Panorama

Schutz vor schwerem Verlauf Biontech-Gründer äußert sich zu Impfdurchbrüchen

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"Wenn Geimpfte an Covid-19 erkranken, dann in den allermeisten Fällen mild bis moderat", betont Ugur Sahin.

(Foto: picture alliance / AA)

Impfdurchbrüche verunsichern viele Menschen. Vakzin-Pionier Ugur Sahin ordnet dies in einem Interview nun ein. Er verweist auf Studien, nach denen der Biontech-Impfstoff auch nach neun Monaten noch vor Schlimmerem schützt. Im Kampf gegen die Pandemie empfiehlt er eine pragmatische Booster-Kampagne.

Biontech-Chef Ugur Sahin hat die Corona-Impfung trotz der Impfdurchbrüche als wichtige Waffe im Kampf gegen die Pandemie verteidigt. "Aussagen wie '45 Prozent der Hospitalisierten über 60-Jährigen waren geimpft' wurden gerade viel diskutiert und haben zur Verunsicherung der Menschen beigetragen", sagte Sahin der "Bild am Sonntag". Er verwies darauf, dass in dieser Altersgruppe die Geimpften auch "deutlich in der Mehrheit" seien.

Das Biontech-Vakzin hält Sahin weiterhin für sehr gut. Die Wirksamkeit des Impfstoffs beim Schutz gegen eine Covid-19-Erkrankung "jeglichen Grades" nehme erst "ab dem vierten Monat" ab, sagte Sahin. Das hätten Daten aus Israel, Großbritannien und den USA gezeigt. Demnach sinkt die Wirksamkeit ab dem sechsten Monat dann deutlich.

Der Schutz vor einer schweren Erkrankung halte dagegen deutlich länger an - noch bis zum neunten Monat sei dieser "sehr hoch". "Wenn Geimpfte an Covid-19 erkranken, dann in den allermeisten Fällen mild bis moderat", betonte Sahin. Schwerere Verläufe kämen allerdings bei älteren Menschen mit Vorerkrankungen, Fettleibigkeit und schwachem oder durch Medikamente unterdrücktem Immunsystem vor.

Sahin empfahl einen Booster zur Impfauffrischung, der schütze "sehr gut vor Erkrankung, er hilft aber auch, weitere Ansteckungsketten zu unterbrechen." Zudem verringere die breite Verteilung einer dritten Dosis die Wahrscheinlichkeit für neue problematische Virusvarianten. "Das könnte uns über den anstehenden schwierigen Winter helfen", sagte Sahin. "Wichtig ist die Tatsache, dass die dritte Impfung den Schutz wieder anhebt. Entsprechend erwarten wir, dass er länger anhält als der Schutz nach der Doppelimpfung und nachfolgende Auffrischimpfungen vielleicht nur jedes Jahr - ähnlich wie bei Influenza - gebraucht werden."

Bei der bevorstehenden Booster-Offensive plädierte Sahin für Pragmatismus. Es könnte ein Ansatz sein, bestimmte Gruppen wie Ältere und andere Risikogruppen zu priorisieren, falls es Engpässe gibt. "Es wäre jedoch wünschenswert, in Praxen oder Impfzentren so pragmatisch wie möglich vorzugehen und nicht Menschen ungeimpft nach Hause zu schicken, obwohl man sie unproblematisch impfen könnte", sagte Sahin.

Quelle: ntv.de, jog

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