Panorama

Wetterkapriolen in Südwesteuropa"Daniel" gibt dem Osten Frostzugabe - Frühlingshauch im Westen

05.02.2026, 14:52 Uhr
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In Prerow ist die Ostsee gefroren. (Foto: picture alliance/dpa)

Beim Wetter bleibt die Zweiteilung des Landes erhalten und verstärkt sich auch wieder. Auch die Temperaturspanne wächst erneut. Und während hierzulande Glätte wieder ein Thema wird, ächzt Südwesteuropa unter einer Art Euro-Ananas-Express.

ntv.de: Enorme Wetterkontraste prägen in diesen Tagen das Wetter in Deutschland. Denn vom eisigen Winter im Norden und Osten sind die anderen Landesteile wohl verschont geblieben, oder?

Björn Alexander: Das ist korrekt. Nach wie vor haben wir es mit einer sogenannten Grenzwetterlage zu tun. Zwar schwächt sich die dazugehörige Luftmassengrenze hinter Schnee und Eisregen im Nordosten jetzt etwas ab. Aber bereits zum Sonntag und Montag werden die Kontraste erneut größer.

Was bedeutet das konkret?

Nach dem Dauerfrost der vergangenen Tage macht sich die mildere Luft von Tief "Romina" östlich der Elbe bemerkbar. Zuerst noch mit der Gefahr vom Schnee und Glatteis. Dann folgen aber auch im Nordosten leichte Plusgrade, bevor das eisige Winterhoch "Daniel" über Skandinavien erneut an Einfluss auf das Wetter in Deutschland nimmt und sich die Gegensätze erneut verstärken.

Mit welchen Temperaturen?

Bis zum Samstag gibt es im Nordosten Spitzen im leichten Plusbereich, während entlang des Rheins zweistellige Werte drin sind. Ab Sonntag meldet sich im Nordosten der leichte Dauerfrost mit einem böigen Wind zurück. Noch heftiger sind übrigens die Kontraste, wenn wir den Blick auf ganz Europa weiten.

Wie groß sind die Gegensätze?

Der Norden unseres Kontinents zeigt sich seit geraumer Zeit bitterkalt. Unter Hoch "Daniel" letzte Nacht beispielsweise oft mit Tiefstwerten um die minus 25 bis an die minus 40 Grad. Wetterkapriolen der anderen Art erleben hingegen die Regionen im Südwesten Europas. Hier sorgen die Tiefs für wiederholt stürmische und teilweise extrem regenreichen Zeiten.

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Im Westen erlauben teils zweistellige Werte schon ganz andere Freizeitaktivitäten. (Foto: picture alliance/dpa)

Wo liegt der Schwerpunkt?

Am heftigsten hat es das südspanische Bergland in Andalusien erwischt. Hier sind binnen zwei Tagen stellenweise bis zu 650 Liter Regen pro Quadratmeter niedergegangen. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa dem Jahresniederschlag von Berlin.

Woher kommen solche Wassermassen?

Grund ist die Lage des Jetstreams, also die wettersteuernde Strömung, die maßgeblich für die Zugbahn der Tiefdruckgebiete in unseren Breiten verantwortlich ist. Über Tage hinweg lag und liegt der Südwesten Europas dabei genau unter diesem Starkwind-Band der höheren Atmosphäre.

Warum ist das in diesem Fall so fatal?

Der Jetstream hat zuvor in karibischen Breiten auf der anderen Seite des Atlantiks riesige Wassermassen aufgenommen, die anschließend über Spanien und Portugal abgeregnet sind. Ein Wetterphänomen, das auch als Atmosphärischer Fluss bekannt ist und das einige von uns sicherlich mit den USA verbinden. Dort wird es Ananas-Express genannt, da diese Strömung auf dem Weg von Hawaii zur Küste Kaliforniens feucht-warme Luft mit sich führt und ebenfalls verheerende Regenmengen mit sich bringen kann.

Vom weltweiten Geschehen zurück in heimische Gefilde: Welche Entwicklungen gibt es in Sachen Glätte?

In der kommenden Nacht sowie am Freitag bleibt die Glättelage im Nordosten zunächst noch sehr angespannt. Denn auch hier mischt sich die mildere Luft mit der Gefahr von Blitzeis und Eisregen unter - zuerst in Vorpommern, dann auch im übrigen Ostseeumfeld. Im äußersten Westen und Südwesten ziehen in der zweiten Nachthälfte unterdessen Regenschauer auf, während es zwischendrin auflockert und sich zum Teil dichte Nebelfelder bilden. Neben der eingeschränkten Sicht müssen wir uns stellenweise auf Glätte durch gefrierende Nässe einstellen. Dazu bewegen sich die Tiefstwerte zwischen 3 Grad im Westen und minus 3 Grad im Osten.

Was erwartet uns danach?

Im Westen, Südwesten und entlang der Alpen breiten sich die Regenschauer weiter aus. Etwas Regen könnte auch im Emsland ankommen, wo die Bodentemperaturen noch im kritischen Bereich in puncto Glätte liegen können. Das Ganze bei knapp über 0 Grad im Norden und bis zu 11 Grad im Westen und Südwesten.

Und am Wochenende?

Wird es im Südwesten abseits von Nebel oder Hochnebel am freundlichsten. Im übrigen Land ist es wechselhaft oder trüb, wobei zum Teil erneut Schauer unterwegs sind, die im Nordosten und Osten als gefrierender Regen oder Schnee niedergehen. Teilweise kann es hierbei leider nach wie vor glatt sein. Die Temperaturen erreichen am Samstag zwischen 1 und 13, am Sonntag zwischen minus 2 und 11 und am Montag zwischen minus 4 und knapp 10 Grad.

Wo ist es am wärmsten, wo am kältesten?

Am mildesten ist es entlang des Rheins, am kältesten mal wieder vom Ostseeumfeld bis herunter nach Berlin und Brandenburg. Hier weht zudem ein eisiger Wind, der erneut für gefühlte Temperaturen zwischen minus 5 und minus 10 Grad oder darunter sorgt.

Wird es nächste Woche wieder glatt?

Grundsätzlich spekulieren die Wettermodelle am Montag und Dienstag vorübergehend auf eine entspanntere Lage bei den Wetterwarnungen. Ab Mittwoch und Donnerstag kommen dann aber die nächsten Niederschläge ins Spiel, so dass auch das Thema Glätte leider wieder an Brisanz gewinnen dürfte.

Quelle: ntv.de

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