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Barren statt Rollator Die "Turn-Oma" kann es immer noch

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Johanna Quaas trainiert fast täglich.

(Foto: imago/APP-Photo)

Fabian Hambüchen hat sich mit 29 Jahren von der Turner-Karriere verabschiedet, für Johanna Quaas ist sie in dem Alter noch nicht einmal richtig losgegangen. Heute ist die Turnerin 91 und immer noch überholt sie auch jüngere Konkurrenz.

Die meisten Menschen wären schon froh, wenn sie in ihrem Alter noch ohne Rollator zurechtkommen: Johanna Quaas dagegen bewegt sich mit ihren 91 Jahren am Barren, als hätte sie von Rheuma oder Arthrose noch nie gehört. Quaas ist die älteste Wettkampfturnerin der Welt, hat dafür einen eigenen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde. Und nun hat sie sich beim Turnfest in Berlin erneut den Punktrichtern gestellt und das Publikum in Erstaunen versetzt.

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Eigentlich wollte sie nicht mehr antreten. Das hatte Quaas beschlossen, nachdem sie 2011 zum elften Mal die Seniorenmeisterschaften gegen deutlich jüngere Konkurrenz gewonnen hatte. "Es war mir unangenehm, mit fast 90 oben zu stehen. Ich dachte, irgendwann muss Schluss sein", sagte die als "Turn-Oma" bekannt gewordene Sportlerin dem "Tagesspiegel". Doch nun hat sie es doch noch einmal getan und ist nach Berlin gefahren. "Ich will mich kontrollieren, ob ich es noch kann", so Quaas im RBB.

Ein halbes Jahr bereitete sie sich auf den Wettkampf vor. Mindestens zweimal die Woche Hallentraining, tägliche Mobilitätsgymnastik nach dem Aufstehen – klar geht das nicht ohne Selbstdisziplin. Aber Quaas kann sich auch auf ihren angeborenen Bewegungsdrang verlassen. Den habe sie schon als Kind verspürt, erzählt die Turnerin dem "Tagesspiegel". Damals im Burgenlandkreis, als sie ihrem turnenden Vater nacheiferte, Stangen hochkletterte und Aufschwünge übte. Später ließ sie sich zur Sportlehrerin ausbilden, in der DDR arbeitete sie als Turn-Trainerin. Mit 57 Jahren wollte sie dann nicht mehr nur andere zu Wettkampfreife führen, sondern sich auch selbst wieder beweisen. Mit Erfolg, nur ein Jahr später sicherte sie sich den Titel als DDR-Meisterin.

Dass die sportliche Rentnerin inzwischen auch außerhalb von Turner-Kreisen bekannt ist, hat sie Youtube zu verdanken. 2012 wurden einige Videos ihrer Auftritte zu viralen Hits. Sie wurden millionenfach geklickt, überall auf der Welt. Beim Berliner Turnfest lieferte Quaas nun neue Zeugnisse ihres Könnens ab: Im grünen Trikot turnt sie am Barren, ihrem Lieblingsgerät. Voller Körperspannung vollführt sie den Kopfstand, balanciert auf ihren Armen in der Stützwaage und schwingt behände zwischen den Stangen. Wer nicht weiß, dass hier eine 91-Jährige turnt, der wird es nicht glauben. Und der Wettbewerb? Den hat Quaas diesmal zwar nicht gewonnen, zufrieden kann sie trotzdem sein: Sie wird Fünfte von zwölf, die Konkurrentinnen sind deutlich jünger als sie selbst. Die "Turn-Oma" kann es immer noch.

Quelle: n-tv.de, ino

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