Panorama

Stets auf der Überholspur Die Busspur wird 50 Jahre alt

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"Bus" steht in großen Lettern auf der Straße. Das bedeutet: Hier dürfen nur Linien- und Schulbusse fahren.

(Foto: picture alliance / dpa)

Busspuren gehören in Städten auf der ganzen Welt zum Straßenbild. Vor 50 Jahren hatte ein Deutscher die Idee zur revolutionären Sonderspur. Doch warum ist der Fahrstreifen notwendig? Und was droht, wenn Nicht-Busfahrer ihn benutzen?

Busspuren gehören in Städten auf der ganzen Welt zum Straßenbild. Vor 50 Jahren hatte ein Deutscher die Idee zur revolutionären Sonderspur. Doch warum ist der Fahrstreifen notwendig? Und was droht, wenn Nicht-Busfahrer ihn benutzen?

Wo gab es die erste Busspur der Welt?

Die erste Busspur der Welt gab es 1968 in Wiesbaden. Und das, obwohl ihre Einrichtung mangels Rechtsgrundlage eigentlich gar nicht erlaubt gewesen wäre. Es folgten juristische Auseinandersetzungen (unter anderem klagte der ADAC gegen die Busspur, verlor jedoch) und es gab erbitterten Widerstand der Wiesbadener. Doch die Neuerung erweckte auch Neugier: Nach und nach kamen Interessenten aus dem In- und Ausland, um die neue Errungenschaft des Straßenverkehrs zu inspizieren. Sogar Japaner interessierten sich für die Idee. So begann der Siegeszug der Busspur. Bereits 1970 wurden Busspuren auch in Berlin eingerichtet. 1971 wurde mit einer neuen Straßenverkehrsordnung schließlich die gesetzliche Grundlage für die Sonderspur geschaffen.

Wer hat sie erfunden?

Erfinder der Busspur ist der mittlerweile verstorbene Diplom-Ingenieur Rolf-Werner Schaaff. Er war in den 60er-Jahren Leiter des Amts für Verkehrswesen in Wiesbaden. In dieser Zeit nahm der Autoverkehr überall rasant zu. Um dem Verkehrsaufkommen Herr zu werden, entwickelte der Amtsleiter den "Schaaffschen Gesamtverkehrsplan". Und ein Bestandteil des Plans war die Einführung des Sonderstreifens für Busse.

Warum sind Busspuren überhaupt notwendig?

Die Sonderfahrspur ist heute ein wesentliches Instrument, um die Pünktlichkeit im Busverkehr vor allem im Innenstadtbereich zu garantieren. Oder wie das Bundesministerium für Verkehr auf Nachfrage von n-tv.de erklärt: Die Busspur sorgt "für einen geordneten und zügigen Betriebsablauf im öffentlichen Linienverkehr". Pünktlichkeit ist für den Nahverkehr elementar wichtig. Denn wer den Bus nimmt, möchte einen guten Grund dafür haben. Und wenn der Bus auf seiner eigenen Spur am Stau vorbeifahren kann und der Passagier deswegen schneller an sein Ziel kommt, ist das ein klarer Vorteil. Die Idee funktioniert allerdings offenbar nicht überall: In der Hauptstadt Berlin gilt der Bus - trotz Sonderspur - immer noch als unpünktlichstes Nahverkehrsmittel.

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So kann ein Zusatzschild zu einem Busspur-Schild aussehen. In diesem Fall dürfen Krankenfahrzeuge, Taxis und Fahrradfahrer den Sonderfahrstreifen mitbenutzen.

Wer darf die Busspur benutzen?

Grundsätzlich darf der Sonderfahrstreifen nur von Linienbussen und Schulbussen benutzt werden. Nicht einmal Reisebusse dürfen den Streifen befahren. Die Fahrbahn ist durch das Schild weißer Bus auf blauem Grund (Verkehrszeichen 245) deutlich gekennzeichnet. Zudem gibt es in der Regel eine Fahrbahn-Aufschrift.

Welche Strafen drohen, wenn man sie unrechtmäßig benutzt?

Wer die Busspur unrechtmäßig benutzt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einem Bußgeld in Höhe von 15 Euro rechnen. Wer dabei auch noch den Linienverkehr behindert, muss sogar 35 Euro berappen. Wer durch das Fahren auf der Busspur dem Linienbus die Vorfahrt nimmt, muss 20 Euro zahlen. Gefährdet man andere Verkehrsteilnehmer, drohen sogar 70 Euro Strafe und ein Punkt in Flensburg. Und wer durch die Gefährdung einen Unfall verursacht, muss mit 85 Euro Strafe und ebenfalls einen Punkt in Flensburg rechnen.

Gibt es Ausnahmen zum Beispiel für Radfahrer?

Einsatzfahrzeuge dürfen den Sonderfahrstreifen benutzen. Unter Umständen kann die Busspur auch für andere Verkehrsteilnehmer wie Taxis oder Fahrradfahrer freigegeben werden, dies ist dann mit einem Zusatzschild gekennzeichnet. Seit 2015 dürfen die Bundesländer Busspuren auch für Elektroautos freigeben. Teilweise sind Busspuren auch an bestimmten Tagen oder zu bestimmten Zeiten für den allgemeinen Verkehr freigegeben. Dies ist dann ebenfalls mit einem zusätzlichen Schild gekennzeichnet.

Was muss ich beachten, wenn ich zu den Verkehrsteilnehmern gehöre, die die Busspur benutzen dürfen?

Fahrzeuge, die die Busspur mitbenutzen dürfen, müssen immer darauf achten, dass sie Busse auf dem Fahrstreifen nicht behindern. Denn Busse haben Vorrang. Gegebenfalls müssen Fahrzeuge, die auf der Spur fahren, auch auf die besonderen Lichtzeichen achten, die für die Spur gelten.

Mit welchen Problemen kämpfen Busfahrer, trotz Busspur?

Dadurch dass andere Verkehrsteilnehmer die Busspur rechtmäßig, aber auch unrechtmäßig benutzen, entstehen für Busfahrer Probleme. Vor allem mit Radfahrern gibt es in vielen Städten Streit. Denn sie fahren langsamer als Busse, Busse müssen die Radler überholen. Wenn die Busspur sehr schmal ist, müssen sie bremsen und auf eine andere Spur ausweichen. Busfahrer beklagen sich deswegen vielerorts, dass dieses Prozedere Zeit koste, was wiederum für Verspätungen sorge. Ein weiteres Problem für Busfahrer trotz privilegiertem Fahrstreifen: Oft werden Buspuren durch Falschparker und Lieferverkehr blockiert.

Quelle: n-tv.de