Panorama

Mit Axt, Messern und Molotowcocktails Anschlag auf Schule in Ansbach

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(Foto: dpa)

Mit einer Axt und Molotow-Cocktails ist ein Gymnasiast an seiner Schule Amok gelaufen. Obwohl die Polizei ihn mit mehreren Schüssen stoppen konnte, verletzte er acht Mitschüler und einen Lehrer. Von der Vernehmung des bislang einzigen überlebenden Amokläufers erhoffen sich Kriminologen Aufschluss über dessen Motiv.

Eine Elftklässlerin schwebte in Lebensgefahr, nachdem ihr der Täter mit der Axt auf den Kopf geschlagen hatte. Zudem erlitt eine Neuntklässlerin schwere Brandwunden, als der bewaffnete Jugendliche zwei Brandsätze in Klassenräume warf. Polizisten stoppten den Täter schließlich mit fünf Schüssen aus einer Maschinenpistole und verletzten ihn schwer. Die Staatsanwaltschaft beantragte Haftbefehl wegen versuchten Mordes gegen den 18-Jährigen. In seinem Zimmer hätten die Ermittler Briefe gefunden, in denen von einer bevorstehenden Apokalypse die Rede war, berichtete der Bayerische Rundfunk.

Schüler ergriffen die Initiative

Der in Ansbach lebende Schüler war am Morgen mit einer Axt, Messern und drei Molotow-Cocktails bewaffnet in das im 16. Jahrhundert gegründete Gymnasium Carolinum gestürmt, das zu den ältesten Schulen Deutschlands zählt. Jeweils einen Brandsatz warf der 18-Jährige in eine 9. und eine 11. Klasse im dritten Stock; es brach aber nur in einem Raum Feuer aus. Nach der Attacke rannten zwei Schüler ins Direktorat und alarmierten die Schulleitung, die die Polizei rief. Ein Schüler der 13. Klasse setzte einen Notruf ab und begann mit den Löscharbeiten. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an, zahlreiche Mannschaftswagen rasten zum Einsatzort.

Täter von fünf Kugeln getroffen

Elf Minuten nach dem ersten Notruf, um 8.46 Uhr, wurde der Täter in der Toilette der Schule überwältigt. Weil er sich nicht sofort ergab, eröffneten eine Polizistin und ihr Kollege das Feuer. Der 18-Jährige wurde von fünf Kugeln in den Körper getroffen und später in einer Klinik operiert. "Es gelang mit dem schnellen Einsatz, eine schlimmere Eskalation zu verhindern", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Er bezeichnete den Zustand des Täters als kritisch. Der junge Mann hatte keine Vorstrafen und war der Polizei bis dahin unbekannt.

Erfurt und Winnenden bieten Hilfe an

Nach Angaben von Schulleiter Franz Stark trugen Lehrer nach der Attacke die Verletzten aus der Schule. Die meisten der vom Feueralarm auf den Schulhof geholten Jugendlichen hätten zuerst an eine Übung geglaubt, berichtete Stark sichtlich bewegt. "Es fällt mir schwer, dazu Stellung zu nehmen." Der Unterricht am Freitag wurde abgesagt. Die Schüler sollen aber Gelegenheit erhalten, mit Fachleuten über das Erlebte zu sprechen. Thüringen und Baden-Württemberg boten nach ihren Erfahrungen mit den Amokläufen in Erfurt und Winnenden ihre Hilfe an. Die Stadt Ansbach richtete zudem ein Seelsorgetelefon ein.

Die verletzten Schüler wurden zunächst in der Turnhalle untergebracht. Seelsorger und Psychologen betreuten in der nahe gelegenen Arbeitsagentur auch die übrigen Kinder und Jugendlichen. "Die Schüler helfen sich gegenseitig vorbildlich", berichtete Oberbürgermeisterin Carda Seidel (parteilos).

Feueralarm lotst Schüler ins Freie

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(Foto: AP)

Kritik äußerten hingegen Schülerinnen im lokalen Hörfunksender "Radio 8": Das Gymnasium verfüge nicht wie andere Schulen über einen speziellen Amokalarm. "Wir haben nicht mal eine Sprechanlage, nur so ein Feueralarmteil, diese Glocke", sagte ein Mädchen. Eine andere Schülerin unterstrich: "Wir waren total ahnungslos." Innenminister Herrmann verteidigte hingegen das Auslösen des Feueralarms, auch wenn die Schüler dadurch ins Freie geholt wurden, statt sich in ihren Klassenräumen zu verbarrikadieren.

"So etwas lässt sich nicht vermeiden: Eine Schule ist kein Hochsicherheitstrakt", betonte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). Deshalb müsse es Präventionsmaßnahmen geben. Das Motiv des Täters blieb zunächst im Dunkeln. Amokläufer werden häufig von einer "Mischung aus kalter Wut und Verzweiflung" getrieben, sagte der Kriminalpsychologe Jens Hoffmann der dpa. "Wir sehen in solchen Fällen immer wieder Zurückweisungen von Mädchen und persönliche Krisen."

Täter könnte Aufschluss geben

Der niedersächsische Kriminologe Christian Pfeiffer hofft nun, dass die Vernehmung des Jungen Aufschluss über die Motive von Amokläufern gibt: "Das ist der erste überlebende Amokläufer, an den ich mich überhaupt erinnern kann", sagte der Wissenschaftler bei n-tv. "Er hat die Chance, uns Auskunft zu geben, was in ihm vorgegangen ist." Die bayerische Polizei habe "offensichtlich alles richtig gemacht": "Sie waren ungeheuer schnell da und haben den Täter kampfunfähig geschossen, ohne ihn zu töten."

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Die Schule ins Ansbach wurde von Einsatzkräften durchkämmt.

(Foto: dpa)

Die bayerischen Lehrer forderten mehr Sicherheit an den Schulen. Sicherheitsaspekte sollten beim Bau neuer Schulen oder bei Umbauten stärker berücksichtigt werden, verlangte der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände (ABL), Walter Fronczek.

Am Dienstag hatte in Bayern das neue Schuljahr begonnen. Das Carolinum mit seinen 650 Schülern ist das zweitälteste Gymnasium Bayerns. Gegründet wurde es im Jahr 1528. 1736 zog die Schule in das noch heute genutzte Gebäude mit seinem trutzigen Turm.

Quelle: n-tv.de, dpa

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