Panorama

Hundertfacher Kindesmissbrauch Dritter Lügde-Täter räumt Vorwürfe ein

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Einer der Angeklagten versteckt zum Prozessauftakt sein Gesicht hinter einem Aktenordner.

(Foto: picture alliance/dpa)

Zu Prozessbeginn um den massenhaften Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde folgt nach den Geständnissen der beiden Hauptangeklagten die Aussage des dritten Beschuldigten. Die Täter argumentieren mit Erinnerungslücken und Verwechslungen.

Nach den überraschenden Geständnissen im Missbrauchsprozess von Lügde kommen neue Details ans Licht. Die beiden Hauptangeklagten, der 56-jährige Andreas V. und der 34-jährige Mario S., räumten die angeklagten Taten vor dem Detmolder Landgericht über ihre Verteidiger weitestgehend ein. Auch der dritte Angeklagte, der 49-jährige Heiko V., räumte über seinen Verteidiger die Vorwürfe wenig später ein. Das schilderten Nebenklägeranwälte - die Öffentlichkeit war von der Verlesung der Erklärung ausgeschlossen. Bei den Ermittlungen waren mehr als 40 Opfer identifiziert worden, angeklagt sind sexuelle Gewalttaten gegen 34 minderjährige Opfer.

Die beiden Hauptangeklagten bestritten allerdings auch rund ein Dutzend Fälle. Zum Teil gaben sie an, sich an diese Taten nicht erinnern zu können. Bei anderen Fällen sahen sie Verwechselungen der Opfer mit dem jeweils anderen Angeklagten. In einem Fall gab Mario S. an, als 13-Jähriger zum Tatzeitpunkt nach einem Umzug nicht mehr am vermeintlichen Tatort gewohnt zu haben.

Die Taten sollen sich vor allem auf einem Campingplatz in Lügde an der Grenze zu Niedersachsen ereignet haben. Andreas V. werden fast 300 Straftaten vorgeworfen. Er soll im Sommer 1998 und von 2008 bis 2018 insgesamt 23 Mädchen teilweise schwere sexuelle Gewalt angetan haben. Bei ihm fanden sich fast 900 Bild- und Videodateien, die sexuelle Übergriffe auf Minderjährige zeigen.

4800 Dateien sichergestellt

Der 34-jährige Mario S. ist angeklagt, in rund 160 Fällen acht Mädchen und neun Jungen missbraucht zu haben. Der Mann soll die Gewalttaten über einen Zeitraum von 20 Jahren ab 1999 auf dem Campingplatz und in seiner Wohnung verübt haben. Bei ihm wurden rund 4800 Bild- und Videodateien mit kinder- und jugendpornografischem Material sichergestellt.

Beide Hauptangeklagten sollen auch vergewaltigt haben. Heiko V. soll nicht selbst Gewalt ausgeübt haben, sondern an mehreren Webcam-Übertragungen teilgenommen und teils zu den Taten angestiftet haben.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. Das Gericht will einige Opfer als Zeugen befragen. Nach Auskunft ihrer Anwälte soll es dabei aber nach den Geständnissen nicht mehr um die konkreten Taten gehen. Neun weitere Verhandlungstermine bis Ende August sind festgesetzt.

Quelle: n-tv.de, joh/dpa

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