Unterhaltung
"Avec Amour" kann da helfen ... (Illustration: ©Peter Gaymann)
"Avec Amour" kann da helfen ... (Illustration: ©Peter Gaymann)
Samstag, 21. Oktober 2017

Mit ganz viel Liebe: Bett und Backhendl

Von Heidi Driesner

Erst kam das Ei. Dann der Wein. Und nun die Liebe. Eine Geschichte aus dem Paradies? Nein, wäre aber möglich. Denn am Anfang jeder Verführung steht immer die Neugier. Ein paar Äpfel schaden übrigens auch nicht.

Kochen ist anstrengend. Wer weiß, wie es in den edelstahlblitzenden Restaurantküchen zugehen kann (nicht muss), hat große Achtung vor diesem Knochenjob. Oder ihm stehen die Haare zu Berge. Vermutlich beides. Da muss der Beruf wahrlich eine Berufung sein, um diese Strapazen lieben zu können. Liebe ist das also; die wird gebraucht wie die Luft zum Atmen. Hobbyköche übrigens können auf den ganzen beruflichen Druck pfeifen, denn bei ihnen warten nicht 100, sondern vielleicht 10 Gäste aufs Essen. Und wenn der Braten mal so ansprechend geraten ist wie ein Paar olle Socken, ist das zwar peinlich, aber nicht berufsschädigend. Aber ohne Liebe würden selbst Freizeitköche nicht am Herd stehen, sondern 'ne Dose im Supermarkt kaufen.

"Avec Amour" hält über 50 Anleitungen zum Verlieben sowie 14 Grundrezepte bereit.
"Avec Amour" hält über 50 Anleitungen zum Verlieben sowie 14 Grundrezepte bereit.(Foto: ars vivendi)

Kochen ist also nicht nur anstrengend, sondern auch ein Liebesbeweis: Liebe zu gutem Essen, zu Gästen, die sich verführen lassen, zu Lebensmitteln aus gesunder Herkunft. "Mit Liebe" – das ist das Markenzeichen von Léa Linster, der Sterneköchin aus dem luxemburgischen Frisange. Nach "Das Gelbe vom Ei" und "Wein muss rein!" ist nun bei ars vivendi das dritte illustrierte Kochbuch des Dream-Teams Léa Linster und Peter Gaymann erschienen: "Avec Amour". Christine Westermann, TV- und Radiomoderatorin, Journalistin und Autorin, den meisten wohl durch ihre preisgekrönte Talkshow "Zimmer frei" bekannt, hat den "Rezepten zum Verlieben" ein Geleit über Liebe, Lust und Backhendl mit auf den Weg gegeben. "Vielleicht ist die Liebe zu gutem Essen beständiger als die zu einem Menschen", heißt es da. Und: "Am besten liebt man sie beide, mit Inbrunst und Leidenschaft, so wie Léa Linster es tut."

Dafür bietet "Avec Amour" die richtige Anleitung, zumindest was jene Liebe betrifft, die satt macht. Die gebundene Ausgabe hat 184 Seiten und kostet 25,00 Euro. Die großformatigen Fotos zu den Rezepten sowie die Porträts liefert wieder einmal in gewohnter Qualität Justyna Krzyzanowska; sie vermitteln den Spaß, den Linster und Gaymann hatten, und machen einfach Lust, es ihnen nachzutun.

"Der Apfel ist seit jeher ein Symbol der Liebe – kein Wunder! Mit den Gerichten, die man daraus zaubern kann, erobert man jedes Herz im Sturm!" , schreibt Léa Linster. (Illustration: ©Peter Gaymann)
"Der Apfel ist seit jeher ein Symbol der Liebe – kein Wunder! Mit den Gerichten, die man daraus zaubern kann, erobert man jedes Herz im Sturm!" , schreibt Léa Linster. (Illustration: ©Peter Gaymann)

Zwischendurch immer wieder ganzseitige Illustrationen von Gaymann, die zum Schmunzeln einladen und menschliche Schwächen auf die Schippe nehmen. Die geistreichen Cartoons garnieren die kreativen Gerichte vortrefflich. Wer noch nicht gemerkt hat, dass sich nicht hinter jedem geküssten Frosch ein Prinz verbirgt, kapiert’s dank Gaymann. Und dass "Äpfelchen" einen BH brauchen, versteht sich von selbst. Aber ein bisschen fies ist der dicke Apfel schon! Ganz klar auch in diesem Buch: Völlig ohne sein Pluster-Huhn kommt der Cartoonist nicht aus, da orgeln ab und zu ein paar pummelige Suppenhühner über die Seiten und erfreuen den Leser. Da sich Gaymann nicht nur im Hühnerstall auskennt, sondern auch aus unser aller Beziehungsleben schöpft, dürfte sich manch einer angesichts der "Paar Probleme" an der eigenen Nase zupfen ...

Für Pärchen und Paare

Léa Linster und Peter Gaymann hatten erkennbar viel Spaß.
Léa Linster und Peter Gaymann hatten erkennbar viel Spaß.(Foto: ©Justyna Krzyzanowska)

Seien Sie kein Kostverächter und lassen Sie sich verführen von "Avec Amour"! Léa Linster hat für alle Lebens- und Liebeslagen die passenden Rezepte, die Herzen höher schlagen lassen. Es fehlen weder Selleriecremesüppchen noch Austern in Gelee (Achtung: beides Lustmacher schlechthin). Potenzmittel wie Rucola und Zwiebeln, zu denen schon die alten Römer griffen, kommen auf den Teller; gebeizter Wildlachs geht eine Liaison ein mit Kaviar und Muscheln eine mit Safran. Auch eher bodenständige Liebhaber mit ausgeprägtem Hang zu Deftigem werden bedient, entweder mit "Kniddelen", den Luxemburger Mehlnocken mit Specksauce, oder Ossobuco, Rouladen, Chateaubriand usw.

Ihre "Kartoffel-Speck-Tarte" kommentiert Léa Linster so: "Auch wenn es manchmal ausweglos erscheint: Diese köstliche Tarte hilft, so manche Kluft zu überwinden." Es müssen übrigens nicht immer Wachteln oder Jakobsmuscheln sein. Falls jemandem das Objekt seiner/ihrer Begierde zwar lieb, aber nicht so teuer sein sollte, weiß "Avec Amour" auch hier Rat und offeriert wesentlich preiswerter die schon erwähnten Mehlnocken oder Buletten. Es kommt in jedem Falle zu einem köstlichen Zusammenspiel. Warum nur sind die leckeren Buletten, die schon Léas Mama servierte, nach Marie Antoinette benannt? Da gibt es wohl nur eine Antwort: Sie lassen einen den Kopf verlieren.

Auch ihr Rezept für eine preisgekrönte Spezialität, die sie noch heute in ihrem Restaurant in Frisange serviert, verrät die Meisterköchin: Lammrücken in Kartoffelkruste. Mit diesem perfekten Lammbraten hatte Linster als erste und bisher einzige Frau 1989 den berühmten Kochwettbewerb Bocuse d’Or gewonnen – damals eine junge Außenseiterin von 33 Jahren. In der männlich dominierten Spitzengastronomie kam ihr Sieg einer kleinen Revolution gleich.

Die herrlichen Gerichte für die Zweisamkeit, aber auch für gesellige Abende mit Freunden oder Familie sind unterteilt in die Kapitel "Herz-hafte Vorspeisen", "Delikate Liebes-Grüße" und "Süße Versuchung". Auch für Weihnachten, "zum Fest der Liebe", hält Leá Linster ein Gericht bereit, für das niemand stundenlang in der Küche stehen muss. Das "Weihnachtsschwein mit Ananas und Rosmarin" schmeckt garantiert auch zu anderen Gelegenheiten. Zur Beruhigung: Es handelt sich nicht um ein ganzes Schwein, sondern um ein Kotelettstück. Am Schluss des Buches gibt es etliche Seiten mit Grundrezepten, denn nicht nur wer liebt, sollte einige Grundlagen beherrschen, sondern auch wer kocht. Die reichen von geklärter Butter und Gemüsebrühe über diverse Fonds und Saucen bis zu Brötchen, Nudeln, Risotto und Eis.

Schnelle Rezepte sind hier eher in der Minderheit und die meisten sind recht anspruchsvoll. Gilt das nicht auch für die Liebe? Denn auch in der Liebe sollte man sich schließlich Zeit nehmen und gewisse Ansprüche haben. Da muss ich wohl nicht weiter ins Detail gehen.

Genuss für zwei: Hirsch mit geschmortem Apfel an Pfeffersauce.
Genuss für zwei: Hirsch mit geschmortem Apfel an Pfeffersauce.(Foto: ©Justyna Krzyzanowska)

Dennoch ist "Avec Amour" nicht nur ein Buch für Fortgeschrittene, sondern auch für (Koch-)Ungeübte, weil alle Rezeptschritte gut erläutert werden. Da werden verliebte Pärchen ebenso fündig wie routinierte Paare: Frisch Verliebten empfiehlt Léa Linster eher leichte Gerichte. "Das Menü soll so beschwingt daherkommen wie ein Liebesbrief. Ein voller Bauch studiert nicht gern, das weiß man ja. Und er küsst auch nicht gern! Wer noch etwas vorhat, isst also besser ein leichtes Lachsconfit mit Petersilienwurzelpüree – das liefert nebenbei all die guten Omegas, die man später noch braucht." Jene Paare, die schon fertig "studiert" haben, können sich Gehaltvolleres leisten; dazu eine Flasche Rotwein. "Oder auch zwei. ... Danach ist man so versöhnlich und liebevoll gestimmt, dass man die nächsten dreißig Ehejahre mit Vergnügen erwartet." Ein Kochbuch mit Hilfestellung in Liebesdingen also!

Nun frisch ans Werk – mit einem Rezept, das ganz toll in die Jahreszeit passt:

Hirsch mit geschmortem Apfel an Pfeffersauce von Léa Linster

Zubereitung:

Zutaten (2 Pers):

2 Knoblauchzehen
1 Zweig Thymian
300 g Hirschfilet
feines Meersalz
Pfeffer aus der Mühle
1 EL Erdnussöl
40 g Butter
1 Apfel
10 g Zucker
10–15 Wacholderbeeren
ca. 200 ml Pfeffersauce

Den Knoblauch schälen und halbieren, dabei den Keimling entfernen. Den Thymian waschen und trocken schütteln. Das Hirschfilet trocken tupfen, salzen und pfeffern. Das Erdnussöl in einer Pfanne erhitzen und das Fleisch zusammen mit Knoblauch und Thymian bis zum gewünschten Gargrad im Öl anbraten, das Filet dabei jede Minute drehen. Zum Schluss für eine schöne goldbraune Farbe die Hälfte der Butter zufügen. Warm halten.

Den Apfel schälen und mit einem Kugelausstecher beliebig große Kugeln herausstechen. Wer keinen Ausstecher besitzt, kann den Apfel auch in Würfel schneiden. Die restliche Butter zerlassen und den Zucker darin schmelzen, dann die Apfelstücke mit den Wacholderbeeren darin karamellisieren, bis sie weich sind.

Die Pfeffersauce inzwischen in einem kleinen Topf erhitzen. Das Fleisch längs in dünne Scheiben schneiden und auf Tellern anrichten. Mit Sauce beträufeln, mit geschmorten Äpfeln und Wacholderbeeren garnieren und servieren.

Viel Freude und Erfolg beim Ausprobieren wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Anmerkung: Die Pfeffersauce ist bei Léa Linster natürlich kein Fertigprodukt, sondern selbst gemacht. Das Rezept finden Sie in "Avec Amour" auf Seite 164. Die Sauce lässt sich gut vorbereiten und ist den Aufwand wert.

 

Quelle: n-tv.de

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