Panorama
Mo Yan
Mo Yan(Foto: dpa)
Donnerstag, 11. Oktober 2012

"Halluzinatorischer Realismus": Chinese erhält Literaturnobelpreis

Haruki Murakami? Philip Roth? Oder gar Bob Dylan? Die Topfavoriten um die Vergabe des Literatur-Nobelpreises gehen leer aus. Das Rennen macht in diesem Jahr der Chinese Mo Yan. Der 57-Jährige wird von der Jury dafür ausgezeichnet, dass er den Lesern einzigartige Einblicke in das dörfliche China liefere, heißt es zur Begründung.

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Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an Mo Yan aus China. Das teilte die Schwedische Akademie mit. Der 57-jährige Schriftsteller verbinde "mit halluzinatorischem Realismus Volksmärchen, Geschichte und Zeitgenössisches", hieß es in der Begründung der Jury. Das berühmteste Werk des Chinesen ist "Das rote Kornfeld". Bekannt sind auch "Große Brüste und breite Hüften", "Die Schnapsstadt" und "Die Knoblauchrevolte".

Mo Yan gilt als Schriftsteller des ungeschminkten Lebens in der ländlichen Provinz. Er wurde auch als chinesische Antwort auf Franz Kafka oder Joseph Heller bezeichnet. Mo Yan ist ein Pseudonym, was sinngemäß "der Sprachlose" bedeutet. Sein bürgerlicher Name lautet Gun Moye.

Der Sprecher der Jury, Peter Englund, sagte: "Wir haben es mit einer einzigartigen Autorenschaft zu tun. Sie hat uns einen einzigartigen Einblick in ein einzigartiges Milieu verschafft." Mo Yan sei eine "Mischung aus Faulkner, Charles Dickens und Rabelais". Er schildere eine dörfliche Welt in einem Teil Chinas, der den meisten anderen fremd sei. "Mo Yan ist nicht als Intellektueller dort hinabgestiegen, sondern er ist selbst ein Teil davon", sagte Englund.

Geteiltes Echo

Mo Yan kaufte damit den Favoriten im Rennen um den Preis den Schneid ab. In diesem Jahr waren der Japaner Haruki Murakami, aber auch die Kanadierin Alice Munro und der US-Schriftsteller Philip Roth sowie Bob Dylan als heiße Kandidaten gehandelt worden.

Auch Buchkritiker Denis Scheck ("Druckfrisch") hatte Mo Yan nicht auf seiner Liste. "Am literarischen Firmament ist ein neuer Fixstern erschienen", sagte er. "Das ist ein Autor, der uns begleiten wird." Er beglückwünsche die Jury zu dieser Entscheidung. "Er war nicht mein Favorit", sagte dagegen die Literaturnobelpreisträgerin von 2009, Herta Müller, auf der Frankfurter Buchmesse.

Martin Walser begrüßte die Auszeichnung Mo Yans. "Es könnte für mich keinen glücklicheren Kandidaten geben, er ist über jeden Zweifel erhaben", sagte der 85-Jährige. "Ich halte ihn für den wichtigsten Schriftsteller unseres Zeitalters und platziere ihn gleich neben Faulkner."

Der wichtigste Literaturpreis der Welt ist mit umgerechnet 930.000 Euro dotiert. Die Nobelpreise werden traditionsgemäß am 10. Dezember überreicht, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel. Im vergangenen Jahr hatte der schwedische Lyriker Tomas Tranströmer die Auszeichnung erhalten. Zu den deutschsprachigen Preisträgern zählen Günter Grass, Elfriede Jelinek, Herta Müller, Heinrich Böll, Hermann Hesse und Thomas Mann.

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Quelle: n-tv.de

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