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Tel Aviv als veganes Paradies Wo Sojamilch und Dattelhonig fließen

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In Tel Aviv gibt es auch veganes Schawarma.

(Foto: Tal Leder)

Mit über 400 veganen und vegetarischen Restaurants ist Tel Aviv ein wahres Paradies für Nicht-Fleischesser. In Israel gibt es besonders viele Veganer. Sie können in Cafés, Bars und Restaurants herrlich schlemmen.

Wenn Tai-Chi-Lehrerin Keren Aloni in Tel Aviv in die Mittagspause geht, dann ist sie selten allein. Mit ihrem Kollegen Ishai Kalderon schlendert sie zu einem kleinen Restaurant auf der Ibn-Gvirol-Straße und schwärmt, wie lecker das Schawarma dort sei. "Seit wann isst du wieder Fleisch?," fragt sie Ischai. "Ernährst du dich nicht schon seit Jahren von pflanzlichen Produkten?" "Keine Angst," sagt Keren. "Ich bin Veganerin. Doch im 'Sultana' gibt es Schawarma, die fleischfrei ist."

Wenn man an die israelische Küche denkt, dann erinnern sich viele an gegrilltes Fleisch, frischen Fisch und andere Köstlichkeiten. Aber schon seit einigen Jahren gibt es einen starken Trend hin zu Biorezepten. Vor allem die Mittelmeer-Metropole Tel Aviv erlebte einen regelrechten Boom und ist das Veganer-Paradies schlechthin. Mittlerweile bietet es eine Reihe von vegetarischen Restaurants, von denen über 400 sogar als Veganer-freundlich angesehen werden. "Das schmeckt ja wie echtes Schawarma. Nur dass es aus Seitan und Pilzen hergestellt wird," ist Ischai begeistert, während er in sein Pitabrot beißt, gefüllt mit verschiedenen Salaten, Tahinisoße und unterschiedlichem Gemüse. "Das ist viel gesünder. Bei der Tierhaltung sollte man heute sowieso darauf achten, was man isst", erklärt er weiter.

Schmelztiegel der Kulinarik

Allgemein ist der vielfältige kulinarische Genuss in Israel eine einzigartige Mixtur aus Ost und West. Eine klassisch israelische Spezialität gibt es nicht, auch wenn sich durch die geografische Lage des Landes ein dominierender Stil ergab. Nachdem fast das gesamte jüdische Volk 2000 Jahre im Exil lebte, wurde Israel nach seiner Gründung 1948 ein Schmelztiegel der verschiedensten Kulturen aus aller Welt und die Juden brachten von überall ihre Geschmacksrichtungen mit allen ihren Gegensätzen und Gemeinsamkeiten mit.

"Die vielen Humus- und Falafelstände waren schon immer beliebt", sagt Keren. "Dazu noch die ganze Vielfalt der Produkte des Carmel-Marktes. Doch eigentlich hat veganes Essen eine lange Geschichte in der jüdischen Kultur," erzählt sie weiter, "denn es passt gut zur koscheren Küche."

"Natürlich spielen Gesundheit und die Tierhaltung eine Rolle, warum der Fleischkonsum allgemein zurückging," erklärt die 31-jährige Tai-Chi-Lehrerin, die vor zehn Jahren nach einer Reise durch Südostasien Veganerin wurde. "Israel ist eine Nation von Einwanderern. Das Land ist sehr jung und entwickelt sich immer noch weiter. Man ist gewohnt, neue Dinge und Innovationen auszuprobieren, daher ist man auch offen, seine Ernährung zu ändern," erzählt sie.

Zum Brunch nach Neve Zedek

Obwohl sie in fast allen Restaurants aus einer Vielzahl von veganen Gerichten auswählen kann, gehört das "Meshek Barzilay" in Neve Zedek, dem Gründerviertel von Tel Aviv, zu ihren Lieblingscafés. Ursprünglich als Biobauernhof gegründet, bietet es Salate und warme Gerichte an. Auf der Speisekarte findet man neben seinem berühmten Brunch, Frittatas und Tapas auch den Pilz-, Tofu- und Linsenburger. Außerdem gibt es veganen Kuchen, eine Saftbar und Produkte wie Gourmetkäse, Wein, Bioprodukte und vieles mehr.

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Dosa als indischer Pfannkuchen.

(Foto: Tal Leder)

"Israel ist ständig im Wandel," erklärt Foodblogger Ori Shavit. "Ein georgisch-russisches Restaurant namens 'Nanuchka' verkaufte in Tel Aviv 16 Jahre lang Fleisch- und Käsesorten. Als die Besitzerin Veganerin wurde, änderte sich die Speisekarte über Nacht und wurde zu 100 Prozent vegan." Shavit schwärmt von den "handgefertigten georgischen Khinkali-Knödeln, die mit Kürbis und Kartoffeln, Auberginensalsa und sogar saisonalen Pilzen gefüllt sind. Sie sind so gut, dass sie selbst die engagiertesten Fleischfresser besänftigen."

In den vergangenen sechs Jahren entwickelte sich Tel Aviv zum Mekka für gesundes Essen und prozentual gesehen besitzt Israel weltweit den höchsten Anteil an Veganern. Schätzungsweise fünf bis acht Prozent der gesamten Bevölkerung, also 400.000 Menschen, sind Veganer. Das Tourismusministerium fördert Israel als vegane Nation und Tel Aviv ist das Herz der Bewegung, wo es mittlerweile 31 ausschließlich vegane Restaurants gibt, die eine Kombination aus israelischer, nahöstlicher und mediterraner Küche mit westlichem Einfluss servieren.

Das erste vegane Café in Tel Aviv war "Anastasia"; es verwöhnt weiterhin mit ausgezeichneten Hauptgerichten und Desserts. Aber auch das "Four One Six" stellt sein eigenes veganes Steak her und hat fabelhafte Nachspeisen.

Glutenfrei und koscher

Die Stadt bietet in diesem Bereich für jeden etwas. Wer es gerne Indisch mag, der kommt in der "Dosa-Bar" auf seine Kosten. Das Hauptgericht, Dosa, wie die gesamte Speisekarte glutenfrei und koscher, ist ein indischer Pfannkuchen. Es gibt ihn in Orange (Kartoffel-Masala), Grün (Spinat) und Lila (Rote Bete). Aber auch Thali, serviert mit kleinen Portionen Chutney, Reis und Salat, und der Haussalat, der fein gehackten Sellerie und Quinoa mit leckerem indischen Dressing enthält, sind dort sehr beliebt. 

Anspruchsvolle vegane Küche gibt es im "Zakaim", welches einen iranischen Hintergrund hat. Highlight-Gerichte sind der persische Reis mit knusprigen Kartoffeln an der Spitze, Blumenkohl-Gondi serviert auf einer Kichererbsenwaffel, gegrillte Aubergine und vegane Pizzen für Kinder. Auch die Pommes sind sehr beliebt. Dazu gibt es Persertee und milchfreie dunkle Schokoladentrüffel zum Nachtisch. "Israel ist das Land, wo Sojamilch und Dattelhonig fließen," lacht Keren. "In Tel Aviv lässt es sich als Veganer sehr leicht leben. Es gibt unzählige Cafés und in Lebensmittelläden habe ich die Auswahl aus über 3000 Produkten. Mittlerweile gibt es eine Kochschule und sogar eine Eisdiele."

Auf dem Rückweg trinkt sie noch mit Ischai in der "Jusa-Bar" einen Saft, der frisch zubereitet aus Früchten und Nüssen in Flaschen verkauft wird. Alles wird mit einer hydraulischen Kaltpresse hergestellt, um Vitamine und Nährstoffe zu erhalten. Als sie danach das "Allegri Bistro" entdeckt, wo gerade gegrillte Shiitake sowie Tofu mit Röstzwiebeln und Gewürzen serviert werden, sagt sie augenzwinkernd: "Morgen verbringe ich hier meine Mittagspause." 

Quelle: n-tv.de

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