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Jeder fünfte Rentner regelmäßig im Vollrausch Alkoholmissbrauch im Alter nimmt zu

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Alkoholmissbrauch im Alter wird oft unterschätzt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Über den bedenklichen Alkoholkonsum junger Menschen wird oft berichtet. Dagegen ist der Umgang mit Schnaps und Co. im Alter kaum ein Thema. Doch das riskante Trinken in der Altersgruppe 65 plus nimmt laut einer Studie rapide zu.

Mehr als 20 Prozent der Männer und rund acht Prozent der Frauen zwischen 65 und 79 Jahren betrinken sich regelmäßig bis zur Besinnungslosigkeit, wie das Bundesgesundheitsministerium unter Berufung auf eine Studie des Robert-Koch Instituts in Berlin mitteilte. Angesichts dieser weit verbreiteten Suchtprobleme bei Senioren hat sich die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans von der FDP für mehr Hilfe und Vorbeugung ausgesprochen. "Wir müssen Wege finden, wie wir diese Menschen besser mit präventiven Maßnahmen und Hilfsangeboten erreichen", sagte die Politikerin.

Gegenüber dem relativ häufig thematisierten "Koma-Saufen" von Jugendlichen herrscht in der Öffentlichkeit beim übermäßigen Alkoholkonsum von älteren Semestern ein geringes Problembewusstsein. Zwar nimmt im Allgemeinen mit steigendem Alter der Bevölkerungsanteil mit riskantem Konsumverhalten ab, doch bedenklich viel Alkohol trinken immer noch 34 Prozent der Männer und 18 Prozent der Frauen in diesem Alter. Und auch Medikamentensucht ist unter Senioren ein weit  verbreitetes Problem. Bei Frauen ab 60 Jahren steigt der regelmäßige Konsum beruhigender und schmerzstillender Medikamente auf mehr als 11 Prozent.

Anlässlich einer Tagung zum Thema sagte Dyckmans, solche Mittel erhöhten die Gefahr von Stürzen und Verletzungen. Auch würden ältere Menschen Alkohol aufgrund des verlangsamten Stoffwechsels generell schlechter vertragen als jüngere. Grund für den Hang zum Rausch im Alter seien oft gravierende Veränderungen der Lebensbedingungen, wie beispielsweise das Ausscheiden aus dem Arbeitsleben, eine schwere Erkrankung oder der Tod eines Partners.

Ärzte, Apotheker, Krankenkassen, Kommunen und Kirchen müssten die Betroffenen verstärkt auf dieses Thema ansprechen. Zudem missbrauchten schätzungsweise 14 Prozent der älteren Menschen, die ambulant oder in Heimen betreut würden, Alkohol oder Medikamente. Hier müsse das Pflegepersonal stärker darauf achten.

In allen Altersgruppen steigt die Zahl der Menschen, die mit einer akuten Alkoholintoxikation im Krankenhaus stationär behandelt werden müssen. Im Jahr 2011 standen "Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol" auf Platz drei der häufigsten Krankenhaus-Befunde.

Quelle: n-tv.de, bwe/dpa

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