Panorama

Zaun bleibt geschlossen Berliner sehnen sich nach Tempelhof

25 Brutvogelarten nisten auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof. Für die Berliner bleibt das Naturparadies tabu. Der Zaun ist geschlossen und es darf spekuliert werden, was Berlin plant.

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Einst ein Flughafen, heute ein Naturparadies: Tempelhof.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof herrscht wieder reger Flugbetrieb. Habichte und Turmfalken genießen nach dem Abzug der Flugzeuge ihre Freiheit, Mauersegler werfen sich tollkühn in die Lüfte. Die Gäste der Modemesse Bread & Butter werden das Schauspiel von den Ständen auf dem Vorfeld verfolgen können. Wenn sie aber fragen, was aus dem riesigen Areal und dem gewaltigen Gebäude in Berlins Innenstadt werden soll, werden sie Schulterzucken sehen. Gut ein halbes Jahr nach dem letzten Start von Tempelhof bleibt die Zukunft des geschichtsträchtigen Flughafens schleierhaft.

"Die Jungstare sind gerade flügge geworden." Derk Ehlert zeigt auf ihre Flugübungen über der Landebahn, auf der große Kreuze aufgemalt sind - als Zeichen für Flugzeuge, dort nicht zu landen. Wo einst die Rosinenbomber der Luftbrücke abhoben, sprießen Blumen aus den Betonfugen. 25 Brutvogelarten nisten auf dem Gelände, das sogar etwas größer ist als der Englische Garten in München. Ehlert meint zu der Vielfalt: "Als Berliner kann man einfach nur stolz darauf sein."

Für die Bürger geschlossen

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Tempelhof ist ein historischer Ort.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Doch den Berlinern ist ihr Naturparadies verboten. Hohe Zäune umgeben die weiten Wiesen, Stacheldraht blitzt in der Sonne, Wachschutz patrouilliert. Eigentlich hatte der Senat die Öffnung in diesem Frühjahr versprochen, in den dicht besiedelten Stadtvierteln ringsum träumten sie schon von Picknick-Ausflügen aufs Flugfeld - doch das Tor bleibt zu.

Nach langem Feilschen ist der Kauf der Bundesanteile an Tempelhof noch nicht in trockenen Tüchern. Auch ist unklar, wie viel Kerosin und andere Altlasten im Boden schlummern. Und aus dem wuchernden Gras ragen immer noch alte Radarmasten, Signalleuchten und Schrott. Im Herbst, verspricht der Senat, dürfen Sportvereine die Softball- und Baseballplätze am Rand des Geländes nutzen, mehr ist noch nicht drin.

Reitturnier, Feuerwerk, Bread & Butter

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Die Berliner wollen Zugang zum Gelände.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Doch die Berliner haben Sehnsucht nach Tempelhof. Immer wieder gibt es Löcher im Zaun. Zehntausende kamen zum Tag der offenen Tür im Mai - einige mit Transparent: "Der Zaun muss weg". Wenn Naturschützer Touren anbieten, wie am nächsten Wochenende, klingeln die Telefone unaufhörlich. "Der Ansturm ist gewaltig", heißt es bei der Stiftung Naturschutz. Das war auch bei der versuchten Besetzung Tempelhofs vor einer Woche so, die Linksextreme für Krawalle nutzten - mehrere tausend Bürger kamen in friedlicher Absicht.

Was plant Berlin? In und vor dem mehr als einen Kilometer langen Flughafengebäude wird vorerst improvisiert: ein Reitturnier hier, ein Feuerwerkfestival dort - und vor allem Bread & Butter. "Das war eine historische Chance", sagt Messe-Chef Karl-Heinz Müller zu seinem in der Hauptstadt heftig umstrittenen Einzug in Hangars und Haupthalle. Weil die Messe 10 Jahre lang für je zwei Monate vermietet wird, ist eine langfristige Lösung für das Gebäude ausgeschlossen.

München und Dublin als Vorbilder

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Polizisten müssen immer wieder beschädigte Stücke des Zauns des ehemaligen Flughafens sichern.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Auf dem Flugfeld verspricht der Senat tausende Wohnungen und Arbeitsplätze, die Vorbilder heißen München-Riem und Dubliner Docklands. "Heute steht Berlin vor der historischen Chance, hier die "Stadt der Zukunft" zu zeigen", sagt Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Doch dazu laufen noch die Ideenwettbewerbe, die teils schon bunte Blüten trieben: von Wohninseln im Grün bis zum Rotlichtviertel. Entschieden ist nichts, nur der Bau einer neuen Landesbibliothek. Einziger erkennbar zeitlicher Fixpunkt: Eine Internationale Bau- und Gartenbauausstellung auf dem Areal, die Berlin für 2017 anstrebt.

Es sieht so aus, als bleibe Tempelhof noch lange ein verbotenes Paradies für die Berliner - Wildtierexperte Derk Ehlert könnte wohl damit leben. Er berichtet, dass sogar Rotmilane manchmal auf dem Flugfeld rasten. Und bis zu ein Viertel der bedrohten Berliner Feldlerchen hätten dort inzwischen ihre Heimat. "Für die wird es eng, wenn der Zaun wegkommt."

Quelle: ntv.de, Burkhard Fraune, dpa

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