Schriftsteller stirbt mit 92Cees Nooteboom ist tot

Er war Jahrhundert-Zeitzeuge und einer der wichtigsten Autoren der Nachkriegszeit. Er lebte in ganz Europa, immer wieder auch in Berlin. Jetzt ist Cees Noteboom im Alter von 92 Jahren gestorben.
Der niederländische Schriftsteller Cees Nooteboom ist tot. Er starb im Alter von 92 Jahren an seinem Wohnort Menorca, wie sein Verlag De Bezige Bij in Amsterdam mitteilte. Der Verlag zitiert die Witwe des Schriftstellers, die Fotografin Simone Sassen, dass er "heute Nachmittag sehr ruhig auf seiner geliebten Insel Menorca gestorben ist".
Nooteboom gilt als einer der großen europäischen Autoren der Nachkriegszeit und war international ausgezeichnet worden für seine Romane, Gedichte und seine Reisebeschreibungen. Immer wieder war sein Name als Favorit für den Literaturnobelpreis gehandelt worden. Der Autor selbst sah sich nicht so sehr als Romancier, sondern vor allem als Lyriker. Doch alles, was er schrieb, war eng miteinander verbunden.
Nooteboom wurde am 31. Juli 1933 in Den Haag geboren. Als junger Mann reiste er im Auftrag von niederländischen Zeitungen durch Europa. 1956 erlebte er in Budapest den russischen Einmarsch. Er berichtete im Mai 1968 von der Studentenrevolte in Paris. 1963 kam er zum ersten Mal nach Berlin. 26 Jahre später wurde er in Berlin fast zufällig Zeuge des Mauerfalls. Nooteboom blieb und beschrieb, wie Geschichte und Gegenwart miteinander verschmolzen. Seine "Berliner Notizen" sind die Beobachtungen aus der Stadt, in der er zwischen 1989 und 2009 auch immer wieder lebte.
Seine Heimat war die Sprache
Als Romancier hatte Nooteboom seinen internationalen Durchbruch erst 1980 mit seinem Roman "Rituale". Die mehrfach ausgezeichnete und später verfilmte tragisch-komische Geschichte des Händlers und Frauenliebhabers Inni Wintrop bündelt seine Themen: Die Existenz des Menschen in der Zeit und die Erinnerung. Die Romane "Die folgende Geschichte" 1991 und "Allerseelen" 1998 festigen dann seinen Ruf als großer Romancier. In "Allerseelen" ringt der niederländische Kameramann Arthur Daane, der eine ahistorische Welt filmen will, mit der Erinnerung.
Heimat war für den reisenden Poeten nicht so sehr ein Ort, sondern die Sprache. Nooteboom sprach zwar viele Sprachen, doch nur auf Niederländisch könne er Bücher schreiben, sagte er einmal. Damit wurde seine Heimat, so sagte er, ausgerechnet für den Reisenden ein Gefängnis: "Ich komme nie raus, es sei denn, durch eine gute Übersetzung."
Sein literarisches Werk ist nach Angaben seines Verlages in mehr als 30 Sprachen übersetzt worden.