Panorama

Erstmals seit drei Wochen Deutsche Ansteckungsrate steigt über 1,0

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Proteste in Stuttgart gegen die Corona-Auflagen - ohne Sicherheitsabstand.

(Foto: picture alliance/dpa)

Den dritten Tag in Folge klettert die Ansteckungsrate R nach oben: Erstmals seit mehreren Wochen liegt sie wieder über der kritischen Grenze. Im Schnitt steckt derzeit jeder Infizierte mehr als eine andere Person an. Gleichzeitig überschreiten drei Landkreise die festgelegte Infektions-Obergrenze.

In Deutschland ist die Reproduktionsrate R erstmals seit mehr als drei Wochen auf über 1 gestiegen. Höher war die Ansteckungsrate zuletzt am 13. April. Am Vortag lag sie noch bei 0,83. Die Kennzahl gibt an, wie viele andere Menschen ein Infizierter in einer bestimmten Zeit im Schnitt ansteckt. Berücksichtigt werden muss allerdings, dass es sich dabei um eine Schätzung handelt, die einer gewissen Unsicherheit unterliegt.

Nach Berechnungen von ntv.de, basierend auf den Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) und der Länderangaben, liegt die Zahl der derzeit akut Infizierten bei 21.361, das sind 618 weniger als am Vortag (21.979). Die Zahl der insgesamt Infizierten steigt um 1053 auf 169.416. Als genesen gelten momentan 140.620 Menschen in Deutschland. Gleichzeitig mit den Genesenen steigt weiterhin die Zahl der Toten. Sie liegt aktuell bei 7435, das sind 84 mehr als am Vortag. Aufgrund der statistischen Schwankungen, die durch die insgesamt niedrigeren Zahlen verstärkt werden, kann somit noch nicht bewertet werden, ob sich der während der letzten Wochen sinkende Trend der Neuinfektionen weiter fortsetzt oder es zu einem Wiederanstieg der Fallzahlen kommt. Wegen des Anstiegs des geschätzten R-Wertes muss die Entwicklung in den nächsten Tagen sehr aufmerksam beobachtet werden.

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Die allermeisten Landkreise in Deutschland liegen nach einer Übersicht des RKI derzeit deutlich unter der von Bund und Ländern festgelegten Obergrenze für Corona-Neuinfektionen. Bisher sind drei Kreise bekannt, in denen dieser Grenzwert überschritten wird: Greiz in Thüringen, Coesfeld in Nordrhein-Westfalen und Steinburg in Schleswig-Holstein.

Bund und Länder hatten am Mittwoch eine deutliche Lockerung der Corona-Auflagen vereinbart, zugleich aber beschlossen, dass sofort wieder ein konsequentes Beschränkungskonzept umgesetzt wird, wenn in Landkreisen oder kreisfreien Städten mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche registriert werden. Rund 10 weitere Kreise haben laut RKI derzeit mehr als 25 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche. Die anderen Kreise liegen darunter, einige melden gar keine Neuinfektionen mehr. Allerdings weist das RKI darauf hin, dass es unter anderem durch einen Verzug bei Datenübermittlungen zu Diskrepanzen zwischen seinen Angaben und den tatsächlichen lokalen Zahlen kommen kann.

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Proteste gegen Corona-Regeln

In mehreren deutschen Städten haben derweil Tausende Menschen gegen die Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie demonstriert. In Stuttgart waren auf dem Cannstatter Wasen mehrere Tausend Menschen unterwegs. Ein Polizeisprecher sagte, es sei ziemlich voll geworden. Eine genaue Teilnehmerzahl nannte er nicht. In Berlin nahm die Polizei wegen Nichteinhaltung von Regeln zur Corona-Eindämmung bei einer Demonstration vor dem Reichstagsgebäude etwa 30 Menschen fest. Trotz Durchsagen über Lautsprecher sei der Mindestabstand nicht eingehalten worden.

Mehrere Hundert Menschen versammelten sich zudem am Alexanderplatz zu einer nicht angemeldeten Zusammenkunft. In Berlin sind aktuell nur Versammlungen mit bis zu 50 Teilnehmern an einem festen Ort erlaubt. Auf dem Münchner Marienplatz demonstrierten etwa 3000 Menschen gegen zu strikte Infektionsschutzbestimmungen. Die Demonstration sei angemeldet gewesen, allerdings nur für 80 Teilnehmer, sagte ein Polizeisprecher.

Quelle: ntv.de, ibu/dpa