Panorama

Protest gegen Fackelzug Bombengedenken in Pforzheim eskaliert

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Gegendemonstranten durchbrachen die Sperre zu dem Gelände, wo sich die Rechten zu ihrem Fackelzug versammelten.

(Foto: dpa)

17.600 Menschen sterben vor 70 Jahren in der Bombennacht von Pforzheim. Beim Gedenken ist die Stadt heute gespalten: Rechtsradikale laden zu einem Fackelzug, Gegendemonstranten werfen Feuerwerkskörper. Die Polizei hat viel zu tun.

Der 70. Jahrestag der Bombardierung von Pforzheim im Zweiten Weltkrieg ist von gewaltsamen Protesten gegen einen von Rechtsradikalen veranstalteten Fackel-Aufzug überschattet worden. Vermummte Demonstranten hätten die Sperre mit Feuerwerkskörpern angegriffen und durchbrochen, sagte ein Sprecher der Polizei, die insgesamt mehr als 1000 Kräfte im Einsatz hatte.

Die Beamten setzten Schlagstöcke und Pfefferspray ein und nahmen mindestens einen Gegendemonstranten fest. Sanitäter behandelten mehrere Menschen mit Augenreizungen. Der Sprecher einer antifaschistischen Gruppe aus Stuttgart sagte: "Pforzheim hat ein Nazi-Problem - und das nicht nur heute, sondern 365 Tage im Jahr."

Pforzheims SPD-Oberbürgermeister Gert Hager hatte zuvor dazu aufgerufen, den Gedenktag zu einem Tag des Friedens und der Mitmenschlichkeit zu machen: "Wir wollen unsere Mitmenschen gleich welcher Herkunft, Haltung oder welchen Glaubens immer als Menschen und Nachbarn sehen." Das Gedenken an die Opfer der britischen Bombardierung wende sich gegen Hass und Gewalt und sei nicht in die Vergangenheit gerichtet.

Am 23. Februar 1945 hatten britische Bomber die Stadt an der Enz angegriffen und das gesamte historische Zentrum innerhalb von 20 Minuten in Brand gesetzt. Dabei kamen 17.600 Menschen ums Leben. Der britische Botschafter in Deutschland, Simon McDonald, sprach sich dafür aus, die deutsch-britische Freundschaft lebendig weiterzuentwickeln, "damit sich die Ereignisse vor 70 Jahren nicht wiederholen.

Quelle: ntv.de, nsc/dpa