Behörden schließen Anschlag ausBrand in Schweizer Luxus-Skiort wirft Fragen auf

Der Schweizer Bundespräsident spricht von einer der schlimmsten Tragödien in der Geschichte des Landes: Zu Silvester sterben bei einem Brand rund 40 Menschen. Warum die Bar für sie zur Todesfalle wurde, ist noch offen. Augenzeugen schildern erschütternde Szenen.
Nach der Brandtragödie in der Silvesternacht mit rund 40 Toten in einer Bar im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana sind viele Fragen offen. Politiker, Staatsanwältin und Polizei brachten ihre Erschütterung zum Ausdruck - viele Ermittlungsergebnisse präsentierten sie in den ersten 24 Stunden nach dem Unglück nicht. Die meisten der rund 115 Verletzten erlitten schwere Brandwunden, einige schwebten in der Nacht noch in Lebensgefahr.
Die Regierung des Kantons Wallis sprach in einer Mitteilung von einem "Flashover" in der Bar, ohne eine Quelle für diese Information zu nennen. Mit dem Ausdruck wird der sekundenschnelle Übergang eines kleinen Feuers zu einem Großbrand bezeichnet. Das passiert durch riesige Hitze, die brennbares Material so zersetzt, dass es bestimmte Gase bildet und dann auch ohne Flammenkontakt sekundenschnell in Brand gerät. Ohne Schutzkleidung sei das kaum zu überleben, sagte die Brandschutzsachverständige Sandra Barz im ARD-"Brennpunkt".
Zahlreiche der mehr als 110 Verletzten wiesen lebensbedrohliche Verbrennungen auf. In der Universitätsklinik Lausanne wurden allein etwa 13 erwachsene und 8 minderjährige Brandverletzte aufgenommen, "deren Körperoberfläche zu mehr als 60 Prozent verbrannt ist", wie der Chefarzt des Spitals Morges, Wassim Raffoul, dem Sender RTS sagte. Es handle sich um sehr schwere Verletzungen, deren Behandlung sehr lange dauern werde. Hinzu könne kommen, dass die Verletzten auch Rauchgasvergiftungen, Quetschungen sowie Knochenbrüche durch das Gedränge erlitten hätten.
Am Neujahrsabend beteten in der Kirche von Crans-Montana 400 Gläubige in einer Messe mit dem Bischof von Sitten, Jean-Marie Lovey für die Opfer. Die meisten dürften Teenager oder Anfang 20-Jährige gewesen sein, heißt es vonseiten der Polizei, womöglich Minderjährige. Die Bar "Le Constellation" war nach Angaben von Anwohnern bei ihnen besonders angesagt.
Nach dem Gottesdienst in der Gemeinde im Süden der Schweiz versammelten sich hunderte Menschen schweigend, um Blumen niederzulegen und Kerzen in der Nähe des Unglücksortes anzuzünden. "Es gibt Tote und Verletzte, und jemand, der uns nahesteht, wird noch vermisst", sagte eine Frau, die ihren Namen nicht nennen wollte.
Einer der schwersten Brände in der Schweiz
Bundespräsident Guy Parmelin sprach von einer der schlimmsten Tragödien, die es in der Geschichte der Schweiz je gegeben habe. Die Flaggen am Parlament würden für fünf Tage auf halbmast gehängt.
Der Flughafen von Genf bereitete sich auf die Ankunft der Familien ausländischer Opfer vor, wie der Kanton Genf berichtete. Er liegt am nächsten am Unglücksort, aber auf dem Landweg immer noch 180 Kilometer entfernt. Unter den Toten und Verletzten sind nach italienischen Angaben Italiener, andere Staaten hielten sich bedeckt. Ob Deutsche darunter waren, ist ungewiss. Das Außenministerium in Berlin steht nach eigenen Angaben mit den Behörden in Verbindung.
Der französische Präsident Emmanuel Macron teilte auf der Plattform X mit, Frankreich nehme Verletzte in seinen Krankenhäusern auf und stehe für jede Hilfe zur Verfügung. Verletzte wurden Berichten zufolge bereits nach Paris und Lyon gebracht. Daneben haben auch Schweden und Nordmazedonien ihre Hilfe angeboten.
"Unsere Hauptthese ist, dass der gesamte Raum Feuer gefangen hat, und das zu einer Explosion geführt hat", sagte die Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, Beatrice Pilloud. Fast alles andere bleibt offen. Priorität sei, die Todesopfer zu identifizieren, um sie ihren Angehörigen zu übergeben, sagte sie. Einen Anschlag schlossen die Behörden aus.
Wie viele Menschen in der Bar waren, für wie viele Besucher sie zugelassen war, ob die Notausgänge funktionierten oder die Treppe, die nach Angaben von Besuchern zu eng war, um sich schnell vor den Flammen zu retten, regelkonform war - Pilloud machte dazu noch keine Angaben. Ob Kerzen oder ein Feuerwerkskörper den Brand auslösten, wie etwa Gäste mutmaßten - man wisse es noch nicht. Sie wolle Handys auswerten, die am Unglücksort sichergestellt wurden. Ob die Barbesitzer verhört werden, blieb ebenfalls offen. Es sei auf jeden Fall niemand festgenommen worden, sagte Pilloud.
Erschütternde Augenzeugenberichte
Zeugen schilderten erschütternde Szenen rund um den Brand. Ein Tourist aus New York filmte, wie orangefarbene Flammen aus der Bar schlugen. Er schilderte, dass Menschen hinausgelaufen seien und in der Dunkelheit geschrien hätten. Eine Anwohnerin sagte der Schweizer Zeitung "24 Heures", als sich das Unglück ereignet habe, seien die Silvester-Feierlichkeiten in Crans-Montana "in vollem Gange" gewesen, der Champagner sei "in Strömen geflossen". Nach Ausbruch des Feuers hätten sich die Menschen "fassungslos, besorgt, still" auf den Straßen versammelt. Ein weiterer Anwohner sagte der Zeitung: "Es ist furchtbar, viele junge Menschen gehen in diese Bar."
Ein junger Mann, der sich während des Unglücks in der Bar aufhielt, sagte "24 Heures", Feuerwerkskörper auf Flaschen hätten einen Deckenbrand ausgelöst, der sich schnell ausgebreitet und Panik ausgelöst habe. Zwei Französinnen nannten im Sender BFMTV Geburtstagskerzen auf Champagnerflaschen als Brandauslöser. "Sekunden später hat die gesamte Decke gebrannt", sagte eine von ihnen. Demnach hatten sich zum Unglückszeitpunkt rund 200 Gäste in der Bar aufgehalten, die meisten zwischen 15 und 20 Jahre alt.