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So machen es Unternehmen Wie man aus der Krise kommt, SPD

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Die SPD sucht einen neuen Vorsitzenden. Gefragt ist ein Krisenmanager.

(Foto: dpa)

Die SPD ist in der größten Krise der Nachkriegszeit und ein Ende ist nicht in Sicht. Was ist der Ausweg? Dazu lohnt ein Blick in die Wirtschaft. Unternehmen haben Strategien, die auch einer Partei in der Krise helfen können.

Manchmal wirkt die SPD wie ein Traditionsklub der Fußball-Bundesliga, der über Jahre heruntergewirtschaftet wurde und schließlich im Tabellenkeller landet. So wie der VfB Stuttgart. Oder der HSV. Andrea Nahles war in diesem Szenario die letzte Trainerin, die das Ruder eben auch nicht herumreißen konnte. Nun rückt das Saisonfinale näher, und viele fragen sich: War es das mit der SPD?

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Andrea Nahles konnte das Ruder bei der SPD nicht herumreißen.

(Foto: REUTERS)

Doch es gibt Wege aus der Krise. Die zeigt nicht nur der Fußball, sondern auch die Wirtschaft. Ständig geraten Unternehmen in schwierige Fahrwasser, schlittern der Insolvenz entgegen. Gerhard Herb berät auf Schloss Lautrach im Allgäu Führungskräfte, wie sie existenzbedrohende Situationen meistern können. Wenn man mit ihm spricht, zeigt sich, dass manches auch auf die Politik zutrifft. Und mitunter gar nicht so anders ist wie in der Fußball-Bundesliga.   

Das Ruder herumreißen - Motivation

Auffällig beim Abgang von Nahles war, dass die Partei zwar ihre Vorsitzende zerredete und zerrieb, doch niemand vorpreschte, um sich an die Spitze zu setzen. Laut Herb ist das bei Firmen ein Krisensymptom. Es zeige, dass es keine richtige Hoffnung mehr gibt. "Das gibt es auch manchmal bei Unternehmen, dass man sieht: 'Eigentlich reite ich ein totes Pferd'", sagt er im Gespräch mit n-tv.de. Das könne dazu führen, dass die talentierten Leute "das sinkende Schiff" verlassen.

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Gerhard Herb ist Trainer für Führungskräfte an der Akademie Schloss Lautrach.

Optimismus ist aber gerade in der Krise eine entscheidende Eigenschaft, um da wieder herauszukommen. Doch wie soll Hoffnung sich in Zeiten schlechter Stimmung einstellen? Genau das sei die Herausforderung für die Führungspersonen, sagt Herb. Sie müssten ein überzeugendes Zukunftsbild zeichnen können. Damit die Mitarbeiter denken: "Aha, wenn wir jetzt diese Schritte tun, haben wir auch wieder eine erfolgreiche Zukunft vor uns." Es komme auch darauf an, wie sehr die Führung deutlich machen kann, wie dringlich die Lage ist. "Alle müssen denken, Hoppla, jetzt müssen wir alle zusammenstehen, zusammenhalten, um aus diesem Tal wieder herauszukommen."

Interessanterweise haben die ehemaligen SPD-Vorsitzenden Gerhard Schröder und Hans-Jochen Vogel dies gemeinsam mit den anderen einstigen Parteichefs versucht. In einem Brief appellierten sie an die Mitglieder, jetzt zusammenzuhalten. "Wenn es einen Unternehmenslenker gibt, der eine Ansprache findet, die genau das bewirkt, dann kann eine Krise auch ein sehr heilsamer Prozess sein", sagt Herb. Manche Mitarbeiter von Unternehmen sagten sogar, ihre Firma funktioniere in der Krise am besten - weil dann alle an einem Strang ziehen und der Zusammenhalt groß ist.

Autorität und klare Ansagen - der Krisenmanager

Bei der SPD ist nun die große Frage, wer diese Überzeugungsarbeit leisten könnte. In Unternehmen sei es manchmal sinnvoll, jemanden von außen zu holen, der nicht systemblind sei, sagt Herb. "Neue Impulse von außen, von Menschen, die andere Ideen haben, anders denken und eine andere Weltsicht haben, sind häufig hilfreich." Gerade, wenn man einen Innovationsprozess starten wolle, ginge das meist nicht mit den gleichen Personen, die für die aktuelle Misere mitverantwortlich sind.

Dieser Krisenmanager müsse über große Erfahrung verfügen. "Leute, die eine Krise schon drei oder vier Mal durchgestanden haben, bieten eine andere Performance als solche, die das gar nicht kennen", sagt Herb. Die Jüngeren wüssten oft gar nicht, an welchen Stellschrauben sie drehen müssten, um Panik und den Zusammenbruch der Motivation zu verhindern. In dieser Lage sei eine konsequente und klare Führung gefragt. "In so einer Situation kommt es auf Schnelligkeit an. Auf schnelle, harte, klare Entscheidungen." Man müsse bereit sein, vielen Leuten auf die Füße zu treten, wenn man Lohnreduzierungen durchsetzen oder gar zu Entlassungen greifen müsse.

Beispiel Pedro Sánchez, Beispiel Christian Lindner

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Er schaffte es, die spanischen Sozialdemokraten wieder in die Regierung zu führen: PSOE-Chef Pedro Sánchez.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eine schwierige Aufgabe für die SPD. Jemanden von ganz außen, also von außerhalb der Partei, zu holen und zum Vorsitzenden zu machen, ist für eine Partei undenkbar. Möglich wäre es höchstens, jemanden von ganz unten zu holen. Das passierte etwa in Spanien. Bei einem Mitgliederentscheid über den Vorsitz der dortigen Sozialdemokraten bewarb sich der unbekannte Uni-Dozent Pedro Sánchez und fuhr mit seinem Auto durchs ganze Land und warb für sich. Es gelang ihm, an den üblichen Parteigrößen vorbei den Vorsitz zu erringen. Heute ist er Ministerpräsident.

Vielleicht hilft auch ein Blick zur FDP, die 2013 ebenfalls in einer existentiellen Krise war, als sie aus dem Bundestag geflogen war. Die gesamte Führungsmannschaft um Philipp Rösler, Patrick Döring, Daniel Bahr und Dirk Niebel verschwand in der politischen Versenkung - der junge Christian Lindner übernahm stattdessen. Er suchte öffentlichkeitswirksam den Beistand von Partei-Ikone Hans-Dietrich Genscher, beide schrieben ein Buch ("Brückenschläge - Zwei Generationen eine Leidenschaft") und gingen in Talk-Shows.

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Lindner suchte die Nähe Genschers, nachdem er den FDP-Vorsitz übernommen hatte.

(Foto: picture alliance / dpa)

Lindners Botschaft hatte doppelte Wirkung: Hier kommt ein frischer, neuer Mann, der den Segen und vor allem den Rat der Heroen der guten alten Zeit hinter sich weiß. Genscher lieh ihm eine Autorität, die er allein so nicht gehabt hätte. Der Erfolg war beeindruckend - vier Jahre nach dem Desaster kehrte die FDP mit mehr als 10 Prozent in den Bundestag zurück. Wäre das auch ein Modell für die SPD? Kevin Kühnert, der von Gerhard Schröder unterstützt wird? Das klingt absurd, zugegeben. Aber wäre das auch bei Franziska Giffey der Fall, wenn sie mit Hans-Jochen Vogel ein Team bildete?

Wenn Genossen zu roten Teufeln werden

Wobei es zunächst einmal darum gehen wird, den Absturz zu stoppen. Und damit wären wir dann wieder beim Fußball. Wenn eine Mannschaft gegen den Abstieg spielt, holt der Verein auch oft alte, erfahrene Trainer, die vor allem neuen Mut verbreiten und dafür sorgen sollen, dass die Mannschaft geschlossen auftritt, sich voll reinhängt und die einfachen Dinge funktionieren.

Das schönste Beispiel ist in dieser Hinsicht der 1. FC Kaiserslautern, der einst aus der Fußball-Bundesliga abstieg und nach dem direkten Wiederaufstieg 1998 sogar Deutscher Meister wurde. Doch nur in dieser Hinsicht sollten die Genossen davon träumen, zu roten Teufeln werden. Denn für die Lauterer begann nach der Meisterschaft ein neuerlicher Albtraum. Heute spielt der Verein in der Dritten Liga.

Quelle: n-tv.de

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