Panorama

Berliner Schülerdemo fürs Klima "Das wird noch richtig krass"

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Für ihre Zukunft machen sie sich stark.

(Foto: REUTERS)

Aus dem Schulstreik der Schwedin Greta Thunberg ist längst eine weltweite Bewegung geworden. In Berlin gehen beim "Friday for Future" Tausende Schüler auf die Straße und lesen den Erwachsenen die Leviten.

Es ist ein grauer Märztag in Berlin. Man könnte bei diesem Wetter gut in einem warmen Klassenzimmer sitzen und darauf warten, dass endlich Wochenende ist. Doch rund um den Invalidenplatz, ganz in der Nähe des bekannten Naturkundemuseums, wimmelt es an diesem ungemütlichen Tag vor jungen Leuten. Grundschüler, Gymnasiasten, Sekundarschüler und Studierende, sie alle sind aus demselben Grund hier: "Skolstrejk för Klimatet", also Schulstreik fürs Klima, wie es seit dem Aufruf durch die Schwedin Greta Thunberg Schüler weltweit tun.

"Ich möchte auf die Problematiken aufmerksam machen und zeigen, dass wir Jugendliche wirklich interessiert sind", erklärt Lena, die heute schon das zweite Mal bei der "Friday-for-Future"- Demo ist. "Es ist uns nicht egal! Und das möchten wir auch zeigen", sagt die 15-jährige Schülerin des Fontane-Gymnasiums geradezu leidenschaftlich. Noch hat die Demonstration nicht einmal offiziell begonnen. Lena und ihre Freundinnen sind trotzdem schon in Kundgebungsstimmung.

Viele Schüler sind zum ersten Mal auf einer Demo. So auch Lilly. Die Vierzehnjährige wurde vom Carl Bechstein Gymnasium in Erkner freigestellt und bekommt für ihr Engagement auch Unterstützung von ihren Eltern. "Es gibt bestimmt einen Teil, der sich darüber freut, nicht zur Schule zu müssen", sagt sie eher schüchtern. Den Vorwurf, Schüler würden nur schwänzen wollen, will sie aber nicht auf sich sitzen lassen. Sie hebt ihr selbstgebasteltes Plakat hoch und erklärt: "An den ganzen Plakaten sieht man aber, dass viele hier sind und wirklich etwas verändern wollen." Für sie ist es ganz klar: "Es ist unsere Zukunft, um die wir uns kümmern. Wir leben schließlich noch länger als all die Erwachsenen."

"There is no Planet B"

Um Punkt zehn Uhr beginnt offiziell die Demonstration. Der gesamte Platz ist nun gefüllt von Demonstranten. Angemeldet waren 5000 Teilnehmer, es dürften deutlich mehr sein. Selbstgebastelte Plakate mit bunte Aufschriften, soweit das Auge reicht. "Wer nicht hüpft, der ist für Kohle", "There is no Planet B" oder "Weniger Plastik ist Meer" haben sie auf große Pappen geschrieben. Auf der Bühne steht die 16-jährige Franziska Wessel. "Das hier ist erst der Anfang und es wird noch richtig krass", ruft sie in die Menge. "Das über uns berichtet wird, ist ein guter Anfang. Aber de facto hat sich noch nichts geändert."

Unter den Demonstranten sind auch viele Erwachsene. Eine Frau hält ein Schild in der Hand, auf dem steht "Mama for future". Gut gelaunt erklärt Konstanze, dass sie Mutter von fünf Kindern ist. Zwei davon sind noch schulpflichtig. "Es beeindruckt mich total, dass die jungen Menschen endlich aufstehen und den Mut haben hier zu sein", erklärt sie sichtlich angetan vom Widerstandsgeist der jungen Leute um sie herum. "Meine Kinder bekommen meine volle Unterstützung, und ich würde mir wünschen, dass die Lehrer das auch tun."

Tatsächlich werden viele Schulklassen von ihren Lehrern begleitet. Unter ihnen ist auch Ina Möllenbeck. Sie ist Lehrerin an der Grundschule am Barbarossaplatz. "Wir haben das mit den Kindern und den Eltern besprochen und uns dafür entschieden, heute an der Demonstration teilzunehmen", sagt die erfahrene Pädagogin. "Wer soll handeln, wenn es nicht die Jugendgeneration jetzt tut? Es ist außerdem ein ganz tolles Zeichen demokratisch mitbestimmend zu leben und genau das predigen wir den Kindern in der Schule immer."

Inzwischen hat Dr. Eckart von Hirschhausen das Mikrofon übernommen. "Natürlich streikt man in der Freizeit, ein Pilot streikt schließlich auch in seiner Arbeitszeit", sagt der Arzt und Entertainer zu dem Vorwurf, die Jugendlichen sollten lieber lernen statt zu demonstrieren. Er schiebt seinen Bruder auf die Bühne, der zu den 23.000 Wissenschaftlern gehört, die für die Initiative Scientists for Future stehen.

Kaum einer der jungen Demonstranten macht den Eindruck, als wenn es seine letzte Demo war. Allein an diesem Freitag waren in fast 1700 Städten in 106 Ländern Kundgebungen angemeldet. "Wir wollen dafür kämpfen, dass unsere Kinder und Enkelkinder nicht auf einer Erde wohnen müssen, die dem Untergang nahe ist", sagt Lena vehement. "Damit sich in der Politik wirklich etwas ändert, müssen die Erwachsenen sehen, dass das auch wirklich viele wollen."

Quelle: n-tv.de

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