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Sonntag, 24. Juli 2016

"Zwei Schüsse, ganz dicht" : Die Geschichte hinter dem München-Video

Das Video geht um die Welt: Aus einem Hochhaus in München filmt ein 20-Jähriger den Amokläufer auf dem Parkhausdach. Zu hören sind dabei auch Beschimpfungen und Beleidigungen. Doch die kommen vom Bewohner eine Etage höher.

Es ist eines von zwei kleinen Videos, die den Amokläufer von München während seiner Bluttat zeigen. Aufgenommen von einem Hochhaus gegenüber dem Parkhaus, auf dessen Dach der 18-Jährige steht. Es zeigt den Deutsch-Iraner. Er läuft scheinbar aufgeregt hin und her. Und er lässt sich auf eine verbale Auseinandersetzung mit einem Bewohner des Hochhauses ein. Sie schreien sich an. Eine Flasche fliegt, Schüsse fallen.

Das Video stammt laut "Welt" von einem 20-Jährigen. Er wohnt seit einigen Jahren in München, ist Muslim. "Wir dachten erst, da wirft einer mit Böllern", erzählt er der Zeitung. "Aber dann haben wir den Kerl mit der Waffe gesehen." Dann habe er begonnen zu filmen. In dem Einkaufszentrum, auf dessen Parkhaus der Amokläufer steht, sind zu diesem Zeitpunkt Freunde des 20-Jährigen. Er habe sie mit dem Video warnen wollen und es ihnen geschickt. "Dass das dann um die ganze Welt geht, konnte ich ja nicht ahnen."

"Wenn ich eine Knarre gehabt hätte..."

Und während der filmt, bepöbeln sich der Amokläufer und ein anderer Bewohner des Hauses. Es ist ein 57-Jähriger. Auch mit ihm hat die "Welt" gesprochen. Er habe auf seinem Balkon ein Feierabendbier getrunken. "Dann habe ich Schüsse gehört und dann ist mir dieser Vollpfosten mit der Waffe da unten aufgefallen", sagt der Baggerfahrer den Reportern. Mit der Flasche wirft er nach dem 18-Jährigen auf dem Parkdeck. Doch sie zerschellt an einer Überführung. "Wenn ich eine Knarre gehabt hätte, dann hätte ich nicht mit der Flasche geworfen, sondern ihm gleich einen Kopfschuss gegeben, diesem Vollidioten", diktiert er breitbeinig den Reportern in den Block.

"Du bist doch nicht ganz sauber, habe ich gerufen, du bist ein Arschloch!" Auf dem Video sind weitere Kraftausdrücke zu hören. "Ich bin Deutscher", entgegnet der Amokläufer. "Das war doch ein Psycho, der war doch nicht ganz sauber, das hat man doch schon gesehen", sagt indes der Hausbewohner. Im "Focus" erklärt ein Amok-Experte, dass die Schimpf-Tiraden nicht unklug gewesen sein könnten. Wolle man einen Amoktäter aufhalten oder zumindest ausbremsen, "dann muss man ihn irritieren", sagte Gewaltdeeskalationstrainer Heinz Kraft. Einen Amoktäter zur Aufgabe zu überreden, sei so gut wie unmöglich.

Und so scheint es auch in München: Inmitten der Beschimpfungen hebt der Amokläufer seine Waffe "und bam, bam, bam, da bin ich in Deckung gegangen", erinnert sich der 57-Jährige. Laut "tz" schlugen Kugeln im Balkon ein. In diesem Moment geht ein Stockwerk tiefer auch der 20-Jährige, der die Szene filmt, hinter seiner Balkonbrüstung in Deckung. Der Mann habe seine Pistole nachgeladen "und dann hat er sofort auf unseren Balkon geschossen", sagt er. "Zwei Schüsse, ganz dicht über meinen Kopf, ich hatte totales Glück, aber mein Vater hat etwas abbekommen." Glücklicherweise sei er nur von Splittern getroffen, heißt es in dem Bericht. Aus dem Krankenhaus ist er inzwischen wieder entlassen.

Quelle: n-tv.de