Panorama

Zehntausende Leser getäuscht Angeblich jüdische Bloggerin ist Betrügerin

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Die 31-jährige Hingst ist promovierte Historikerin.

(Foto: Trinity College Dublin)

Rund 240.000 regelmäßige Leser soll ihr Blog zuletzt gehabt haben, doch nun ist es offline. Die Betreiberin gab sich als Nachfahrin jüdischer Holocaust-Opfer aus. Jetzt ist sie als Betrügerin entlarvt worden.

Mit erfundenen Geschichten über angebliche jüdische Vorfahren soll die deutsche Bloggerin Marie Sophie Hingst ihre Leser und das Archiv der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem getäuscht haben. Das berichtet der "Spiegel" auf seiner Homepage. Recherchen einer misstrauischen Leserin und des Stadtarchivs Stralsund überführten die Hochstaplerin demnach. Hingst hatte behauptet, ihre Verwandten hätten in der Ostsee-Stadt gelebt.

Die in Dublin lebende 31-Jährige soll 22 gefälschte "Opferbögen" in Yad Vashem eingereicht haben. Diese sollen den Eindruck erwecken, dass große Teile ihrer Familie während der NS-Zeit ermordet wurden. Dabei stammte die promovierte Historikerin aus einer evangelischen Familie, wie das Stadtarchiv Stralsund mit Unterlagen belegt. Zudem sollen von den angeblichen Holocaust-Opfern nur drei Personen wirklich existiert haben.

Angesichts immer wieder auftretender Widersprüche und Ungereimtheiten hätten schließlich aufmerksame Leser Verdacht geschöpft. Die Brandenburger Historikerin Gabriele Bergner aus Teltow bei Berlin sei als eine der ersten misstrauisch geworden. Sie habe sich mit "einem kleinen Team von Rechercheuren" über Hingsts "Hirngespinste" ausgetauscht.

Mehrfache Auszeichnungen

Wie der "Spiegel" berichtet, sollen auch Geschichten über eine gegründete Slum-Klinik in Indien sowie die Beratung syrischer Flüchtlinge in Deutschland nicht der Wahrheit entsprechen. Auch diese Erzählungen machten Bergner misstrauisch, zumal Fotos sowie genaue Zeit- und Ortsangaben gefehlt hätten. Schließlich habe sich die Historikerin an den "Spiegel" gewandt. Als dieser die Bloggerin mit den Vorwürfen konfrontierte, habe sie über ihren Anwalt mitteilen lassen, es handele sich bei ihren Texten um Literatur, nicht um Journalismus.

Hingst ist in der Blogger-Szene bekannt. 2017 wurde sie nach "Spiegel"-Angaben beim Preis "Die Goldenen Blogger" in der Kategorie "Blogger des Jahres" ausgezeichnet. Ein Jahr später bekam sie einen Preis der "Financial Times". Im März hatte sie einen Bildband veröffentlicht: "Kunstgeschichte als Brotbelag" - darin wurden berühmte Gemälde als Brotbelag nachgestellt. Ihr Blog soll zuletzt rund 240.000 regelmäßige Leser gehabt haben. Mittlerweile ist es nicht mehr erreichbar.

Quelle: n-tv.de, jpe/vpe

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