Panorama

"Königin der Kurven"Architektin Zaha Hadid stirbt mit 65 Jahren

31.03.2016, 19:33 Uhr
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Aufgewachsen ist Zaha Hadid in Bagdad. Ihr Vater war ein Geschäftsmann und Mitbegründer der Progressive Democratic Party. (Foto: AP)

Erst mit 60 Jahren erklimmt die gebürtige Irakerin die Weltspitze der Architekten. Sie entwirft unter anderem das Olympische Schwimmstadion in London und das Nationalmuseum für moderne Kunst in Rom. Jetzt stirbt sie überraschend an einem Herzinfarkt.

Norman Foster, Daniel Libeskind, Richard Rogers - selbst Laien kennen solch berühmte Architekten-Namen. Lange Zeit war in den obersten Etagen der Baukunst kaum eine Frau zu finden - erst mit Zaha Hadid hat sich das geändert. Dabei gelang der irakisch-britischen Architektin erst recht spät der ganz große Sprung nach oben. Jetzt erlag sie mit 65 Jahren völlig überraschend in Miami einem Herzinfarkt. Die Architektenwelt trauert. Spätestens als sie 2003 das erste von einer Frau realisierte Museumsgebäude in den USA fertigstellte, das Contemporary Arts Center in Cincinnati im Bundesstaat Ohio, hatte sich die gebürtige Irakerin durchgesetzt.

Weitere Highlights ihrer Karriere: Das Olympische Schwimmstadion in London (2012) sowie das Nationalmuseum für die Künste des 21. Jahrhunderts - ein Ereignis, das in der Ewigen Stadt, die sich nicht gerade durch viele Neubauten auszeichnet, besonders gefeiert wurde. Das Museum trägt deutlich ihre Handschrift: Die Konstruktion aus Zement, Glas und Stahl mit hohen und hellen Räumen hat keine rechten Winkel. Bereits Jahrzehnte zuvor hatte sie diese Ideen auf Papier gebannt. "Königin der Kurven" wurde sie wegen ihres Stils genannt.

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In der Ewigen Stadt Rom wurde ihr Nationalmuseum für die Künste des 21. Jahrhunderts besonders gefeiert. (Foto: picture alliance / dpa)

Bereits in den 80er Jahren hatte Hadid ihre ganz eigene Handschrift, viele ihrer Entwürfe mit exzentrischen Schrägperspektiven und frei schwebenden Bauteilen blieben allerdings Fiktion. Sie musste sich damals anhören, ihre Arbeiten seien eher für Galerien geeignet als für die Wirklichkeit. Eine größere Öffentlichkeit wurde 1983 aufmerksam auf sie, als Hadid ihren nicht realisierten Entwurf für den Freizeit- und Erholungspark "The Peak Leisure Club" in Hongkong vorstellte, der keinen einzigen rechten Winkel vorsah.

Deutscher Architekturpreis für BMW-Werk

Seitdem wurde sie als "Erfinderin des Post-Konstruktivismus" gefeiert. 2004 erhielt sie als bisher einzige Frau den renommierten Pritzker-Architekturpreis. Auch in Deutschland war sie aktiv, an mehreren Orten kann man ihre Werke sehen. Das Vitra-Feuerwehrhaus in Weil am Rhein etwa. Oder das Zentralgebäude im Leipziger BMW-Werk, das ihr den Deutschen Architekturpreis einbrachte. Zeitweise war Hadid traurig, dass sie eher weniger Aufträge in ihrer Wahlheimat Großbritannien erhielt - hier setzte sie endlich 2012 mit einem aufsehenerregenden London Olympic Aquatic Centre ihre unverkennbare baumeisterliche Duftmarke.

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Vor drei Jahren entwarf sie die neue Serpentine Sackler Gallery in London. (Foto: picture alliance / dpa)

Ein weiterer Coup gelang ihr vor drei Jahren mit der neuen Serpentine Sackler Gallery in London. Sie stülpte einem alten Munitionslager ein gigantisches fließendes Dach in der für sie typischen Wellenform über. Damit setzte die 62-Jährige erstmals ein permanentes Baudenkmal im Zentrum der britischen Hauptstadt. "Es ist uns gelungen, mit diesem Projekt die alte und die neue Welt nahtlos zu vereinen", sagte sie damals. "Wir schauen nicht rückwärts, um nach vorne zu blicken." Die als temperamentvoll und etwas exzentrisch geltende Hadid war Anfang der 70er Jahre für ihr Studium an der renommierten Architectural Association School nach London gekommen - dort eröffnete sie Jahre später auch ihr Architektenbüro.

Neues Bergmuseum in Zusammenarbeit mit Messner

Aufgewachsen war sie in Bagdad. Ihr Vater war ein wohlhabender Geschäftsmann und Mitbegründer der Progressive Democratic Party. Die Familie lebte einen westlichen Lebensstil und verließ den Irak nach der Machtübernahme des Diktators Saddam Hussein und dem Ausbruch des Krieges mit dem Iran in Richtung Jordanien. Doch künstlerische Freiheit erfuhr Hadid nach eigenen Worten erst in London: "Meine Wahlheimat ist Großbritannien, das einzige Land, in dem man künstlerisch erfolgreich und zugleich exzentrisch sein kann."

Ein ganz besonderer Coup gelang ihr noch vor ein paar Monaten: Gemeinsam mit der Bergsteigerlegende Reinhold Messner entwarf sie in Südtirol ein neues Bergmuseum. Auf 2275 Metern Höhe entstand ein beeindruckender Bau, das größtenteils unterirdische Museum "Corones" zeigt die Entwicklung des Bergsteigens. Um Platz zu schaffen, ließ Hadid den Berg teilweise aushöhlen, von außen sind drei schräge Würfel zu sehen, die auch als Aussichtspunkte dienen. Und natürlich: Der Beton zeigt geschwungene Linien - und setzt damit einen starken Kontrast zur felsigen und schroffen Bergwelt.

Quelle: ntv.de, Peer Meinert, dpa

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