Panorama

Übler GeruchDänen obduzieren gestrandeten Buckelwal

04.06.2026, 20:15 Uhr
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Messen, Schneiden, Entnehmen, Analysieren: Auf der dänischen Insel Anholt rücken dem Wal-Kadaver nun endlich die Experten zu Leibe. Zunächst lassen sie Luft aus dem Leib entweichen, dann öffnen sie das tote Tier. Aus Deutschland schauen Behörden und Forscher ebenfalls interessiert zu.

Mit prüfendem Blick - ausgestattet mit Schutzanzug und Notizbrett - begutachten die Experten den gelb-bräunlichen Kadaver des Buckelwals. Dann heißt es: Vermessen und Aufschneiden. Die mit Spannung erwartete Obduktion des Wals auf der dänischen Urlaubsinsel Anholt hat nach langem Warten begonnen. Schaulustige und Medienvertreter versammelten sich um das Tier, das seit Wochen Schlagzeilen macht. Mit einem länglichen Messer wurde dann der Kadaver aufgeschnitten, um Luft aus dem stark aufgeblähten Tier abzulassen. Danach wurde der Wal geöffnet und zerteilt. Rund um das Tier lagen bereits Organe und Eingeweide.

Seit mehreren Wochen liegt der Körper des tonnenschweren Tiers vor der Urlaubsinsel, stark aufgebläht von Fäulnisgasen und von Möwen traktiert. Wer zuschauen will, muss also einen guten Magen mitbringen. Aus Sicherheitsgründen müssen die Zuschauer genügend Abstand einhalten. In Richtung Meer im Wind riecht es streng. 

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Die Obduktion des Buckelwals am Strand der dänischen Insel Anholt hat begonnen. (Foto: picture alliance/dpa)

Das Team aus Experten arbeitet indes ohne Masken. "Wir haben in Dänemark schon bei vielen gestrandeten Walen zusammengearbeitet, daher sind wir eigentlich alle an den Geruch gewöhnt", sagte die dänische Forscherin Charlotte Bie Thøstesen, die an der Obduktion beteiligt ist.

Aus der Ferne beobachtet auch das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern die Obduktion, wie eine Sprecherin mitteilte. Man sei mit den Behörden vor Ort in Kontakt. Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace und das in Stralsund ansässige Deutsche Meeresmuseum wollen per Stream dabei sein - und pochen auf die Ergebnisse der Obduktion.

Die Experten wollen herausfinden, woran der Buckelwal, der seit Wochen Schlagzeilen macht, gestorben ist. Abschließend geklärt werden soll auch, ob der Wal - wie bereits vermutet - eigentlich ein Weibchen ist. Unter anderem ist auch die Entnahme von Hautproben für einen DNA-Test geplant. Anberaumt dafür waren etwa sechs Stunden.

Laut Expertin Thøstesen sind Untersuchungen wie diese für die Wissenschaft besonders wertvoll. Bei Buckelwalen handelt es sich demnach um Tiere, die nur schwer in ihrem natürlichen Lebensraum im Meer erforscht werden können. "Wenn wir hier also in Dänemark gestrandete Wale finden, nutzen wir sie, um Erkenntnisse über die wildlebenden Tiere zu gewinnen", erklärt sie. Um die Ergebnisse der Obduktion will auch das Meeresmuseum in Stralsund bitten.

Auch die Knochen des Tieres werden laut der Expertin entnommen - und kommen dann zumindest teils in die Sammlung des Naturhistorischen Museums in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. "Wir werden nicht das gesamte Skelett des Wals konservieren, sondern nur bestimmte Knochen", erklärt Thøstesen. Dazu gehören etwa Flossenknochen oder Beckenknochen.

Der Kadaver des Buckelwals wird voraussichtlich zumindest noch heute an diesem Donnerstag noch auf der dänischen Insel Anholt bleiben. Noch vor Beginn der Obduktion sagte eine Sprecherin des Fährunternehmens Anholt Greena. Der für heute oder morgen geplante Abtransport von der Insel sei auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die Reste des Kadavers werden voraussichtlich Anfang der kommenden Woche von der dänischen Insel Anholt abtransportiert, sagte Morten Abildstrøm vom dänischen Amt für Naturverwaltung. Einheimische wünschen sich, dass der Wal verschwindet. Sie fürchten, er könnte Badegäste an dem beliebten Strand abschrecken.

Quelle: ntv.de, rog/jwu/dpa