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Mehr Laborkapazitäten Corona-Tests werden Geheimwaffe

Im Labor wird die PCR-Diagnostik genutzt, um das Virus nachzuweisen.

Im Labor wird die PCR-Diagnostik genutzt, um das Virus nachzuweisen.

(Foto: REUTERS)

Zwischen 300.000 bis 500.000 Sars-Cov-2-Tests werden pro Woche in deutschen Laboren durchgeführt. Wenn es nach der Regierung geht, soll die Zahl kräftig steigen. Was geschieht in den Laboren und welche weiteren Möglichkeiten gibt es für die Ausweitung der Tests? Ein Überblick.

Warum soll mehr getestet werden?

Deutschland will seine Test-Zahlen deutlich erhöhen, um schneller feststellen zu können, wie viele Menschen sich bereits mit Sars-Cov-2 infiziert haben. Laut einem vertraulichen Strategiepapier der Bundesregierung, das dem Rechercheverbund von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR vorliegt, sollen massenhaft Tests stattfinden, damit das Gesundheitssystem gar nicht erst an seine Grenze komme. Das Ziel sei demnach 200.000 Tests pro Tag, jetzt sind es etwa 60.000 täglich. Laut dem Bericht seien "innovative Lösungen" für neue Tests notwendig. Ähnlich wie in Südkorea müssten möglichst viele Menschen mit Symptomen und Kontakt zu Erkrankten getestet und, falls nötig, isoliert werden. Nur so könnte besser festgestellt werden, wie weit sich das Virus schon in Deutschland verbreitet hat. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält eine hohe Anzahl von Tests für extrem wichtig, um den Virus-Verlauf zu erkennen und darauf reagieren zu können. Dem Robert-Koch-Institut (RKI) ist es wichtig, dass gezielter getestet wird - und nur bei Menschen, die auch Symptome zeigen.

Welche Labore testen derzeit auf Sars-Cov-2?

Wie viele Labore in Deutschland aktuell Sars-Cov-2-Proben testen, ist nicht ganz klar. Die Gesellschaft für Virologie listet unter anderem 27 Universitätsinstitute auf. Hinzu kommen noch einmal so viele öffentliche und sonstige Labore, die die Gesellschaft aufzählt. Doch das sind längst nicht alle Organisationen, die sich aktuell mit Tests zum neuartigen Coronavirus befassen. Nach Angaben des Bundesverbands der deutschen Laborärzte gibt es bundesweit 350 ambulante Labore und 1400 Labore in Kliniken. Davon würden insgesamt 200 bis 300 Sars-Cov-2-Tests durchführen können. Dementsprechend ist auch die Gesamtzahl der wöchentlichen Tests nur ein Schätzwert, der von Experte zu Experte etwa zwischen 300.000 und 500.000 variiert.

Alle Labore fahren derzeit ihre Kapazitäten hoch, um noch mehr Testmöglichkeiten zu schaffen. Weitere Kapazitäten könnten laut Experten beispielsweise Tiermedizin-Labore und die Industrie bieten.

Welche Diagnostik wird angewendet?

Zur Diagnostik des neuen Erregers wird die sogenannte Polymerase-Kettenreaktion (PCR) durchgeführt. Bei der Technik werden bereits bei der Vervielfältigung der Erbsubstanz, die im Fall von Sars-CoV-2 erst noch von RNA in DNA umgeschrieben werden muss, Fluoreszenzfarbstoffe in Form einer DNA Sonde kurzes DNA Fragment mit Fluoreszenzfarbstoff eingebaut. Sie werden NICHT nachträglich hinzugefügt. Die Patienten müssen aber in der Regel länger auf ihre Testergebnisse warten, weil die Labore einen riesigen Ansturm erleben und das Material außerdem dorthin transportiert werden muss. All das kostet am Ende Zeit und verlängert so das Warten auf die Ergebnisse.

Das erste Test-Prinzip, das in Deutschland für Sars-Cov-2 zugelassen wurde, stammt vom Konsiliarlabor für Coronaviren an der Berliner Charité, das Dr. Christian Drosten leitet. Nachdem das Virus Ende 2019 erstmals in Wuhan auftauchte, entwickelten die Berliner Virologen den Test. Kurze Zeit später schickten sie ihren Test nach China, wo er gut funktionierte. Dieser Erfolg überzeugte die WHO so sehr, dass sie diesen Test als ersten Sars-Cov-2-Nachweis weltweit präsentierte. Das Institut verschickte daraufhin unzählige Reagenzien an Kollegen, um die Methode weltweit zu etablieren. Neben der Charité haben auch andere Forschungslabore, beispielsweise in den USA, eigene Test-Verfahren entwickelt.

Wie fehleranfällig sind Labortests dieser Art?

Nach Angaben des RKI können falsch-negative Ergebnisse zum Beispiel aufgrund schlechter Probenqualität, unsachgemäßem Transport oder ungünstigem Zeitpunkt (bezogen auf den Krankheitsverlauf) der Probenentnahme nicht ausgeschlossen werden. "Wenn ein Patient mit begründetem Verdacht auf Sars-CoV-2-Infektion in der initialen PCR negativ getestet wird, sollte mit dem Labor eine erneute Probenentnahme und -untersuchung abgesprochen werden. Das am besten geeignete Untersuchungsmaterial ist vom Zeitpunkt der Entnahme im Verlauf der Erkrankung abhängig", erklärt das Institut auf seiner Website.

*Datenschutz

Bei tiefen Atemwegsinfektionen sei die alleinige Testung von Probenmaterial aus dem Mund- und Nasenrachen zum Ausschluss einer Infektion nicht geeignet, da in dieser Phase der Erkrankung nur Material aus dem unteren Atemtrakt oder Stuhl in der PRC positiv sind. Die PCR-Methode gilt unter Experten als robuste Testmethode, um Infektionskrankheiten nachzuweisen. Grundsätzlich gilt aber: Je mehr Gene bei der Probe entnommen werden, desto genauer ist auch der Test. Eine weitere Verfälschung des Ergebnisses kann auch in der möglichen Mutation der Coronaviren liegen. Wenn ein Patient eindeutige Symptome aufweist, allerdings der Test negativ ist, müssten die Tester im Zweifelsfall erneut in den tieferen Atemwegen eine Probe entnehmen und die Laborarbeit wiederholen.

Welche andere Test-Möglichkeiten gibt es?

Bosch hat vor Kurzem einen neuen Schnelltest präsentiert, der ab April in Deutschland und anderen Ländern verwendet werden kann. Dieser kann vollautomatisch innerhalb von 2,5 Stunden ein Testergebnis anzeigen und wäre damit deutlich schneller als das bisherige Verfahren, das in Deutschland durchgeführt wird. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Schnelltest direkt vor Ort ausgewertet werden kann - das heißt, in Arztpraxen, Kliniken und Gesundheitszentren. Transportwege würden damit wegfallen. Kritiker warnen jedoch davor, die Verlässlichkeit zugunsten der Schnelligkeit aufzugeben.

Wie erkennt man, ob die Bevölkerung immun ist?

Außerdem wird derzeit an einer Antikörper-Studie gearbeitet, die zeigen soll, wie viele Menschen nach einer Infektion bereits immun gegen das Coronavirus sind. Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig bestätigte, dass eine entsprechende Studie vorbereitet werde und vom Epidemiologen Gérard Krause koordiniert werden soll. Demnach hoffen die Wissenschaftler, ab April das Blut von mehr als 100.000 Probanden auf Antikörper gegen den Covid-19-Erreger, das Virus Sars-CoV-2, untersuchen zu können. Die Ergebnisse der Studie sollen die Entscheidung vereinfachen, wann man Schulen wieder öffnen und Großveranstaltungen erlauben kann. Erste Resultate könnten Ende April vorliegen.

Quelle: ntv.de