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"Sind jetzt wieder im Anstieg" Drosten warnt vor heimischen Clustern

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"Wir sind jetzt wieder im Anstieg", sagt Virologe Christian Drosten.

(Foto: picture alliance/dpa)

In Deutschland steigen die Corona-Fallzahlen wieder. Laut Christian Drosten ist die Situation aber nicht mit den vergangenen Monaten zu vergleichen. Damals seien für viele Infektionen Reiserückkehrer verantwortlich gewesen. Die neuen Fälle gingen dagegen auf Cluster in der Bundesrepublik zurück, so der Virologe.

Bei der Entwicklung der Zahl der Neuinfektionen in Deutschland sieht der Virologe Christian Drosten Unterschiede im Vergleich zum August. Der am Morgen vom Robert Koch-Institut (RKI) gemeldete Wert von rund 2200 Neuinfektionen sei "schon nicht so eine beliebige Schwankung. Sondern wir sind jetzt wieder im Anstieg", sagte der Charité-Wissenschaftler in Berlin beim Kommunikationskongress des Bundesverbands der Kommunikatoren. Dort wurde er für seine Aufklärungsarbeit in der Pandemie mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet.

Im August sei das kurze An- und Abschwellen der Zahl der Neuinfektionen mit großer Sicherheit auf aus dem Ausland importierte Fälle zurückzuführen gewesen, "die in Deutschland nicht weitergegangen sind", so Drosten. Die jetzt neu diagnostizierten Fälle seien aber in Deutschland aufgetretene Infektionen. Diese Unterscheidung ist laut Drosten wichtig. Denn der jetzt diagnostizierte Fall sei in erster Linie ein Hinweis auf das Cluster, in dem der Mensch sich vor einer Woche angesteckt hat.

Drosten: Kein "Lockdown" wie im März

Ein Cluster kann beispielsweise eine Gruppe von Menschen bei einer Familienfeier oder eine Bürogemeinschaft sein. Bei Reiserückkehrern liege dieses Cluster im Ausland. Anders bei den aktuellen Fällen: "Und da ist im Hintergrund ein unerkanntes Cluster. Das heißt, wir müssen uns eigentlich jetzt so drauf einstellen, dass das, was wir sehen, der Beginn einer Inzidenzzunahme ist, die man irgendwann auch dann wieder kontrollieren muss."

Drosten betonte, dass die Situation auch nicht mit der im März vergleichbar sei. Selbst wenn demnächst - wie damals Ende März/Anfang April - mehr als 6000 Neudiagnosen pro Tag gemeldet würden, sei das nicht dasselbe, weil viel mehr getestet werde. Man müsse dann nicht wie im März einen "Lockdown" machen. "Wir zählen viel empfindlicher", sagte Drosten. Es dürften also mehr der vorhandenen Infektionen auch erkannt werden als im Frühjahr. Zum anderen sind jetzt mehr jüngere Leute infiziert, die nicht schwer krank werden.

*Datenschutz

Trotzdem gebe es aber keine Entwarnung, sagte Drosten. Beim Coronavirus sorgen die meisten Infizierten laut früheren Ausführungen von Drosten für relativ wenige Ansteckungen, während einzelne Infizierte - die sogenannten Superspreader - unter bestimmten Umständen sehr viele Folgefälle auslösten, beispielsweise in einem Cluster.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich laut einer Zählung von ntv.de mindestens 264.636 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion lieg demnach bei 9370. Aktuell gelten etwa 235.800 Menschen als genesen.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa