Panorama

Isolierung, Quarantäne, Cluster Drosten entwirrt eigenen Corona-Vorschlag

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"Wie viele verpasste Infektionen man zulassen will, ist eine politische Entscheidung", meint Drosten.

(Foto: imago images/Reiner Zensen)

Die Begriffe Isolierung, Quarantäne, Cluster gehen oft durcheinander und werden nicht immer richtig verwendet. In der Diskussion dazu geht vieles drunter und drüber. Virologe Christian Drosten versucht, das Chaos zu entwirren.

Der Berliner Virologe Christian Drosten hat seine Vorschläge für den Umgang mit Corona-Infizierten und Verdachtsfällen präzisiert. In einer Mail an die Deutsche Presse-Agentur ging er auf einen von ihm vorgeschlagenen "Notfallmodus" für den Fall ein, "wenn die Gesundheitsämter die Fallverfolgung nicht mehr leisten können, die Inzidenz steigt, und deshalb ein Lockdown unausweichlich erscheint". Die Gesundheitsämter sollen sich dann laut Drosten auf sogenannte Quellcluster konzentrieren. Cluster sind bestimmte Gruppen von Menschen, in denen sich viele Leute mit dem Virus infiziert haben könnten. Das kann beispielsweise bei Familienfesten und in Unternehmen der Fall sein.

"Ich führe den Begriff 'Abklingzeit' ein, weil in dieser Notfallsituation ein Quellcluster weitgehend unbestätigt isoliert wird und man einfach annimmt, dass die meisten Mitglieder infiziert sind", schreibt Drosten. "Ich empfehle hier das Vorgehen wie bei der Einzelisolation: Fünf Tage Isolierung, danach Testung." Er empfehle die kurze Zeit von fünf Tagen, weil in Quellclustern die meisten Infizierten zu einem einzigen Zeitpunkt infiziert worden seien. Eine Isolierung oder Isolation betrifft nach Angaben des Gesundheitsministeriums Menschen, die infiziert sind und das Virus ausscheiden.

Drosten zu Quarantäneverkürzung: Denke, das geht!

Für nachgewiesen Infizierte empfiehlt Drosten in seiner Mail: "Ab dem Zeitpunkt der Diagnose geht der Patient noch fünf Tage in Heimisolierung. Dann erfolgt eine Testung und bei niedriger Viruslast eine Aufhebung der Isolierung. Optional kann man auch ohne Freitestung die Isolierung aufheben, denn die Virusausscheidung ist meist schon vorbei." Dies gelte nur für milde Fälle mit geringem Risiko der Verschlechterung.

Bislang gilt laut RKI, dass Infizierte frühestens 10 Tage nach Symptombeginn aus der Isolation dürfen. Personen mit Verdacht auf eine Infektion müssen derzeit 14 Tage in Quarantäne. Dazu schreibt Drosten: "Derzeit läuft eine Diskussion auf EU-Ebene, ob man die 14 Tage auf 10 Tage reduzieren kann. Ich denke, das geht. Ich kann mir auch vorstellen, dass man sogar noch ein paar Tage weiter reduzieren kann, zum Beispiel auf sieben Tage."

Man könne sich ausrechnen, welchen Anteil derjenigen Personen, deren Infektion während der 14-tägigen Quarantäne ausbricht, man dann verpasst. "Wie viele verpasste Infektionen man zulassen will, ist eine politische Entscheidung. Denn man kann nicht jede Infektion verhindern und muss es aus epidemiologischen Gesichtspunkten auch nicht, wenn nur das Ziel ist, die exponentielle Ausbreitung zu unterbinden."

Drosten hatte zu diesem Thema auch in einem Podcast des NDR gesprochen. Die Deutsche Presse-Agentur hatte berichtet, dass Drosten sich für eine Verkürzung der Quarantänezeit für Menschen mit Verdacht auf eine Coronainfektion von 14 auf 5 Tage ausspricht - ohne explizite Erwähnung der genauen Umstände einer solchen Maßnahme. Der Begriff Quarantäne bezieht sich aber nur auf diejenigen, die Kontakt zu Infizierten hatten - und möglicherweise infiziert sind. Mit der Quarantäne soll vermieden werden, dass sie während der Inkubationszeit ungewollt andere Menschen anstecken.

Spahn offen für Verkürzung

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zeigte sich offen für eine mögliche Verkürzung der Quarantäne auf nur noch zehn Tage. Es gelte jetzt abzuwägen, was "die richtige Quarantäne-Länge" für Herbst und Winter sei, sagte der CDU-Politiker am Freitag in Berlin. Bis Anfang Oktober solle ein angepasstes Konzept zum weiteren Vorgehen bei Tests und Quarantäne erarbeitet werden. "Ich kann mir gut vorstellen, dass dazu gehört, eine zehntägige Quarantäne für Reiserückkehrer und möglicherweise darüber hinaus." Es sei zu klären, ob die Praktikabilität und die tatsächliche Bereitschaft zur Quarantäne dann überwiegen könnten.

Spahn sagte, in der Debatte gehe es nicht um falsch oder richtig. So gebe es Argumente für eine Quarantäne von 20 wie von zehn Tagen. Je länger die Quarantäne, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, alle potenziell Infizierten zu erfassen und die Weiterverbreitung des Virus gen Null zu bringen. Auf der anderen Seite stünden der Aufwand und Belastungen für die Betroffenen, aber auch für die Wirtschaft, Kitas oder Schulen.

Quelle: ntv.de, mba/dpa

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