Panorama

239 gestohlene WerkeBayern verkaufte Raubkunst an NS-Größen

12.10.2016, 21:12 Uhr
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Matisse, Picasso, Chagall - einige Werke der wichtigsten Künstler der Moderne landeten in den Händen der Nationalsozialisten. (Foto: dpa)

Die hohen Funktionäre im Zweiten Weltkrieg waren maßlose Kunstsammler. Ein Teil aus ihrem Nachlass befindet sich heute im Besitz der bayerischen Staatsgemäldesammlungen - unrechtmäßig. Und von dort ging das fragwürdige Geschäft weiter.

Die bayerischen Staatsgemäldesammlungen haben in mehreren Fällen Kunstgegenstände, die amerikanische Besatzungsbehörden zuvor beschlagnahmt hatten, an einstige NS-Funktionäre oder deren Angehörige zurückgegeben oder verkauft. Das berichtete der bayerische Kultusminister und CSU-Politiker Ludwig Spaenle im Wissenschaftsausschuss des Landtags in München.

Unter den beschlagnahmten Werken waren auch einige, die die Nazis Juden abgenommen hatten. In einem Fall wurden den Angaben zufolge 24 beschlagnahmte Werke, die die Staatsgemäldesammlungen inventarisiert hatten, an Hitlers Fotografen Heinrich Hoffmann zurückgegeben - dieser hatte gegen seine Enteignung geklagt. Fünf weitere Kunstgegenstände aus der Sammlung Hoffmanns wurden nach Angaben Spaenles an Hoffmanns Tochter Henriette zurückverkauft.

Darunter war ein Ölgemälde aus der Werkstatt des holländischen Malers Jan van der Heyden, um das in Xanten am Niederrhein inzwischen ein Rückgabestreit entbrannt ist. Darüber hinaus gab es laut Ministerium auch noch "weitere Verkäufe" an Familienangehörige ehemaliger NS-Funktionäre. Darunter seien aber keine weiteren Kunstgegenstände gewesen, die die Staatsgemäldesammlungen schon inventarisiert hatten.

Kunst von Göring mit Erlaubnis des Ministeriums verkauft

In den Jahren 1966/67 verkauften die Staatsgemäldesammlungen laut Ministerium auf eigene Initiative 106 Gemälde auf Auktionen und an Kunsthändler. Zwei Ministerien und der Landtags-Haushaltsausschuss hätten zugestimmt. Und noch 1974 wurden - mit ministeriellen Genehmigungen - weitere Objekte aus ehemaligem NS-Besitz verkauft, darunter Kunstgegenstände aus der ehemaligen Sammlung Hermann Görings. Diese hätten allerdings nicht zum Bestand der Staatsgemäldesammlungen gehört, hieß es.

Seit 2007 werden die Sammlungen systematisch nach Werken durchforstet, die möglicherweise im Verdacht stehen, Nazi-Raubkunst zu sein. 239 von 404 bislang untersuchten Werken wurden wegen Raubkunstverdachts auf der Online-Plattform "Lostart" eingestellt. Spaenle betonte: "Es gilt der Grundsatz: den Bestand erforschen und Gerechtigkeit herstellen." Sepp Dürr von den Grünen beschwerte sich allerdings über eine "Provenienzrecherche im Schneckentempo".

Quelle: ntv.de, niv/dpa

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