Reise

Feuerbakterium greift Bäume an Mallorca sorgt sich um seine Mandelblüte

IMG_0392.jpg

Viele der sieben Millionen Mandelbäume auf Mallorca geben Anlass zur Sorge.

(Foto: Carola Ferstl)

Auf Mallorca beginnt der Frühling traditionell mit einem Meer aus weißen Blüten. Doch seit einigen Jahren mischt sich Sorge in die gute Stimmung: Ein gefährliches Bakterium lässt die Mandelbäume verdursten. Noch gibt es keinen Ausweg aus der Todesspirale.

Miguel Angel Benito hält einen Parfümflakon ins Sonnenlicht. Darin schwimmt, fast durchsichtig, eine zartweiße Mandelblüte. "Nur perfekte Blüten kommen in die Flasche. Das ist das Markenzeichen unseres Mandelparfüms seit 1930", betont der Chef von Flor d'Ametler, dem wohl traditionellsten Duftkreateur auf Mallorca. "Nun machen wir uns Sorgen, dass die Plage alles zerstört."

IMG_0332.jpg

Ausgewählte Blüten zieren die Flakons des Mandelparfüms von Flor d'Ametler.

(Foto: Carola Ferstl)

Die Plage, von der Benito spricht, hat einen lateinischen Namen: Xylella fastidiosa. Das Feuerbakterium hat schlimmsten Schätzungen zufolge innerhalb einiger Jahre bereits 40 Prozent der Mandelbäume auf Mallorca befallen. Noch ist unklar, ob Mandelbäume aus Kalifornien oder Zierpflanzen aus anderen Regionen der Welt den Schädling eingeschleppt haben.

Das gefährliche Bakterium verhindert die Aufnahme von Wasser durch die Wurzeln und lässt die Mandelbäume sowie andere Pflanzen verdursten. Einmal geschwächt, sind die Bäume anfällig für weitere Krankheiten. Eine Todesspirale, gegen die es bisher noch kein Mittel gibt.

Dabei war die Mandel einmal Mallorcas Wahrzeichen und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Steinfrüchte sind Grundlage für die traditionellen Produkte der Insel: die Süßigkeit Turron oder den Mandelkuchen Gato de Almendra, den wohl jeder Mallorca-Urlauber als Souvenir von der Insel kennt.

Der Traum vom ewigen Frühling

Obwohl die Bäume bereits seit dem 10. Jahrhundert aus dem Orient eingeführt und auf der Insel heimisch wurden, begann der wirtschaftliche Siegeszug der Mandel erst im 19. Jahrhundert. Nachdem die Reblaus den Weinanbau zerstört hatte, wurde stattdessen die Mandel in großem Maße angebaut. Schon bald war Mallorca der größte Mandelproduzent der Welt.

Mit der Konkurrenz aus Kalifornien und dem sinkenden Weltmarktpreis nahm die Bedeutung der Mandel für die Insel ab. Dennoch zählt die Blüte der rund sieben Millionen Mandelbäume auf Mallorca von Ende Januar bis Anfang März zu einem der beliebtesten Tourismusmagneten. Produkte wie das Mandelparfüm von Flor d'Ametler verkaufen den Traum vom ewigen Frühling in die ganze Welt.

IMG_0315.jpg

Weniger perfekte Mandelblüten lagern zur Duftgewinnung für fünf Jahre in Alkohol.

(Foto: Carola Ferstl)

Für das Parfüm-Unternehmen gibt es keine Alternative zu den Mandelblüten der Insel. Sie werden "am Morgen geschnitten und müssen noch am gleichen Tag verarbeitet werden. Wir können sie unmöglich weit transportieren", erklärt Benito. "Die Mandelblüte ist eine Zeit, in der die ganze Familie mitarbeitet. Da wird schon mal eine Paella gekocht und ein Fest daraus gemacht, wenn der Hof voller zarter Blüten ist und jede von Hand für das Parfüm ausgewählt wird."

Die Blüten, die es nicht unter die schönsten und damit in die Flakons schaffen, werden für fünf Jahre in Alkohol eingelegt, um ihren Duft zu gewinnen. Die großen Glasflaschen mit dem wertvollen Inhalt lagern wie in einem Weinkeller abgedunkelt und warten auf ihre Destillation.

Tradition der Insel in Gefahr

Doch es bleibt die Sorge um das Absterben der Bäume. Die teilt auch Toni Sastre. Der Wanderführer besucht mit Touristengruppen regelmäßig die Parfümwerkstätten von Flor d'Ametler und kennt zudem die schönsten Mandel-Routen der Insel. "Auf der Strecke nach Soller blüht es bereits. Aber an vielen anderen Orten, zum Beispiel am Rande des Tramuntana-Gebirges, sind die Bäume noch kahl." Das könne allerdings auch eine Folge des Klimawandels sein, denn "der bringt die Bäume seit ein paar Jahren ebenfalls aus dem Gleichwicht. Dann blühen sie viel früher oder eben erst Ende Februar."

IMG_0350.jpg

Die weiß und rosa blühenden Mandelbäume locken zu Jahresbeginn viele Touristen nach Mallorca.

(Foto: Carola Ferstl)

Sastre sieht eine Tradition der Insel in Gefahr. "Der Tourismus auf Mallorca begann vor vielen Jahren mit der Mandelblüte. Da wollten die Leute noch nicht an den Strand." Zur großen Beliebtheit trugen in den 1950er-Jahren auch Grace Kelly und Fürst Rainier von Monaco bei, die hier ihre Flitterwochen verbrachten. Die Mandelblüte als Symbol des Frühlings und der Liebe machte Mallorca weit über Europa hinaus bekannt.

"Versuchen alles, um die Mandel zu retten"

Bekommt die Insel ein neues Gesicht, wenn sieben Millionen Mandelbäume verschwinden? So weit soll es nach dem Willen von Benito und anderer Mandelfreunde nicht kommen. Ihre Pläne: "Wir reißen die befallenen Bäume nicht einfach aus, sondern beobachten sie." Außerdem soll anhand aus Samen gezüchteter Mandelbäume getestet werden, welche Sorten bereits Resistenzen gegen das Bakterium entwickelt haben. "Und wir tauschen den Boden aus und versuchen alles, um die Mandel auf Mallorca zu retten." In einer neuen Finca des Unternehmens in der Nähe von Sencelles soll all dies im nächsten Jahr Wirklichkeit werden.

Vielleicht gibt es schon in diesem Jahr einen kleinen Lichtblick, denn das Bakterium scheint sich nach ersten Erkenntnissen nicht weiter zu verbreiten. Eine gute Nachricht für alle wintermüden Nordeuropäer. Denn nichts tut so gut wie ein Stück süßer Gato de Almendra in den ersten warmen Sonnenstrahlen Mallorcas vor dem Panorama des majestätischen Tramuntana-Gebirges und Millionen weißer Mandelblüten.

Mehr von Carola Ferstl lesen Sie auf reisezauberblog.de

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema