Panorama
Sonntag, 03. Juli 2005

"Lebenslang liebenswürdig": 600.000 beim CSD in Köln

Männer in rosa Matrosenanzügen, schillernde Drag-Queens und tausende wehende Regenbogenfahnen: Mit einer bunten Parade haben am Sonntag in Köln rund 600000 Besucher Europas größten Christopher Street Day (CSD) gefeiert. Unter dem Motto "Lebenslang liebenswürdig" stellten die rund 32000 Teilnehmer der schwul-lesbischen Demonstration in diesem Jahr die Probleme homosexueller Senioren in den Mittelpunkt.

Bundesaußenminister Joschka Fischer (Die Grünen) forderte bei einer Rede auf dem Kölner Heumarkt mehr Gleichberechtigung für Lesben und Schwule in Europa. "Wir werden dafür sorgen, dass die in Deutschland geltenden Grundsätze überall in Europa Anwendung finden", sagte Fischer. Es dürfe keine Diskriminierung entlang der sexuellen Orientierung geben. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck sagte, er wolle sich für ein volles Adoptionsrecht und Gleichheit im Steuerrecht für Lesben und Schwule einsetzen. "Wir wollen 1:1 die Rechte, die auch Heterosexuelle haben."

Angeführt wurde der lange Zug durch die Kölner Innenstadt von der schwulen Seniorengruppe "Golden Gays". "Es bedarf einer speziellen Seniorenarbeit, da ältere Lesben und Schwule etwa in Pflegeheimen oft auf starke Kritik ihrer Altersgenossen stoßen", erläuterte Paraden-Vorstand Ralf Wandelt. Zudem fühlten sich viele wegen des "Jugendwahns der Szene" ausgeschlossen. "Wir wollen, dass ältere Schwule wieder stärker wahrgenommen werden, viele von uns leiden an zunehmender Isolation", sagte ein 63-Jähriger.



Die Parade, die an eine erste große Demonstration von Homosexuellen im Juni 1969 in der Christopher Street in New York erinnert, machte den sich dicht am Straßenrand drängenden und immer wieder laut jubelnden Besuchern deutlich, dass mittlerweile ein breites Angebot für Schwule und Lesben existiert. Von der Vereinigung lesbischer Mütter über den schwulen Bowling-Verein bis hin zur munter in Matrosenkostümen aufspielenden Gardetruppe "Colonia Ahoj" reichte die Palette der Teilnehmergruppen in dem als Homosexuellen-Hochburg bekannten Köln.

Auch viele Unternehmen haben die schwul-lesbische Gemeinschaft als Zielgruppe entdeckt und nutzten die Parade zur Eigenwerbung. Ein Kölner Autohersteller präsentierte sich als homosexuellenfreundlicher Arbeitgeber, ein Billigfluganbieter warb mit Kondomen für sichere Höhenflüge und ein Zigaretten-Unternehmen blickte auf einem Festwagen mit einer inszenierten "Goldenen Gay-Hochzeit" schon mal in die Zukunft.

Der Christopher Street Day wird mittlerweile in vielen deutschen und europäischen Großstädten gefeiert. Köln gilt nach Angaben der Veranstalter als Europas erster und größter CSD. Die Polizei sprach von einem "rundum friedlichen Verlauf".

Quelle: n-tv.de