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"Zauberwort heißt: hybrid" Messechef setzt auf Schnelltests

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Die Corona-Pandemie macht der Deutschen Messe AG schwer zu schaffen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Kaum Konzerte, kaum Messen: Schon seit Monaten sind Veranstaltungen wegen der Corona-Krise tabu. Bevor es einen Impfstoff gibt, muss die Branche Events verschieben - oder sich neu erfinden. Den Chef der Deutschen Messe lässt im Podcast "Die Stunde Null" gerade die Aussicht auf Schnelltests hoffen.

Es gibt eine Branche, die seit März nahezu "Berufsverbot" hat und auch im Sommer gar nicht richtig neu starten konnte: die Messen- und Eventbranche. Bevor es keinen Impfstoff gibt, kann sie nur warten, verschieben, sich umbauen, neu erfinden - oder ums Überleben kämpfen.

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Jochen Köckler

(Foto: picture alliance/dpa)

Trotz massiver Umsatzeinbrüche von bis zu 80 Prozent in diesem Jahr verbreitet der Chef der Deutschen Messe AG in Hannover, Jochen Köckler, Optimismus - und setzt für die Hannover Messe eher auf Schnelltests als auf einen Impfstoff. "Alle Teilnehmer müssen sich testen lassen, ich setze schon darauf, dass wir das im April bekommen", sagt Köckler im Podcast "Die Stunde Null". Es gebe in der Industrie einen großen Wunsch, sich wiederzutreffen - selbst wenn nicht wie sonst 200.000 Besucher kommen. "Und am liebsten hätte ich so jemanden wie Elon Musk bei der Eröffnungsveranstaltung."

Philipp Westermeyer, der Gründer des OMR-Festivals, das im Mai in Hamburg normalerweise mehr als 50.000 Besucher anzieht, setzt eher auf eine Veranstaltung im September. "Im ersten Halbjahr ist das noch zu riskant, darauf zu wetten, im zweiten Halbjahr habe ich einen gewissen Optimismus." Auch er würde möglicherweise Schnelltests beim Eingang durchführen. "Im Jargon spricht man von einer Negativblase", sagte er.

Beide Veranstalter haben ihre Produkte umgebaut. "Das Zauberwort heißt hybrid", sagte Köckler. "Es gibt Aussteller, die mit Schutzkonzept wie immer in die Halle kommen. Und es gibt diejenigen, denen wir ein digitales Angebot machen." Schon jetzt zeichne sich ab: "Der inhabergeführte Mittelstand will nach Hannover." Allerdings: "Natürlich gibt es keine Partys, keine großen Empfänge, sondern nur den Kern." Gleichwohl müsse auch die Deutsche Messe wie alle Veranstalter ums Überleben kämpfen "Ich gucke jetzt seit acht Monaten auf das größte ebenerdige Messegelände der Welt, das quasi leer ist", sagte Köckler.

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Philipp Westermeyer

(Foto: picture alliance / Axel Heimken/)

Westermeyer hat bereits Elemente des OMR-Angebots, das sich vor allem auf digitales Marketing und technologische Trends konzentriert, digitalisiert - zum Beispiel die "Masterclasses", das sind Workshops zu einem Spezialthema. Für Kunden, die sich normalerweise auf der Messe über Software informieren, hat er eine "Software Review Plattform" aufgebaut - wo schon jetzt 4000 B2B-Nutzer die Anwendung bewerten. Für OMR sei es bei digitalen Events immer wichtig, sich zu unterscheiden: "Wir müssen sehr aufpassen, dass wir anders sind als die ganzen Webinare, die jetzt jede x-beliebige Steuerkanzlei anbietet", sagte Westermeyer. "Da sitzt man im Zoom-Call mit irgendeinem Experten. Das sind wir halt nicht. Wir haben eine Marke zu verteidigen, wir haben eine gewisse Magie."

Es geht insgesamt um viel: Rund 60 Prozent der global führenden Messen finden in Deutschland statt. Pro Jahr werden rund 170 internationale und nationale Messen mit etwa 185.000 Ausstellern und rund zehn Millionen Besuchern in Deutschland durchgeführt.

Hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null"

  • Was sich hinter dem neuen Technologie H’up der Deutschen Messe verbirgt
  • Welche Frage Jochen Köckler am liebsten einmal Philipp Westermeyer stellen würde
  • Wie beide den Markt für Messen und Events in den kommenden Jahren sehen

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Quelle: ntv.de