Ehemaliges Technik-WunderDer New Yorker U-Bahn geht es schlecht

Der New York City Subway ist eines der ältesten Verkehrsnetze der Welt und ziemlich marode. Das merken vor allem die Passagiere. Ein Gouverneur hat nun den Ausnahmezustand erklärt.
Erst machte die Geschichte von Jerich Marco Alcantara die Runde. Eingesperrt in einem U-Bahn-Zug der Linie E für insgesamt drei Stunden, verpasste der Student seine Abschlussfeier an der Universität. Die anderen Passagiere schmissen ihm spontan eine kleine Party im U-Bahn-Wagen. Tage später folgte die Nachricht von einem Zug der Linie F, der rund eine Stunde in einem Tunnel stecken blieb, ohne Licht und ohne Klimaanlage. Passagiere berichteten später von drückender Hitze und Angst. Und wieder einige Tage später entgleiste ein Zug der Linie A, bei dem mehrere Menschen leicht verletzt wurden.
Das U-Bahn-System in New York ist ohnehin eine Herausforderung: unübersichtlich und überfüllt, Ratten überall und an vielen Stationen fehlen Aufzüge, 75.000 Verspätungen gibt es pro Monat. Rund sechs Millionen Menschen nutzen jeden Tag den Subway. An der meistgenutzten Station Times Square kamen im vergangenen Jahr rund 65 Millionen Menschen vorbei.
Alle 54.000 Kilometer geht was kaputt
Die Zahlen sind in den vergangenen Jahren fast kontinuierlich gestiegen. Das System ist überlastet. Hinzu kommt: viele Teile der Technik sind stark veraltet. Einige Ampeln stammen noch aus den 1930ern. Die Züge der Linie C wurden einst als Meisterwerke der Technik gepriesen - vor 53 Jahren. Inzwischen sind sie laut "New York Times" die ältesten kontinuierlich fahrenden U-Bahn-Züge der Welt. Durchschnittlich alle 54.000 Kilometer geht bei ihnen irgendwas kaputt. 700 Wagen hätten eigentlich schon längst ausgemustert werden müssen. "Sie gehören wirklich ins Museum", sagt der demokratische Gouverneur Andrew Cuomo.
Cuomo ist für die Nahverkehrsbehörde MTA zuständig. Er hat reagiert und offiziell den Ausnahmezustand für das New Yorker U-Bahn-System erklärt. "Das wird es der MTA ermöglichen, schneller das Material und die Ausrüstung zu kaufen, die sie braucht, um Gleise, Ampeln, Weichen und andere Dinge zu reparieren." Er hat sich außerdem den Republikaner Joe Lhota an die Spitze der MTA zurückgeholt. Lhota hatte die Behörde schon 2012 einmal geführt und für die Bewältigung der Auswirkungen von Wirbelsturm "Sandy" viel Lob bekommen. Er kennt den Zustand der New Yorker U-Bahn: "Wir leben im digitalen Zeitalter", sagt Lhota, "aber unser Signalsystem ist noch nicht einmal analog. Es ist mechanisch."
Zusätzlich hat Gouverneur Cuomo drei Preise von je einer Million Dollar ausgelobt für herausragende Ideen, die zur Verbesserung des Systems führen sollen. Doch die Herausforderungen sind riesig. In erster Linie gilt das U-Bahn-System als völlig überlastet. Neue U-Bahn-Wagen zu bauen dauert nach MTA-Angaben aber bis zu fünf Jahre. "In der Zeit könnte ich einen U-Bahn-Wagen bauen", kommentiert Gouverneur Cuomo.
Immerhin habe der Gouverneur das Problem nun erkannt, sagte John Raskin vom Interessensverband der Passagiere, "Riders Alliance", der "New York Times". "Das ist ein essenzieller erster Schritt. Jetzt muss er nur noch einen glaubhaften Plan aufstellen, wie er die U-Bahn reparieren will, und die Milliarden von Dollar auftreiben, die das brauchen wird."