Panorama

Hassverbrechen an Behinderten19-facher Mörder erhält in Japan Todesstrafe

16.03.2020, 15:13 Uhr
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Auch nach seiner Festnahme zeigte der Täter keinerlei Reue. (Foto: REUTERS)

2016 wird Japan von einem grausamen Verbrechen erschüttert: Offenbar aus Hass auf Menschen mit Behinderung ersticht ein junger Mann 19 Bewohner eines Behindertenheims. Die Tat kündigt er zuvor sogar mehrfach an. Nun wird er zum Tod durch den Strang verurteilt.

Fast vier Jahre nach dem Mord an 19 Menschen in einem Behindertenheim ist in Japan der Täter zum Tode verurteilt worden. Ein Gericht in Yokohama sprach den 30-jährigen Angeklagten schuldig, im Juli 2016 in dem Heim in Sagamihara nahe Tokio 19 Menschen erstochen und 26 weitere verletzt zu haben. Es war eine der schwersten Bluttaten in Japans jüngerer Geschichte; das Verbrechen hatte das Land geschockt.

Der Beschuldigte, der in der Einrichtung angestellt war, hatte die Tat nicht bestritten. Seine Verteidiger hatten auf nicht schuldig plädiert und argumentiert, ihr Mandant habe aufgrund seines Marihuana-Konsums psychische Probleme. Der Vorsitzende Richter Kiyoshi Aonuma wies die Argumentation der Verteidigung jedoch zurück. "19 Menschen wurde das Leben genommen. Das ist sehr schwerwiegend", sagte der Richter. Der 30-Jährige habe einen "extremen Willen zu töten" gehabt. "Es gibt keinen Platz für mildernde Umstände."

Bei seinem Urteil hatte das Gericht nach eigenen Angaben berücksichtigt, dass der 30-Jährige vor der Gewalttat nicht straffällig geworden war. Dennoch sei die Todesstrafe verhängt worden. Diese wird in Japan durch den Strang vollstreckt.

Der Angeklagte hatte vor dem Urteil gesagt, er werde dieses nicht anfechten, auch wenn er die Todesstrafe nicht verdiene. In Interviews aus dem Gefängnis äußerte er keine Reue, sondern vielmehr Hass auf Behinderte. Er habe die Tat zum "Wohl der Gesellschaft" verübt, sagte er beispielsweise der Nachrichtenagentur Jiji. Bei der Urteilsverkündung zeigte er keine Regung.

Arzt sah keine Bedrohung in Täter

Der heute 30-Jährige war im Juli 2016 nachts in das Heim für geistig behinderte Menschen eingedrungen und hatte Zimmer für Zimmer auf die dort lebenden Bewohner eingestochen. 19 Menschen starben, 26 überlebten zum Teil schwer verletzt. Der junge Mann stellte sich daraufhin der Polizei und übergab den Beamten das blutverschmierte Messer.

Er hatte seine Tat im Vorhinein angekündigt und unter anderem einen Brief an das japanische Parlament geschrieben, in dem er damit drohte, Hunderte Behinderte zu töten. Er nannte als mögliches Ziel dabei auch die Einrichtung in Sagamihara. Nachdem er seinen dortigen Kollegen anvertraut hatte, Menschen in dem Heim töten zu wollen, wurde er vor der Tat zwangsweise in eine Klinik eingeliefert. Ein Arzt sah jedoch keine Bedrohung in ihm und ordnete seine Entlassung an.

Das Urteil gegen den jungen Mann wurde in Japan mit Spannung erwartet. Einem Gerichtssprecher zufolge standen mehr als 1600 Menschen vor dem Gericht an, um einen der wegen der Corona-Krise deutlich reduzierten zehn Sitzplätze für Besucher zu ergattern.

Die Angehörigen nahmen das Urteil mit Erleichterung auf. Der Richter habe die Strafe verhängt, die sich die Familien erhofft hätten, sagte Takashi Ono, dessen Sohn durch die Attacke schwer verletzt wurde. Die Mutter einer getöteten 19-Jährigen sagte, selbst die schwerste Strafe sei noch "zu milde" für den Täter. "Ich werde Ihnen nie verzeihen", sagte sie vor der Verkündung dem Sender NHK an den 30-Jährigen gerichtet.

Quelle: ntv.de, ftü/AFP

Mord und TotschlagJapan