Einstiger Pionier im Abseits: In Osnabrück endet eine deutsche Auto-Ära
Das Ende der Autoproduktion im VW-Werk in Osnabrück ist besiegelt.Bild 1 von 29 | Foto: picture alliance / osnapixDer Konzern will sich komplett aus dem Standort zurückziehen, wie jetzt bekannt gegeben wurde. Ein Investorenkonsortium soll ihn übernehmen und der israelische Rüstungskonzern Rafael hier künftig Teile des Raketenabwehrsystems Iron Dome herstellen.Bild 2 von 29 | Foto: IMAGO/Swaantje HehmannZuletzt bauten in Osnabrück noch etwa 2000 Mitarbeiter die Cabrio-Version des T-Roc. Damit fristete das kleinste Volkswagen-Fahrzeugwerk in Deutschland nur noch ein Nischendasein im weltumspannenden Autokonzern.Bild 3 von 29 | Foto: picture alliance / CHROMORANGEMit dieser letzten Kleinserie endet in Osnabrück eine lange Tradition.Bild 4 von 29 | Foto: IMAGO/Swaantje HehmannIn Osnabrück wurden schon Autos gebaut, als in Wolfsburg auf dem Gebiet des späteren VW-Stammwerks noch Landwirtschaft betrieben wurde.Bild 5 von 29 | Foto: imago/Arkivi1901 übernahm der Stellmacher-Meister Wilhelm Karmann in der Osnabrücker Innenstadt eine Wagenbau-Werkstatt. Schon bald begann er, neben Kutschen auch Karosserien für die neuen Automobile herzustellen, ...Bild 6 von 29 | Foto: picture alliance / epd-bild... etwa für die damaligen Dürkopp-Werke in Bielefeld.Bild 7 von 29 | Foto: picture alliance / imageBROKERIn der Anfangszeit waren die Stückzahlen noch winzig, die Karosserien waren wie die der Kutschen Einzelanfertigungen aus Holz. In den 20er Jahren übernahm Wilhelm Karmann moderne Fertigungstechniken aus den USA und nahm neue Werkshallen für die Serienproduktion in Betrieb.Bild 8 von 29 | Foto: IMAGO/piemagsNach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Karmann auf die Arbeit an Militärfahrzeugen und Flugzeugteilen umgestellt hatte, begann die Zusammenarbeit mit Volkswagen. 1949 bekam Karmann den ersten Auftrag für 1000 VW-Käfer-Cabrios. Im Laufe der kommenden drei Jahrzehnte stellte Karmann mehr als 2,5 Millionen Autos allein für Volkswagen her.Bild 9 von 29 | Foto: picture-alliance / dpaAls sogenannter Auftragsfertiger wurden die Osnabrücker zum Cabrio-Spezialisten für Volkswagen. Zum Käfer kamen später unter anderem die offenen Varianten des Golfs und des Scirocco.Bild 10 von 29 | Foto: picture alliance / dpaNicht nur aus Wolfsburg bekam Karmann Aufträge. In Osnabrück und später in Werken, die Karmann in der Nachbarstadt Rheine und in Brasilien baute, wurden auch Autos für Mercedes, BMW, Porsche und Audi hergestellt. In seiner Hochzeit expandiert das Unternehme auch in die USA, nach Mexiko und Japan.Bild 11 von 29 | Foto: picture-alliance / dpaAuch ausländische Marken ließen in Osnabrück produzieren: Ford beispielsweise den Escort, Chrysler den Crossfire und KIA in den 1990er Jahren das SUV Sportage.Bild 12 von 29 | Foto: picture-alliance / dpaDabei nutzten die Hersteller Osnabrück nicht nur, um den deutschen und europäischen Markt zu bedienen. Hier werden KIA-Neuwagen aus Niedersachsen für den Export nach Taiwan verladen.Bild 13 von 29 | Foto: picture-alliance / dpaIn Osnabrück wurden allerdings nicht nur Autos im Auftrag der großen Markenhersteller gebaut, sondern auch entwickelt. Die Ingenieure von Karman waren unter anderem an der Entwicklung von Modellreihen für VW, Mercedes beteiligt.Bild 14 von 29 | Foto: picture-alliance/ dpaDoch Karmann produzierte nicht nur unter fremdem Namen. Im Jahr 1955 bringt das Unternehmen ein VW-Modell unter eigenem Namen auf den Markt: den Karmann Ghia.Bild 15 von 29 | Foto: picture alliance / SZ PhotoUnter der Osnabrücker Karosserie steckt in einer kleineren Version der Motor und das Fahrwerk eines Käfers, in einer etwas größeren Version das des VW Typ 3.Bild 16 von 29 | Foto: picture alliance/dpaDer Karmann Ghia wird zum großen Erfolg, nicht der VW-Technik wegen, sondern wegen des Designs, entworfen im Auftrag Wilhelm Karmanns vom italienischen Designbüro Ghia.Bild 17 von 29 | Foto: picture alliance / dpaTrotz seines eleganten Aussehens ist der Karmann Ghia selbst für die damalige Zeit mit seiner Leistung von anfänglich 30 PS nicht gerade sportlich. Er wird als "Hausfrauen-Porsche" oder "Schaf im Wolfspelz" verspottet – und für sein Design bis heute geliebt.Bild 18 von 29 | Foto: picture-alliance/ dpa/dpawebDie letzten Karmann Ghia laufen 1974 vom Band.Bild 19 von 29 | Foto: picture alliance / dpaFür die großen Hersteller montiert Karmann weiter erfolgreich vor allem kleinere Serien, deren Stückzahlen für deren Riesenwerke zu niedrig sind – nicht nur, aber vor allem Cabrios.Bild 20 von 29 | Foto: picture-alliance / dpaDaneben treibt Karmann Innovationen voran. In Osnabrück wird gemeinsam mit dem Energieversorger EWE eines der ersten batteriebetriebenen Autos entwickelt, das auch als Stromspeicher für sogenanntes bidirektionales Laden dienen kann. 2009 ist Karmann mit der Vorstellung des E3 seiner Zeit weit voraus.Bild 21 von 29 | Foto: picture-alliance/ dpaSeit der Jahrtausendwende lässt das Interesse der großen Autokonzerne an der Fremdfertigung ihrer Fahrzeuge allerdings nach. Als letzter markenunabhängiger muss Karmann noch 2009 Insolvenz anmelden.Bild 22 von 29 | Foto: picture alliance / CaroDas Ende des Unternehmens Karmann ist allerdings nicht das Ende der Produktion in Osnabrück. Großkunde VW übernimmt das traditionsreiche Stammwerk des Familienunternehmens.Bild 23 von 29 | Foto: picture-alliance/ dpaHinter dem Deal steckt weniger Begeisterung des VW-Managements für den nach Konzernmaßstäben vergleichsweise kleinen Standort als ein Wunsch der Politik. Das Land Niedersachsen hat als Großaktionär Einfluss auf Volkswagen und das Karmann-Werk in Osnabrück liegt im Wahlkreis des damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff.Bild 24 von 29 | Foto: picture-alliance/ dpa/dpawebVW übernimmt die Fahrzeugfertigung, die Entwicklungssparte sowie das Presswerk und den Anlagenbau. Andere Konzernteile werden verkauft oder geschlossen.Bild 25 von 29 | Foto: picture alliance / SvenSimonVolkswagen setzt vor allem auf die Cabrio-Kompetenz in Osnabrück. Hier werden das Golf-Cabrio und später auch die offenen Versionen des Porsche Boxster und Cayman gebaut.Bild 26 von 29 | Foto: picture alliance / dpaSeit im VW-Konzern über Kapazitätsabbau und Werkschließungen in Reaktion auf sinkende Verkaufszahlen gesprochen wird, wird auch über die Zukunft des Standorts Osnabrück spekuliert.Bild 27 von 29 | Foto: picture alliance/dpaSeit Ende 2024 ist bekannt, dass die Produktion für VW in Osnabrück im Sommer 2027 auslaufen soll. Gleichzeitig ist vage von der Suche nach möglichen Alternativen die Rede.Bild 28 von 29 | Foto: picture alliance/dpaNun ist es offiziell: Volkswagen wird das Osnabrücker Werk verkaufen. Wieder ist das Land Niedersachsen beteiligt. Diesmal gemeinsam mit einem israelischen Investor. Der Standort soll für die Verteidigungsindustrie umgerüstet werden. Erster Auftraggeber für das Werk soll der Iron-Dome-Hersteller Rafael aus Israel werden. Die meisten Arbeitsplätze sollen erhalten werden, die Geschichte des Autobaus in Osnabrück ist damit allerdings nach 125 Jahren wohl abgeschlossen.Bild 29 von 29 | Foto: IMAGO/Swaantje Hehmann