In seiner Praxis in ÖsterreichArzt soll fast 100 Jungen missbraucht haben

Über Jahre soll ein Facharzt in Österreich 95 männliche Opfer sexuell missbraucht haben - unter dem Vorwand der medizinischen Untersuchung. Erst als es zu einer ersten Anzeige kommt, wird die ganze Dimension des Falls bekannt.
Ein Facharzt in Österreich soll über Jahre fast hundert männliche Patienten sexuell missbraucht haben. Nach Angaben der Ermittler sind 95 Opfer namentlich bekannt. "Der Missbrauch geschah überwiegend in der Praxis, aber teilweise auch zu Hause", bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wels einen Bericht der "Oberösterreichischen Nachrichten".
Der 55-jährige Urologe aus dem Salzkammergut sitzt bereits seit Anfang 2019 in Untersuchungshaft. Die Dimension des Falles sei aber erst im Laufe der monatelangen Ermittlungen klar geworden, sagte die Sprecherin weiter. Nach bisherigen Erkenntnissen spielten sich die Taten im Zeitraum von 2000 bis 2019 ab. Der Mediziner habe jahrelang unentdeckt die Jungen missbrauchen können, von denen viele jünger als 14 Jahre alt gewesen seien, teilte die Staatsanwaltschaft mit.
Erst die Anzeige eines Opfers habe im Januar zur Verhaftung des Arztes geführt. Durch das Durchforsten der Patientenkartei stießen die Fahnder auf die restlichen Namen. Die Enthüllungen hätten anschließend eine regelrechte Lawine von weiteren Missbrauchsklagen gegen den Mann ausgelöst. Der Mann hatte zu seiner Verteidigung gesagt, dass die Maßnahmen medizinische Gründe gehabt hätten. In vier Fällen hätten die Opfer Folgeschäden davongetragen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.
Angaben über den Ort des Geschehens wurden nicht gemacht, laut österreichischen Medien handelt es sich um eine "Kleinstadt" in der Provinz. Bei einer Verurteilung drohen dem Mann bis zu 15 Jahre Haft. Die Ermittlungen dauern an.