Panorama

25 Jahre nach dem Gladbecker Geiseldrama Degowski hat eine Chance auf Freiheit

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Degowski beim Kontrollgang in einem gekaperten Bus im Jahr 1988 in Bremen.

(Foto: dpa)

Sie überfallen eine Bank in Gladbeck, nehmen mehrere Geiseln und fliehen dann tagelang vor der Polizei. Zwei ihrer Geiseln erschießen die Bankräuber. 25 Jahre später kann einer der beiden Täter hoffen, das Gefängnis wieder verlassen zu dürfen.

Für den Gladbecker Geiselnehmer Dieter Degowski steht nach Angaben seiner Rechtsanwältin keine kurzfristige Haftentlassung an. Die zuständige Kammer des Landgerichts Arnsberg habe aber deutlich gemacht, "dass jetzt endlich die Entlassungsvorbereitung losgehen muss", sagte Lisa Grüter nach einem 45-minütigen Anhörungstermin. "Das dauert üblicherweise zwischen zwei und drei Jahren."

Das Gericht prüfte in der Justizvollzugsanstalt Werl, ob Degowski nach 25 Jahren Haft zur Bewährung entlassen werden kann. Der Termin fand kurz vor dem 25. Jahrestag des Geiseldramas statt, bei dem drei Menschen starben und mehrere verletzt wurden. Das Verbrechen wirkt auch wegen des umstrittenen Verhaltens von Medien bis heute nach.

Degowski sei nach dem Haftprüfungstermin "froh, dass er nun eine Chance auf Freiheit hat", sagte Anwältin Grüter. Seine Mindesthaftzeit hat er inzwischen verbüßt.

Ein Sprecher des NRW-Justizministeriums sagte, man respektiere den Beschluss. "Das Landgericht hat damit die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, nach der auch ein Schwerstkrimineller ein Recht auf eine zweite Chance hat, umgesetzt." Man wolle zunächst die Begründung des Beschlusses abwarten und dann zügig mit der Umsetzung beginnen. Es sei kein Zeitpunkt festgelegt, wann Degowski freikomme.

Psychiater hält Degowski nicht mehr für gefährlich

Die Kammer sprach auch mit einem psychiatrischen Gutachter. Vorab war bekannt geworden, dass dieser empfiehlt, Degowski in den nächsten Jahren erst einmal auf die Freiheit vorzubereiten. Der Psychiater Norbert Leygraf soll den 57-Jährigen für nicht mehr gefährlich halten. Aber aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur und seiner großen Bekanntheit kann Degowski nach Einschätzung von Justizkreisen nicht wie andere Straftäter einen unauffälligen Neuanfang starten.

Degowski hatte am 16. August 1988 gemeinsam mit seinem Komplizen Hans-Jürgen Rösner eine Bank in Gladbeck überfallen und war danach mehrere Tage durch einige Bundesländer und die Niederlande geflüchtet. Die Männer erschossen zwei Geiseln, ein Polizeibeamter verunglückte bei dem Einsatz tödlich. Während Rösner als Kopf des Verbrechens gilt, wird Degowski als Mitläufer bezeichnet.

Seit mehr als 20 Jahren verbüßt Degowski seine Haft in der JVA Werl. Dort schloss er nach mehreren Anläufen eine Kochlehre ab und arbeitet als Hofreiniger. Als Gefangener soll er eher unauffällig sein. Degowski scheint therapiewillig zu sein. Sein Komplize Rösner verweigert immer noch jede Therapie. Dessen Entlassung wird erstmals 2016 geprüft, weil das Gericht bei ihm eine längere Mindesthaftdauer festgelegt hat.

Quelle: n-tv.de, dpa