Panorama

Fluggesellschaft dementiertAnwälte pfänden Ryanair-Flugzeug wegen 355 Euro

10.03.2026, 15:17 Uhr
00:00 / 03:34
05-03-2026-xjrdrx-WIrtschaft-Flugzeuge-v-l
Nach der Landung stand der Gerichtsvollzieher im Ryanair-Flugzeug. (Foto: IMAGO/Jan Huebner)

Die Besatzung eines Ryanair-Flugs staunt nicht schlecht, als plötzlich der Gerichtsvollzieher auftaucht. Die Airline schuldet einer Reisenden einen niedrigen dreistelligen Betrag. Daraufhin wird die Boeing gepfändet.

In Österreich ist ein Flugzeug der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair offenbar gepfändet worden. Weil die Airline eine Forderung in Höhe von 355,02 Euro nicht zahlte, rückte ein Anwalt samt Gerichtsvollzieher an und griff zu diesem drastischen Mittel, wie die Kanzlei Florianer Anwälte österreichischen Medien mitteilte. Ein Ryanair-Sprecher dementierte Berichte. "Keines unserer Flugzeuge wurde gepfändet", sagte er ntv.de. Zu Details des Falls äußerte sich der Konzernsprecher jedoch nicht weiter.

Laut den Berichten liegt der Aktion eine Forderung wegen einer Flugverspätung von knapp fünf Stunden zugrunde. Am 11. Juli 2024 startete der Urlaubsflieger in Linz nicht um 8.20 Uhr nach Mallorca, sondern erst um 13 Uhr. Einer Frau stand deshalb laut europäischer Fluggastrechteverordnung eine Entschädigung in Höhe von 250 Euro zu. Zusätzlich hätte Ryanair die Differenz zu einem kurzfristig gebuchten Ersatzflug begleichen müssen, mit dem die Betroffene weniger stark verspätet ankam. Beides geschah jedoch nicht. Ryanair erstattete lediglich die ursprüngliche Buchung.

Anwalt Georg Wageneder sagte der österreichischen Tageszeitung "Heute", dass er bereits gegen die Fluggesellschaft geklagt habe, "aber sie haben nicht gezahlt". Der Rechtsbeistand zeigte sich irritiert und erklärte, solche Beträge würden in der Regel beglichen werden. In der Folge erwirkte Wageneder beim Handelsgericht einen Exekutionstitel, wie es in Österreich heißt, berichteten die "Oberösterreichischen Nachrichten". Der Anwalt fuhr also zum Flughafen, als eine Landung Ryanairs anstand, und versuchte gemeinsam mit einem Gerichtsvollzieher, die offene Summe bei den Angestellten der Airline einzutreiben.

Da keiner der Piloten oder Flugbegleiter die 355,02 Euro in bar aufbringen konnte oder wollte, wurde gepfändet. "Grundsätzlich kann alles von Wert gepfändet werden", sagte Wageneder. "Nachdem es ein irisches Unternehmen ist, muss man schauen, was in Österreich greifbar ist." Da Ryanair nicht viel von Wert am Flughafen Linz hat, blieb dem Gerichtsvollzieher und der Kanzlei nur, das Flugzeug zu pfänden.

648644475_1358694409608914_3520007765384025859_n (1)
Die Pfändungsmarke klebt gut sichtbar im Innenraum der Maschine. (Foto: Florianer Anwälte)

Der Gerichtsvollzieher brachte das entsprechende Siegel an der vorderen Bordwand an. Damit darf der Billigflieger nun nicht mehr frei über die Maschine verfügen. Etwa der Verkauf ist jetzt verboten. In Betrieb darf es dennoch vorerst sein. Wageneder sagte, dass die Boeing 737-800 später wieder abgehoben sei, was erlaubt sei. Doch sollte Ryanair weiterhin dabei bleiben, die Fluggastrechte der Reisenden nicht zu bezahlen, könnte das Flugzeug bei einer Landung in Österreich beschlagnahmt und schließlich sogar versteigert werden.

Inzwischen geht es übrigens nicht mehr nur um 355,02 Euro, sondern um 892,62 Euro. Zu der Entschädigungszahlung summierten sich Zinsen sowie Gebühren für die Zwangsvollstreckung, wie Anwalt Wageneder erklärte. Der Wert der rund 13 Jahre alten Boeing liegt zwischen 13 und 45 Millionen Euro.

Quelle: ntv.de, mpa

RyanairJustizÖsterreich