Panorama

43 Millionen Menschen betroffen China riegelt 13 Städte wegen Virus ab

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Mit Infrarotthermometern wird an Bahnhöfen die Temperatur von Reisenden gemessen - zumindest dort, wo noch Züge fahren.

(Foto: picture alliance/dpa)

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, greift China zu drastischen Maßnahmen: 13 Städte werden praktisch unter Quarantäne gestellt, Millionen Menschen sitzen fest. In anderen Landesteilen werden Touristenattraktionen geschlossen und Neujahrsfeiern abgesagt.

China hat seine Sicherheitsmaßnahmen gegen das neuartige Coronavirus nochmals drastisch ausgeweitet. Im Kampf gegen eine Verbreitung der Lungenkrankheit sind in der schwer betroffenen zentralchinesischen Provinz Hubei strikte Bewegungsbeschränkungen für rund 43 Millionen Menschen erlassen worden. Als die jüngsten drei Metropolen wurden in Jingzhou (5,6 Millionen Einwohner), Xiaogan (5 Millionen Einwohner) und in Dangyang (470.000 Einwohner) der öffentliche Verkehr und die Züge in andere Orte gestoppt. Damit sind mit der Provinzhauptstadt Wuhan mindestens 13 Städte praktisch abgeschottet worden. Die Zahl der Infizierten mit dem neuartigen Coronavirus stieg Staatsmedien zufolge derweil auf 876. 26 Patienten starben an der Krankheit.

Die chinesischen Behörden hatten am Donnerstag die Elf-Millionen-Einwohner-Stadt Wuhan, in der der Erreger erstmals registriert worden war, unter Quarantäne gestellt. Die Flug- und Zugverbindungen aus der Stadt wurden weitgehend gestoppt. Danach wurde in weiteren Großstädten der Provinz Hubei der öffentliche Verkehr weitgehend eingestellt, etwa in der 2,4-Millionen-Einwohner-Metropole Huangshi. Dort wurden neben dem öffentlichen Nahverkehr unter anderem der Fährhafen und eine Brücke über den Yangtse-Fluss geschlossen.

In Qianjiang, einer Stadt mit fast einer Million Einwohnern, wurde am Donnerstagabend der Verkehr von Fernbussen und der öffentliche Nahverkehr eingestellt. Zu den Städten, in denen der öffentliche Transport lahm liegt, gehört auch Huanggang, eine Metropole mit 7,5 Millionen Einwohnern.

Die Festivitäten rund um den chinesischen Neujahrstag an diesem Samstag wurden vielerorts abgesagt, so auch in Peking. In der Hauptstadt wurden auch einige touristische Attraktionen geschlossen, darunter ab Samstag die Verbotene Stadt. Auch das Disneyland in Schanghai bleibt ab Samstag vorerst geschlossen.

Wuhan gleicht einer Geisterstadt

Die Metropole Wuhan, wo das neuartige Virus erstmals festgestellt worden war, gleicht einer Geisterstadt. Die Straßen und Einkaufszentren sind leer, viele Geschäfte geschlossen. Nur noch wenige Flüge erreichen die Stadt. "Dieses Jahr haben wir ein sehr unheimliches Neujahr", sagte ein Taxifahrer. "Wegen des Virus gehen die Leute nicht außer Haus."

24 der Todesfälle in China wurden in der nun aberiegelten Provinz Hubei verzeichnet, zwei weitere in der an Russland angrenzenden Nordostprovinz Heilongjiang und der nördlichen Provinz Hebei. Insgesamt stieg die Zahl der Erkrankungen durch den Erreger in China laut der offiziellen Zwischenbilanz um weitere etwa 160 auf insgesamt rund 830 bestätigte Fälle. Bei weiteren 1072 Krankheitsfällen besteht der Verdacht, dass sie durch das Virus ausgelöst worden sein könnten, teilte der Gesundheitsausschuss der chinesischen Regierung mit. Diese Fälle würden noch untersucht. 

Auch aus anderen Ländern wurden einzelne Fälle des Virus gemeldet, darunter aus Thailand, Japan, Südkorea, Taiwan, Vietnam und den USA. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verzichtete dennoch in einer Krisensitzung darauf, den internationalen Gesundheitsnotstand auszurufen. Bisher gebe es außerhalb Chinas "keine Hinweise" auf eine Übertragung des Krankheitserregers von Mensch zu Mensch, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus zur Begründung.

Das neue Virus soll anfangs von Tieren auf einem Markt in Wuhan übertragen worden sein. Es ähnelt dem gefürchteten Sars-Erreger. An der Sars-Epidemie waren in den Jahren 2002 und 2003 knapp 350 Menschen in Festlandchina sowie knapp 300 weitere in Hongkong gestorben.

Quelle: ntv.de, ftü/dpa/AFP