Panorama

Hinweise auf Hassverbrechen 20 Menschen in Einkaufszentrum erschossen

In einem Einkaufszentrum in El Paso fallen Schüsse. In den ersten Stunden ist die Lage unübersichtlich. Inzwischen hat die Polizei einen jungen Mann verhaftet. Der mutmaßliche Täter hat 20 Menschen getötet. US-Präsident Trump zeigt sich entsetzt.

Bei einer Schießerei in einem Einkaufszentrum im texanischen El Paso sind 20 Menschen gestorben. 26 weitere wurden teilweise schwer verletzt. Der Gouverneur des US-Bundesstaates, Greg Abbott, sprach von "einem der schlimmsten Tage in der Geschichte von Texas".

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Lange war die Lage am Samstag unübersichtlich. Die ersten Notrufe gingen nach Angaben der Polizei um 10.39 Uhr Ortszeit ein. Sechs Minuten später seien Beamte vor Ort gewesen. Via Twitter wurde die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich von dem Einkaufszentrum fernzuhalten. Das Szenario am Tatort sei "schrecklich" gewesen, sagte El Pasos Polizeichef Greg Allen. Zunächst war offen, ob es sich um einen Einzeltäter oder mehrere Schützen handelte. Inzwischen schließt die Polizei aus, dass noch eine zweite Person geschossen hat. Auch über die Opferzahlen gab es erst nach Stunden Gewissheit. Der Vize-Gouverneur von Texas, Dan Patrick, hatte zunächst von "10 bis 15 Opfern" gesprochen.

Der Täter war nach Angaben der Staatsanwaltschaft mit einem Gewehr bewaffnet und schoss vor allem in einer Kaufhalle von Walmart um sich. Die Polizei konnte ihn lebend festnehmen. Staatsanwalt Ken Paxton sagte, der Schütze sei ein 21-jähriger Weißer aus der Nähe von Dallas. Sein Wohnort ist damit rund 1000 Kilometer von El Paso entfernt, das an der Grenze zu Mexiko liegt. Der Mann wird derzeit vernommen. Polizeichef Allen ergänzte, es sei ein Schriftstück sichergestellt worden. Das Online-Manifest deute auf ein Verbrechen aus Hass hin. So sei von einer "hispanischen Invasion" die Rede. Der Autor äußerte außerdem die Erwartung, dass er bei dem Amoklauf getötet werde. Nach mexikanischen Angaben starben drei Mexikaner bei der Tat, sechs wurden verletzt.

Zeugin sah Mann mit Gewehr

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Die Polizei befragte Zeugen.

(Foto: dpa)

Eine Frau, die zum Einkaufen kam, sagte "Fox News", sie habe bei der Parkplatzsuche so etwas wie ein "sehr lautes Feuerwerk" gehört. Als sie sich dann Richtung Ausfahrt gewandt habe, habe sie einen Mann in schwarzem T-Shirt und Hose mit Tarnmuster gesehen, der offenbar ein Gewehr getragen habe. "Er nahm die Menschen ins Visier und schoss direkt auf sie", berichtete die Frau, deren Name nur mit Vanessa angegeben wurde. "Ich habe drei oder vier zu Boden fallen sehen." Ein anderer Augenzeuge berichtete auf Fox News, er habe auf dem Parkplatz Verletzten geholfen. "Leider haben wir einen Mann verloren."

Als der Amoklauf begann, soll das Einkaufszentrum voll mit Menschen gewesen sein, die Polizei spricht von 1000 bis 3000 Besuchern. Laut dem Sender CNN hätten viele Familien in dem Walmart für den bevorstehenden Beginn des neuen Schuljahres eingekauft. Auch rund 100 Walmart-Mitarbeiter seien in dem Supermarkt gewesen. Zeugen berichten, der Schütze habe wahllos um sich gefeuert. Das örtliche Krankenhaus behandelte männliche und weibliche Opfer zwischen 2 und 82 Jahren. 

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Viele Bürger kamen dem Aufruf zum Blutspenden nach.

(Foto: dpa)

Die Polizei rief die Menschen in El Paso dazu auf, Blut zu spenden. Hunderte folgten dem Appell, vor den Spendeneinrichtungen gab es Schlangen. "Jetzt ist es an der Zeit für Texaner, zusammenzukommen und sich gegenseitig zu unterstützen", sagte Gouverneur Abbott. Er sprach von einer "abscheulichen" Gewalttat.

Tabitha Estrada, Mitarbeiterin eines Ladens in dem Einkaufszentrum, sagte CNN, sie habe sich mit Kunden im hinteren Teil des Geschäfts versteckt. Viele ihrer Kunden seien aus Mexiko gewesen. "Es ist surreal, dass das in unserer Stadt passiert, weil ich El Paso nie als einen hasserfüllten Ort kennengelernt habe." Sie fügte hinzu, erst vor rund einem Monat habe die Polizei in dem Einkaufszentrum eine Übung für einen möglichen Amokschützen abgehalten.

Trump spricht von "Akt der Feigheit"

US-Präsident Donald Trump nannte die "hasserfüllte Tat" nicht nur tragisch, "es war ein Akt der Feigheit". Es gebe keine Rechtfertigung dafür, unschuldige Menschen zu töten, schrieb er auf Twitter. Trump sagte dem Gouverneur von Texas die volle Unterstützung der Regierung in Washington zu. "Gott sei mit Euch allen!", fügte er hinzu. Trump wurde nach Angaben des Weißen Hauses laufend über die Lage vor Ort unterrichtet.

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Kritiker werfen Trump vor, mit seinen Äußerungen Rassismus zu befeuern. Zuletzt sah er sich wegen persönlicher Angriffe auf einen schwarzen Abgeordneten der Demokraten Rassismusvorwürfen ausgesetzt. Regelmäßig greift der republikanische Präsident auch Migranten aus Lateinamerika an, die auf illegalem Wege in die USA kommen wollen.

In den Vereinigten Staaten kommt es immer wieder vor, dass in Einkaufszentren, an anderen öffentlichen Orten oder auch in Schulen, Menschen durch Schüsse getötet werden. Bemühungen für schärfere Waffengesetze laufen seit Jahren ins Leere - vor allem, weil Trumps Republikaner dagegen sind. Die mächtige Waffenlobbyorganisation NRA bekämpft vehement jeden Versuch, Waffenbesitz stärker zu regulieren. Auch Trump ist dezidiert gegen eine Einschränkung des in der US-Verfassung verankerten Rechts auf Waffenbesitz.

Erst am Dienstag waren zwei Menschen im Bundesstaat Mississippi in einem Walmart durch Schüsse getötet worden. Am Sonntag vergangener Woche hatte ein 19-Jähriger während eines Festivals in der Kleinstadt Gilroy in Nordkalifornien das Feuer eröffnet und drei Menschen getötet. Der Schütze richtete sich nach der Tat selbst. Im texanischen Sutherland Springs waren im November 2017 26 Menschen getötet worden, als ein Schütze in einer Kirche das Feuer eröffnete. Der 26 Jahre alte Täter erschoss sich anschließend selbst.

Quelle: n-tv.de, ino/jki/AFP/dpa/rts

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