Panorama

Fast 1000 Beamte im Einsatz Bundesweite Razzien gegen Scheinehen

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Rund 850 Beamte waren bei den bundesweiten Durchsuchungen im Einsatz.

(Foto: imago/Eibner)

Bundes- und Länderpolizei stellen Hunderte Beamte ab, um in mehreren Bundesländern gegen den organisierten Scheinehe-Betrug und Schwarzarbeit vorzugehen. Mehrere Banden sollen sich an der Ehevermittlung von Nicht-EU-Bürgern bereichert haben.

Mit Durchsuchungen in mehreren Bundesländern haben fast 1000 Ermittler nach Beweisen für die organisierte Vermittlung von Scheinehen gefahndet. Sie waren gleichzeitig in zwei verschiedenen Ermittlungsverfahren tätig. Bei Durchsuchungen in sieben Bundesländern sowie in Tschechien seien mehrere dringend Tatverdächtige festgenommen worden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main. Sie kamen vor den Haftrichter. Fast 100 Objekte seien durchsucht worden. An dem Einsatz waren etwa 850 Beamte von Bundes- und Länderpolizei sowie des Zolls beteiligt.

Schwerpunkt der Ermittlungen wegen der Vermittlung von Scheinehen und Schwarzarbeit sei Hessen - insbesondere das Rhein-Main-Gebiet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollen die festgenommenen Verdächtigen seit Ende 2015 ihren Kunden zu Scheinehen mit Frauen aus EU-Staaten verholfen haben. Die meisten dieser Männer stammten aus dem Kosovo. Manche hätten fünfstellige Summen für die Heirat mit Frauen aus Tschechien, Rumänien oder Bulgarien gezahlt. Die Staatsanwaltschaft geht von mehreren Hundert auf diese Weise geschlossenen Scheinehen aus.

Mehrere Beschuldigte sollen zudem als Verantwortliche von Bauunternehmen Schwarzarbeiter beschäftigt und deren Löhne mit Scheinrechnungen von "Servicefirmen" verschleiert haben. Dadurch wurden Lohn- und Umsatzsteuern hinterzogen. Zudem geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von etwa sechs Millionen Euro nicht abgeführt wurden.

5000 bis 7000 Euro für die Frauen

Ebenfalls um die Organisation von Scheinehen geht es in einem Ermittlungsverfahren gegen eine mutmaßliche Schleuserbande, über das die Staatsanwaltschaft in Frankfurt/Oder und die Bundespolizei in Berlin berichteten. "Bislang gab es keine Festnahmen", sagte ein Polizeisprecher zu diesem Fall. Insgesamt zwölf Wohnungen und Gewerberäume in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Hessen wurden durchsucht. Die Ermittlungen richten sich gegen eine deutsch-vietnamesische Bande, die gegen Geld Scheinehen an vietnamesische Männer vermittelt haben soll.

Die Männer sollen mit erschlichenen Visa nach Deutschland eingereist sein. Danach wurden ihnen Scheinehen mit deutschen Frauen vermittelt, wodurch sie ihren Aufenthaltstitel verfestigen konnten. Die Frauen sollen dafür zwischen 5000 und 7000 Euro bekommen haben. Geheiratet wurde in Dänemark.

Quelle: n-tv.de, mba/dpa

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