Nachbarn, der auch ihr Lehrer ist und der ihr eine Empfehlung schreibt. Ein halbes Jahr später wird sie an ihrer Wunsch-Uni angenommen. Sie klärt die Frau nie über ihren Irrtum auf. Letztlich sei es nie darum gegangen, anderen etwas zu beweisen. "Ich habe es einzig mir gezeigt." Durch das ganze Buch zieht sich die Idee von Mentoring-Programmen, bei denen Netzwerke entstehen und Unterstützung gewährt wird, bis man eines Tages in der Lage ist, selbst andere zu unterstützen.

"Das Leben ist zu kurz, um Zeit zu verschwenden."

Innerhalb eines Jahres verliert Obama ihre Studienfreundin Suzanne und ihren Vater. Suzanne stirbt mit gerade einmal 26 Jahren an Krebs, Fraser Robinson hatte jahrelang an Multipler Sklerose gelitten und erlitt schließlich mit 55 Jahren einen Herzinfarkt. "Wenn ein geliebter Mensch stirbt, tut das Weiterleben weh", schreibt Obama über ihre Gefühle in diesem Jahr. Die junge Anwältin, die auf dem besten Weg ist, sich bei einer renommierten Kanzlei eine Karriere aufzubauen, fragt sich, ob sie das wirklich will. Bisher hat sie immer bewiesen, dass sie alles schafft. Doch jetzt hat sie Zweifel. "Mein Vermächtnis sollte nicht aus unzähligen von mir verfassten Schriftsätzen oder verteidigten Markenrechten bestehen." Obama wechselt schließlich in das Büro des Bürgermeisters von Chicago.

"Fruchtbarkeit ist keine Schlacht."

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Michelle Obama setzt auf den persönlichen Kontakt und die Botschaft: Du bist wertvoll.

(Foto: AP)

"Wenn ich all die Dinge aufschreiben wollte, die einem keiner sagt, bis man selbst mittendrin steckt, würde ich vermutlich mit Fehlgeburten anfangen." Michelle Obama hatte sich immer Kinder gewünscht, aber es klappt einfach nicht. Als sie schließlich schwanger wird, verliert sie das Baby nach wenigen Wochen. In der Talkshow "Good Morning America" erzählt sie dazu: "Wir sitzen da mit unserem Schmerz und glauben, dass wir irgendwie nicht funktionieren." Sie hat das Gefühl versagt zu haben, "weil ich nicht wusste, wie häufig Fehlgeburten waren, weil wir nicht über sie gesprochen haben."

Sie selbst setzt schließlich Himmel und Hölle in Bewegung, legt ihre Bedürfnisse und ihre Karrierepläne auf Eis, um schließlich per IVF ihre Töchter Malia und Sasha zu bekommen. Sie glaube, dass es das Schlimmste sei, was wir als Frauen einander antun: "nicht die Wahrheit über unsere Körper zu teilen und wie sie funktionieren – und wie sie es eben nicht tun".

"Es gibt kein Universalrezept für die perfekte Mutter."

Diese Haltung prägt auch ihre Mutterschaft. "Jede hat ihre eigene Art, ihre Rolle auszufüllen", beobachtet sie in einem Kreis von Frauen und Kindern, mit denen sie sich regelmäßig trifft. Jede Mutter versucht auf ihre Weise, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. Manche arbeiten Teil-, andere Vollzeit. Manche Kinder dürfen Chips essen, andere nicht. Jedes Mal, wenn sie sich treffen, spürt Obama die "kollektive Kraft dieser Frauen, die sich nach bestem Wissen und Gewissen um das Wohl ihrer Kinder bemühten". Manchmal spielen die Kinder auch zusammen und die Mütter trinken Wein, samstagnachmittags. Für Michelle Obama haben diese Treffen auch ganz konkrete Auswirkungen. Als sie für einen neuen Job verhandelt, sind eine Vollzeitstelle und ein gutes Gehalt oberstes Gebot, um ihren eigenen Spagat gut hinzubekommen. 

"Wir warten nicht auf Dad."

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Michelle Obama begreift sich Zeit ihres Lebens als berufstätige Frau und Familienmanagerin. Doch als Ehemann Barack Obama in der Politik immer wichtiger wird, ist es schwierig die Balance innerhalb der Familie zu halten. Nach einer Ehetherapie entscheidet sich Michelle Obama, nicht länger auf ihren häufig unpünktlichen Mann sauer zu sein. Stattdessen entwickelt sie einen Zeitplan für ihren Alltag mit den Töchtern: Abendessen ist um 18.30 Uhr, danach wird gebadet und vorgelesen, um 20 Uhr gehen die Mädchen schlafen. "Sie sollten nicht glauben, dass das Leben erst begann, wenn der Familienvater endlich nach Hause kam. Wir warteten nicht auf Dad. Es war seine Aufgabe, uns einzuholen."

"Reichtum bewahrt niemanden vor dem Scheitern."

Während ihres Jura-Studiums in Harvard kommt Obama in Kontakt mit anderen jungen Leuten, viele kommen aus besseren Verhältnissen als sie selbst. Ihr wird klar, dass für die Mischung auch gezielt Studenten aus ethnischen Minderheiten aufgenommen werden oder vielversprechende Sportler. Andere verdanken ihre Aufnahme der Finanzierung eines Wohnheims oder einer Bibliothek durch ihre Eltern. Doch auch deren Reichtum bewahrt sie nicht vor dem Scheitern. "Um mich herum sah ich Studenten scheitern – weiße, schwarze, privilegierte und solche, die es nicht waren." Manche machen zu viel Party, andere verkraften den Stress nicht, wieder andere sind faul und manche einfach nicht am richtigen Platz. Scheitern ist für Obama keine Option, aber sie lernt mit den Jahren, entspannt zu bleiben und mit ihren Kräften zu haushalten.

Inzwischen sind die Kinder der Obamas fast aus dem Haus, die Zeit im Weißen Haus liegt hinter dem Paar. Für Michelle Obama hat eine neue Lebensphase begonnen. "Mit 54 Jahren entwickle ich mich immer noch weiter und ich kann nur hoffen, dass auch immer so bleiben wird."

Quelle: n-tv.de

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