Panorama

Schwere Unwetter im SüdwestenDutzende Häuser in Stromberg überflutet

24.06.2016, 19:55 Uhr
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Zeitweise stand das Wasser zwei Meter hoch in den Straßen - viele Hilfskräfte waren im Einsatz. (Foto: dpa)

Die kurze Hitzewelle wird durch Unwetter beendet. In mehreren Bundesländern gibt es heftige Regenfälle, teils mit Hagelschlag. Besonders hart trifft es Stromberg, wo Katastrophenalarm ausgelöst wird. Und die Unwetter sollen weitergehen.

Bei einem Unwetter in der rheinland-pfälzischen Kleinstadt Stromberg sind etwa 60 Häuser überflutet worden. Die Behörden lösten Katastrophenalarm aus. Die meisten Bewohner wurden in Booten gerettet, wie Philipp Köhler vom Krisenstab des Kreises Bad Kreuznach berichtete. "Aber es gibt immer noch Leute, die nicht aus dem Haus können." Umliegende Orte seien nicht betroffen, hieß es.

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz traf am Nachmittag in Stromberg im Hunsrück ein und machte sich ein Bild von der Lage. "Das Wasser ist ganz schnell gekommen", sagte Köhler. Zeitweise habe es zwei Meter hoch in den Straßen gestanden. Inzwischen laufe das Wasser langsam ab. "Aber der Schlamm bleibt."

Die Stromberger reagierten betroffen über die Wucht des Unwetters. "Damit muss man erstmal umgehen, wenn plötzlich das Haus unter Wasser steht." Der Krisenstab koordinierte rund 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Katastrophenschutz, Technischem Hilfswerk und Sanitätsdiensten. Mit Blick auf die Versorgung in der Nacht wurde ein Betreuungszentrum eingerichtet. Stromberg hat etwas mehr als 3000 Einwohner und liegt in 220 Metern Höhe am Rand des Soonwalds, einem der Bergzüge im Hunsrück.

Unwetter in Rheinland-Pfalz und Hessen

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Ein Auto bleibt auf der A7 in Hessen nach einem heftigen Regenguss stecken. (Foto: dpa)

Doch nicht nur Stromberg war von Unwettern betroffen. Schwere Gewitter mit örtlich viel Regen trafen vor allem den Norden von Rheinland-Pfalz. "Der Schwerpunkt war von der Eifel rüber bis zum Westerwald", sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes. Über den Umfang der Schäden lagen zunächst keine genauen Informationen vor.

Vier Zentimeter dicke Hagelkörner kamen bei einem Gewitter in Mittelhessen herunter. Menschen wurden nicht verletzt, aber Keller liefen voll. Das Gewitter setzte Straßen unter Wasser und entwurzelte Bäume. Teilweise fielen bis zu 60 Liter Regen pro Quadratmeter. Auf der Bahnstrecke Wiesbaden-Koblenz kam es wegen Unwetterschäden im Mittelrheintal zu Beeinträchtigungen. Beiderseits des Rheins seien die Gleise unterspült worden, sagte eine Bahnsprecherin in Berlin. Linksrheinisch sei der Abschnitt zwischen Niederheimbach und Bingen betroffen gewesen. Dieser konnte am Nachmittag laut Bahn wieder mit verminderter Geschwindigkeit befahren werden. Rechtsrheinisch war die Strecke zwischen Lorch und Kaub betroffen. Zunächst war unklar, wann die Züge dort wieder rollen konnten.

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Das "Hurricane"-Festival in Niedersachsen musste wegen eines Unwetters unterbrochen werden. (Foto: dpa)

Das "Hurricane"-Festival im niedersächsischen Scheeßel wurde wegen eines schweren Unwetters für zwei Stunden unterbrochen. Dies sei keine Absage des Festes, teilten die Veranstalter mit. Die Festivalmacher riefen zu Rücksicht und Hilfe auf. Bereits am Donnerstag waren heftige Gewitter über die Gemeinde hinweggezogen und hatten auch das Festivalgelände in Mitleidenschaft gezogen. Bei dem ausverkauften Event werden rund 75.000 Zuschauer erwartet. Anfang Juni hatten Blitzeinschläge beim Festival "Rock am Ring" in Rheinland-Pfalz 71 Menschen verletzt. Viele von ihnen erlitten Verbrennungen oder Herz-Rhythmus-Störungen.

35,7 Grad in Baden-Württemberg

In anderen Teilen Deutschlands wurde es am Freitag noch einmal sehr heiß. In Sachsen-Anhalt stiegen die Temperaturen örtlich auf fast 34 Grad. Die Sachsen konnten mit bis zu 37 Grad rechnen. "Aber die schwüle Luft wird die gefühlten Temperaturen in Richtung 40 Grad bringen", sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes. Das Hoch "Wolfgang" hatte Deutschland schon am Donnerstag den bislang heißesten Tag des Jahres beschert. Die höchsten Temperaturen wurden in Obersulm bei Heilbronn in Baden-Württemberg mit 35,7 Grad gemessen.

Bereits in der Nacht zum Freitag hatten Unwetter in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern Schäden angerichtet. Im Osten und Süden Deutschlands sollten die Unwetter erst am Samstag ankommen. "Das Unwetterpotenzial ist leider hoch bis sehr hoch", sagte dazu n-tv Meteorologe Björn Alexander. "Denn je heißer und feuchter die Luft ist, umso mehr Energie hat sich gespeichert und umso heftiger kann es krachen." Laut Alexander drohen von West nach Ost schwere Gewitter mit Starkregen, Hagelschlag und Sturm- bis sogar Orkanböen. "Auch einzelne Tornados sind nicht auszuschließen." Am Sonntag seien die Unwetter dann aber durch, so Alexander.

Quelle: ntv.de, mli/dpa

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