Panorama

Wegweisender ProzessChinesin misshandelt Haushälterin brutal

27.02.2015, 08:18 Uhr
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Die misshandelte Haushälterin (Mitte) zeigte sich unzufrieden mit dem Urteil. (Foto: REUTERS)

Mit Schlägen und Schlafentzug quält eine Hongkongerin ihre indonesischen Haushaltshilfe. Nun wandert sie für die Misshandlungen ins Gefängnis. Ein Urteil, das vielen ausländischen Arbeitern Gehör verschafft, die unter prekären Bedingungen leiden.

In einem richtungsweisenden Prozess ist eine Hongkongerin für die Misshandlung ihrer Putzfrau zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Zudem verurteilte ein Hongkonger Gericht die 44-Jährige zur Zahlung einer Strafe von 15.000 Hongkong-Dollar (rund 1700 Euro), wie lokale Medien berichteten. Die Arbeitgeberin war bereits vor zweieinhalb Wochen in 18 von 20 Anklagepunkten schuldig gesprochen worden, darunter Körperverletzung und Einschüchterung.

Die Richterin sah es als erwiesen an, dass die Hongkongerin ihre aus Indonesien stammende Haushälterin misshandelt und ihr den Schlauch eines Staubsaugers in den Mund gerammt hatte. Die 24-jährige Indonesierin hatte ausgesagt, sie sei von ihrer Arbeitgeberin "gefoltert" worden, etwa durch Schlafentzug und Schläge. Sie habe monatelang von kärglichen Portionen Brot und Reis gelebt und nur vier Stunden täglich schlafen dürfen. Ihre Arbeitgeberin habe sie bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen.

Prekäre Situation für ausländische Angestellte

Die Haushälterin sagte nach der Verkündung des Strafmaßes, sie sei damit "nicht zufrieden" und hätte sich eine längere Haft erhofft. Der Frau hatten maximal sieben Jahre gedroht. Der Fall der Haushaltshilfe aus Indonesien hatte die Situation der Putzfrauen in Hongkong international bekannt gemacht. Viele ausländische Arbeiter waren in Hongkong auf die Straße gegangen.

Etwa die Hälfte der 320.000 Haushaltshilfen im wohlhabenden Hongkong sind Frauen aus Indonesien. Eine Studie der Behörden hatte 2013 das ganze Ausmaß des Problems offenbart. Demnach haben 58 Prozent der Haushaltshilfen verbale Angriffe erdulden müssen, 18 Prozent wurden körperlich misshandelt und 6 Prozent berichteten von sexuellem Missbrauch.

Ausländische Helferinnen arbeiten seit dem wirtschaftlichen Aufschwung Hongkongs in den 70er Jahren in der Stadt. Neben dem Haushalt kümmern sie sich um die Kinderbetreuung oder pflegen alte Menschen. Ihr Mindestlohn liegt derzeit bei umgerechnet rund 460 Euro im Monat.

Quelle: ntv.de, lsc/dpa/AFP

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