Panorama

Invasion von Mücken und Ratten Die Ewige Stadt versinkt im Müll

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Der Blick aufs Colosseum wird in Rom zurzeit von überlaufenden Müllcontainern getrübt.

(Foto: AP)

Die italienische Hauptstadt Rom produziert am Tag 5000 Tonnen Müll. Die Entsorgung wird zunehmend zum Problem, denn zwei Hauptdeponien sind jüngst abgebrannt. Die Abfallmassen locken Wildschweine, Ratten und Mücken ins Zentrum und werden zum Gesundheitsrisiko für Anwohner und Touristen.

Nach dem Brand mehrerer Mülldeponien leidet Rom unter Tonnen von übrig gebliebenem Müll. Für die Stadt ist es eine wiederkehrende Plage, die sich in diesem Sommer jedoch so verschlimmert hat, dass die italienische Ärztevereinigung eine Hygienewarnung herausgab.

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Alltag in den Straßen Roms: Der Müll türmt sich.

(Foto: AP)

Die Müllberge an den Straßenrändern locken eine ungewohnte Tierwelt in das historische Zentrum der italienischen Hauptstadt - Möwen, Ratten, Wildschweine. Deren Exkremente verteilen sich in der Stadt und könnten Krankheitserreger schneller verbreiten. Mücken und Wanzen entwickeln sich ihrerseits zur Plage. Der Präsident der Römer Ärztegesellschaft Antonio Magi sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von einem "Hygienealarm", der sich zu einem "Gesundheitsalarm" entwickeln könnte.

Das Problem trifft sowohl Bewohner der Stadt als auch Touristen. Die Römer zahlen im Jahr mehrere Hundert Euro Müllsteuer, doch das Drama wiederholt sich jeden Sommer. Daher gehen sie auf die Straße und protestieren. Touristenmassen müssen sich zwischen Müllhaufen, die in der glühenden Hitze für Gestank und Ekel sorgen, vorantasten - ein großer Imageverlust für Rom.

5000 Tonnen Abfall pro Tag

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Wohin mit dem Dreck?

(Foto: AP)

Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht, der Stadt fehlt die Infrastruktur, um ihren Müll zu entsorgen. Von drei Hauptdeponien wurde eine geschlossen, die anderen beiden wurden in den letzten Monaten durch einen Brand zerstört. Kompostier- oder Verbrennungsanlagen haben nicht die Kapazitäten, um das Problem zu lösen. Die Stadt, die täglich fast 5000 Tonnen Abfall produziert, muss nun vermehrt Deponien in anderen Regionen bemühen oder den Müll ins Ausland exportieren.

Bei einem Treffen mit Umweltminister Sergio Costa versicherte Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi, die Normalität werde zurückkehren - "innerhalb von 15 Tagen". Verbrennungsanlagen lehnt Raggi aus parteipolitischen Gründen allerdings strikt ab. Sie setzt vielmehr auf Mülltrennung und Wiederverwertung - beides Punkte, die von der Stadtbevölkerung abhängen.

Viele Bürger erschweren die Entsorgung zusätzlich: An Müllcontainern werden Matratzen, Kühlschränke und Sofas entsorgt. "Jeder beschwert sich über Müll, aber niemand will eine Verbrennungsanlage", sagte ein Einwohner der Stadt der AFP. "Dabei bringen wir schon Müll ins Ausland - nach Österreich, nach Deutschland!"

Quelle: n-tv.de, mba